China hat eine historische Mission zur Erkundung der Rückseite des Mondes gestartet. Eine Rakete vom Typ Langer Marsch startete am Samstagmorgen (Ortszeit) vom Weltraumbahnhof Xichang mit dem Mond-Rover „Chang“e 4„ in Richtung des Erdtrabanten, wie die Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Bei einem erfolgreichen Verlauf der Mission wäre China die erste Raumfahrtnation, der eine Landung auf der erdabgewandten Seite des Mondes gelänge.

Die Weltpremiere ist Teil von Pekings ehrgeizigem Raumfahrtprogramm. Damit werde “ein neues Kapitel bei der Erkundung des Mondes„ aufgeschlagen, schrieb Xinhua nach dem Start der Rakete um 02.23 Uhr (Ortszeit; 19.23 Uhr MEZ).

Unberührtes Terrain auf der Rückseite des Mondes

“Chang'e 4„ soll die Rückseite des Mondes um den Neujahrstag herum erreichen. Missionschef He Rongwei bezeichnete den Start der Sonde als historisches Ereignis. Es sei der erste Versuch in der Geschichte der Raumfahrt, einen Mond-Rover zu Erkundungen auf der Mondrückseite landen zu lassen. Die Mission sei “das bedeutendste Weltraum-Forschungsprojekt im Jahr 2018„.

Ein Modell der chinesischen Mondsonde «Chang'e 4» auf der China International Aviation and Aerospace Exhibition.
Ein Modell der chinesischen Mondsonde «Chang'e 4» auf der China International Aviation and Aerospace Exhibition.

Auch der US-Experte Jonathan McDowell vom Harvard-Smithsonian-Zentrum sprach von einem Meilenstein für Chinas Raumfahrtprogramm. Er hob hervor, dass China hier etwas unternehme, was bislang keine andere Nationen in Angriff genommen habe. Die Sonde soll auf der erdabgewandten Mondseite das unberührte Terrain erforschen und wissenschaftliche Experimente vornehmen. Geplant sind unter anderem Forschungen zu Mineralien und der Anbau von Kartoffeln und anderen Pflanzen. Bei einem der Experimente soll ein von Wissenschaftlern der Kieler Universität entwickeltes Strahlenmessgerät zum Einsatz kommen.

Harte Bedingungen auf der "dunklen Seite"

Die Landung dürfte schwierig werden: Während die der Erde zugewandte Seite des Mondes viele flache Stellen zum Landen hat, ist die Rückseite des Erdtrabanten deutlich schroffer und bergiger. 1959 war es der Sowjetunion gelungen, die ersten Bilder der Rückseite aufzunehmen und damit das Geheimnis um die “dunkle Seite des Mondes„ zumindest teilweise zu lüften. Die Sonde muss nach ihrer Landung unter harten Bedingungen funktionieren. Während der Mondnacht, die 14 Tagen auf der Erde entspricht, sinken die Temperaturen auf bis zu minus 173 Grad Celsius. Während des Mondtages, der ebenfalls 14 Tage auf der Erde dauert, wird es bis zu 127 Grad warm. Die Instrumente müssen diesen Schwankungen standhalten und während der hellen Zeit genug Energie tanken, um die dunkle Zeit zu überstehen.

Diese grafische Darstellung zeigt den Rover der chinesischen Mondsonde Chang'e 4.
Diese grafische Darstellung zeigt den Rover der chinesischen Mondsonde Chang'e 4. | Bild: -

Die Raumfahrzeuge des chinesischen Mondprogramms sind nach der Mondgöttin Chang“e aus der chinesischen Mythologie benannt. „Chang“e 4„ ist die zweite chinesische Mondsonde nach der Mission “Yutu„ (Jade-Hase) von 2013. “Yutu„ hatte den schwierigen Bedingungen auf dem Mond standgehalten. Nach anfänglichen Problemen untersuchte die Sonde den Mond 31 Monate lang. Der Erfolg der “Yutu„-Mission hatte dem chinesischen Raumfahrtprogramm einen kräftigen Schub gegeben. Im kommenden Jahr ist der Start einer weiteren Sonde, “Chang'e 5„, geplant. Sie soll Proben sammeln und zur Erde zurückbringen.

Chinas Pläne im All

China hat weitere ehrgeizige Ziele in der Raumfahrt: Bis 2021 will Peking eine wiederverwertbare Trägerrakete entwickeln, die mehr Fracht transportieren kann als die Nasa und das private Raumfahrtunternehmen SpaceX. Außerdem plant China einen Stützpunkt auf dem Mond, eine bemannte Raumstation sowie ein Mars-Fahrzeug. “Chang'e-4„ sei ein bedeutender Zwischenschritt für Pekings künftige Mond-Projekte, sagte der US-Experte McDowell. China werde während der Mission wichtige technologische Erkenntnisse sammeln für das Vorhaben, eines Tages Menschen zum Mond zu schicken. (AFP)