Dass Till Reese seine Leidenschaft für elektrische Autorennbahnen wiederentdeckte, ist einem Zufall geschuldet: Mitte der 1990er-Jahre zog ein Freund um – und fand beim Kistenpacken im Keller zwei Grundpackungen der Carrera Universal aus den 1960er-Jahren.

Gemeinsam bauten sie die Rennbahnen wieder auf, und siehe da: Sie funktionierte noch. Deutsche Wertarbeit eben. Die beiden Freunde fuhren ein Rennen gegeneinander, und Runde um Runde kehrten die Kindheitserinnerungen zurück: an die Wirtschaftswunderjahre, als eine elektrische Autorennbahn der Traum aller kleinen Jungen war.

Till Reese verwandelte seine wiederentdeckte Leidenschaft für die Carrera-Bahn in ein Geschäftsmodell: Heute betreibt er in Krefeld den Rennbahnshop, in dem Sammler auf 180 Quadratmetern fast alles finden, was es früher wie heute von Carrera gibt und gab. „Die Auswahl an Carrera-Artikeln ab 1963 ist ohne Übertreibung die größte in Deutschland, wenn nicht sogar weltweit“, sagt Reese.

Eine Bahn aus alten Originalteilen

Über 4000 verschiedene Artikel für Carrera-Rennbahnen aller Baujahre sind vorrätig; wer seine Bahn aus Kindheitstagen wiederhaben möchte, kann sich ein mit Originalteilen bestücktes Komplettset zusammenstellen lassen.

Daneben gibt es auch noch die mit 120 Metern größte Carrera-Universal-Bahn Deutschlands sowie das Renn-Center, wo die Besucher gegeneinander Rennen fahren können und außerdem das einzige Rennbahn-Museum Europas auf mehr als 150 Quadratmetern.

Auf der Erfolgsspur: Carrera-Bahnen sind bei Sammlern beliebt.
Auf der Erfolgsspur: Carrera-Bahnen sind bei Sammlern beliebt. | Bild: Till Reese/Rennbahnshop Krefeld

„Elektrisch angetriebene, spurgebundene Automodelle gab es schon vor dem Zweiten Weltkrieg, so ab 1934 von Märklin. Die Produktion wurde allerdings 1938 eingestellt“, weiß Hans-Georg Breiding, Sammelexperte und Herausgeber des Online-Portals Sammeln-Sammler.de. „Elektrische Autorennbahnen, wie wir sie heute kennen, existieren seit den 1950er-Jahren.“

Führend auf dem deutschen Markt war lange Jahre die 1963 auf den Markt gekommene Carrera-Bahn des Fürther Spielzeugherstellers Neuhierl, Hauptwettbewerber war unter anderem Märklin Sprint.

Heute gehört Carrera zu Stadlbauer

Leidenschaftliche Carrera-Liebhaber wie Till Reese seien bis heute „das Herz der Marke“, sagt Lorenz Spalt, Marketingmanager beim österreichischen Unternehmen Stadlbauer, dem die Carrera-Markenrechte heute gehören. „Durch ihr beeindruckendes Wissen über unsere Historie oder technische Details versetzen sie nicht nur immer wieder Carrera-Mitarbeiter ins Staunen, sondern stecken immer wieder ihr eigenes Umfeld mit dem Carrera-Virus an.“ Dadurch würden nicht nur treue Fans erhalten bleiben, sondern auch immer wieder neue dazukommen.

Alte Carrera-Bahnen gelten heute als Wertanlage.
Alte Carrera-Bahnen gelten heute als Wertanlage. | Bild: Till Reese/Rennbahnshop Krefeld

Zunehmend sind die historischen Rennbahnen auch unter Geldanlage-Gesichtspunkten interessant – vor allem die zugehörigen Rennautos. Diese gibt es in verschiedensten Varianten: Unterschiedliche Marken, Modelle und Lackierungen – eben so ziemlich alles, was das Sammlerherz begehrt.

Für gebrauchte, bespielte Autos legen Carrera-Fans zwar je nach Zustand nur 10 bis 30 Euro auf den Tisch. Mit wirklich gut erhaltenen Modellen lassen sich aber auch 70 Euro und mehr erlösen. In Einzelfällen – wenn es sich um ein besonders seltenes Modell wie etwa den Renault RS10 F1 in Dunkelorange handelt, sind auch mal bis zu 500 Euro drin.

Ein Problem gibt es allerdings: Tut man mit der Carrera-Bahn und den zugehörigen Autos das, wofür sie eigentlich bestimmt sind – nämlich damit Rennen zu fahren –, ist deren Schönheit sehr vergänglich. Ob ein Abflug, der im Eifer des Gefechts immer einmal vorkommen kann, oder eine Unachtsamkeit des Gegners, durch die sich eine Kollision nicht vermeiden lässt: Kratzer im Lack kommen eigentlich bei allen bespielten Rennbahnautos vor. Und die mindern den Wert deutlich.

Unbespielte Autos erzielen die höchste Preise.
Unbespielte Autos erzielen die höchste Preise. | Bild: Till Reese/Rennbahnshop Krefeld

Höchstpreise werden daher nur für unbespielte Fahrzeuge in Originalverpackung gezahlt. Denn nur die sind auch wirklich selten – und Seltenheit und Nachfrage bestimmen auf dem Sammlermarkt den Preis. Schon die fehlende Verpackung wirkt sich wertmindernd aus. Und zu einer Originalverpackung gehört auch der korrekte Aufkleber mit Artikelnummer und Modellbezeichnung.

Auf dem Markt herrschen raue Sitten

Aber auch wer etwa das originalverpackte, besonders seltene Carrera-Modell eines Renault RS10 F1 besitzt, muss dafür nicht zwingend einen guten Preis bekommen. Grundsätzlich gilt: Ein Sammlerwert, auch wenn er von einem noch so fachkundigen Experten bestimmt wurde, ist zunächst einmal nichts als heiße Luft.

Er muss nämlich erst mal realisiert werden – und dafür muss man jemanden finden, der die geforderte Summe dafür auch auf den Tisch legt. Und wo kein Käufer, da kein Wert – auf dem Sammlermarkt herrschen raue Sitten.

Ein eigenes Forum im Netz

Carrera-Eigner Stadlbauer tut aber viel dafür, um Sammlern dabei zu helfen, Angebot und Nachfrage zusammenzuführen und so die Fans bei der Stange zu halten: Mit dem „Carrera Club Forum“ hat das Unternehmen eine Online-Community ins Leben gerufen, über die sich Sammler austauschen, fachsimpeln und auch Fahrzeuge tauschen oder verkaufen können.

Eine Packung einer historischen Carrera-Bahn.
Eine Packung einer historischen Carrera-Bahn. | Bild: privat

„Außerdem bringen wir jedes Jahr ein eigenes, limitiertes Clubmodell und ein limitiertes Old- beziehungsweise Youngtimer-Modell auf den Markt“, sagt Stadlbauer-Marketingmanager Spalt. „Der Kauf ist dabei ausschließlich unseren Clubmitgliedern vorbehalten.“

Wer günstig an historische Modellautos kommen möchte, hat auf Flohmärkten gute Chancen. Dort ist das Schnäppchenpotenzial am höchsten. Auch das Internetauktionshaus Ebay ist eine Anlaufstelle für Carrera-Fans – allerdings sollte man hier darauf achten, sich ein Limit zu setzen und nicht im Eifer des Bietergefechts zu viel auszugeben.

Modern, und fährt wie auf Schienen: ein Porsche 911-Modell.
Modern, und fährt wie auf Schienen: ein Porsche 911-Modell. | Bild: Stadlbauer

Denn natürlich schauen auch leidenschaftliche Sammler immer wieder bei Ebay vorbei – und wer dort ein besonders seltenes Stück entdeckt, das zur Komplettierung der Sammlung noch fehlt, wird deutlich mehr als den üblichen Preis dafür zu zahlen bereit sein.

Erst mal zur Sammlerbörse

Für Einsteiger lohnt es sich, erstmal auf einer der zahlreichen, jedes Jahr überall in Deutschland stattfindenden Carrera-Sammlerbörsen vorbeizuschauen. Dort kann man sich einen Überblick über die aktuelle Preislage verschaffen und mit Gleichgesinnten in Kontakt kommen.

Zugleich bieten die Börsen auch denjenigen, die sich an die auf dem Dachboden verstaubende Carrera-Bahn aus Kindertagen erinnern und sie zu Geld machen wollen, die Möglichkeit, sie zu verkaufen.

Denn wo sich die Sammler aus ganz Deutschland treffen, ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, einen Interessenten mit dickem Geldbeutel zu finden. Eines der wichtigsten Carrera-Sammlertreffen richtet Rennbahnshop-Inhaber Till Reese alljährlich im Winter in Krefeld aus.

Die Rennbahnbörse findet das nächste Mal am 19. Januar statt, in einer Scheune in direkter Nachbarschaft des Rennbahnshops. „Viele Aussteller bieten ein großes Angebot von Neu- und Gebrauchtteilen, Fahrzeugen und Zubehör vorwiegend für alte und neue Carrera-Rennbahnen“, so Reese. Auch Produkte anderer Hersteller wie Scalextric oder Märklin sind zu haben.

Endlich in Erinnerungen schwelgen!

Aber auch, wenn sich auf derartigen Sammlertreffen niemand finden sollte, der einen angemessenen Preis für einen besonderen Rennwagen zu zahlen bereit ist: Vielleicht weckt ja der Besuch auf einer solchen Sammlerbörse das längst verloren geglaubte Interesse an der Rennbahn wieder auf. Dann heißt es: Ab nach Hause, die Bahn im Wohnzimmer unter den erstaunten Augen der Familie aufbauen – und in Kindheitserinnerungen schwelgen.