Isabelle Albertin wurde es zum Verhängnis, zum falschen Zeitpunkt durch einen Pariser Park gegangen zu sein. Vom Nutzer eines E-Rollers wurde die Musikerin, die seit 32 Jahren Ballettschüler der Pariser Oper am Piano begleitet, Mitte Mai von hinten angefahren, so dass sie stürzte und sich den rechten Arm doppelt brach. “Ich habe Angst, nie wieder so Klavier spielen zu können wie vorher“, sagte sie vor wenigen Tagen gegenüber einer französischen Zeitung. “Wir Fußgänger befinden uns in totaler Unsicherheit.“ Sie wolle gegen den Staat klagen, der ihrer Meinung nach nicht dafür sorge, dass das Straßengesetz respektiert werde.

Seit Frühjahr wurden bereits 1000 Geldstrafen wegen Falschparkens verteilt.
Seit Frühjahr wurden bereits 1000 Geldstrafen wegen Falschparkens verteilt. | Bild: AFP

In der Tat hat dieser damit seine Schwierigkeiten, seit im vergangenen Sommer in mehreren französischen Städten, allen voran in Paris, elektrisch betriebene Roller aufkamen, welche demnächst auch in Deutschland zugelassen werden.

Nur noch 8 Km/h in Fußgängerzonen

Zwar plant das französische Verkehrsministerium für Herbst ein Gesetz, das hohe Geldbußen für das Nutzen von E-Rollern zu zweit, mit mehr als 25 Stundenkilometern oder auf Bürgersteigen vorsieht – für letzteres sollen dann 135 Euro fällig werden.

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Doch so lange will die Bürgermeisterin der Hauptstadt, Anne Hidalgo, nicht mehr warten. Sie versprach nun ein rasches Ende der „Anarchie„ auf den Pariser Fuß- und Radwegen durch wild geparkte E-Roller, die kein Durchkommen mehr ermöglichen, und durch rücksichtslose Fahrweisen, die zu Streit und Unfällen führen. Inzwischen wird deren Zahl auf rund 20 000 geschätzt, zwölf Firmen betreiben Leih-Geräte. Viele Bürger haben sich zudem einen eigenen E-Roller zugelegt.

Rollstuhlfahrer wird Fahrt versperrt, Mutter und Kind werden angefahren

„Jede Woche gibt es Vorfälle“, sagte Hidalgo bei einer Pressekonferenz. „Eine Person im Rollstuhl, der die Fahrt versperrt wird, eine Mutter und ihr Kind, die beim Überqueren der Straße angefahren werden – das ist einfach nicht mehr zu akzeptieren.“

Mehr als 20 000 eletrische Tretroller sind in Paris auf den Straßen – zum Ärger vieler.
Mehr als 20 000 eletrische Tretroller sind in Paris auf den Straßen – zum Ärger vieler. | Bild: AFP

Die sozialistische Rathauschefin fördert im Kampf gegen das hohe Autoaufkommen und die damit einhergehende Luftverschmutzung eigentlich alle alternativen Fortbewegungsmittel und lässt massiv dafür vorgesehene Radwege ausbauen. Doch den Gebrauch von E-Rollern will sie nun kontrollieren. Die Geschwindigkeit in Paris werde auf 20 Stundenkilometer und sogar auf acht in Fußgängerzonen beschränkt, sagte sie.

Machen selbst vor Luxushotels keinen Halt: Zwei E-Scooter parken direkt neben einem Rolls Royce Silver Shadow im im 8. Pariser Arrondissement abgestellt.
Machen selbst vor Luxushotels keinen Halt: Zwei E-Scooter parken direkt neben einem Rolls Royce Silver Shadow im im 8. Pariser Arrondissement abgestellt. | Bild: Imago

Außerdem kündigte die 59-Jährige eine Ausschreibung an, um nur noch zwei oder drei Firmen den Verleih von E-Rollern zu erlauben, welche jeweils höchstens 15 000 Exemplare anbieten dürfen. Das Parken auf den Gehwegen wird verboten, ebenso das Fahren in Parks und Stadtgärten.

Seit Frühjahr 1000 Geldbußen wegen Falschparkens

Laut dem grünen Abgeordneten Christophe Najdovski, der im Rathaus für den Transport zuständig ist, wurden seit Beginn des Frühjahrs schon 1000 Geldbußen wegen Falschparkens verteilt. Betreiber-Firmen sollten die Nutzer künftig über die GPS-Ortsbestimmung dazu zwingen, die Geräte sachgemäß zu parken – ansonsten laufe die Uhr einfach weiter.

Mehrheit fährt aus Spaß E-Scooter

Ganz billig ist die Nutzung ohnehin nicht, welche einer Studie zufolge zu 42 Prozent auf Touristen zurückgeht: Zu der Grundgebühr von einem Euro kommt der Preis von 15 Cent pro Minute. Bei einer Fahrt von 19 Minuten, was bislang der Durchschnitt ist, kommen damit 3,85 Euro zusammen – dafür sind bereits zwei Pariser Metro-Tickets zu haben, wohl aber nicht derselbe Spaß. Und den geben mehr als zwei Drittel als Hauptgrund dafür an, einen E-Roller auszuleihen. Leider geht er mitunter auf Kosten anderer.

Diese Regeln gelten in Deutschland

Nach einigem Hin und Her sind die E-Tretroller nun ab Mitte des Monats auch in Deutschland erlaubt. Welche Regeln gelten:

  • Die E-Scooter: Weil sie einen elektrischen Antrieb haben, gelten die kleinen Flitzer als Kfz. Das erfordert Vorschriften, die in einer Verordnung festgelegt werden sollen. Konkret geht es um „Elektrokleinstfahrzeuge“, die zwischen 6 und 20 Kilometer pro Stunde (km/h) schnell fahren können. Ab 14 Jahren sind sie erlaubt.
  • Welche Anforderungen gelten: Führerschein, Mofa-Prüfbescheinigung oder eine Helmpflicht sind nicht vorgesehen. Vorgeschrieben werden sollen aber eine Haftpflichtversicherung samt Versicherungsaufkleber mit Anti-Fälschungs-Hologramm hinten am Fahrzeug. Pflicht sind zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen und eine Beleuchtung, die auch abnehmbar sein darf.
  • Wo gefahren werden darf: Einfach überall herumkurven dürfen die neuen E-Scooter nicht. Sie müssen auf Radwegen oder gemeinsamen Geh- und Radwegen fahren – dort haben Fußgänger dann Vorrang und dürfen nicht behindert werden. Gibt es keinen Radweg, darf es die Fahrbahn sein.
  • Welche Kritik es gibt: Der Radfahrerclub ADFC befürchtet aber Probleme. Viele holprige Radwege seien für die Tretroller mit ihren kleineren Rädern und der hohen Beschleunigung unbequem und gefährlich. „Deshalb wird es so sein, dass E-Scooter ständig auf Fußwege ausweichen“, warnte Geschäftsführer Burkhard Stork. Das könne niemand wollen. (dpa)