Die Geschichte des Rekordrasers, der mit 249 Kilometern pro Stunde über die A 7 bei Frauenfeld in der Schweiz bretterte, wirft weiter Fragen auf. Der im Umland von Basel lebende Deutsche war mit mehr als doppelt so viel wie der erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern gefahren.

Auf der A 7 an der Ausfahrt Frauenfeld-West ist der deutsche Raser erwischt worden.
Auf der A 7 an der Ausfahrt Frauenfeld-West ist der deutsche Raser erwischt worden. | Bild: Screenshot GoogleMaps

Die Polizei zog den 34-Jährigen sofort aus dem Verkehr und nahm ihn vorübergehend fest. Sein Schweizer Führerausweis wurde ihm abgenommen, das Auto beschlagnahmt. Aber darf der Raser weiter auf deutschen Autobahnen fahren?

Nein, weiß Ernst Fröhlich vom Straßenverkehrsamt Thurgau. Der Verkehrssünder besaß einen Schweizer Führerausweis, weil im Nachbarland lebende Deutsche spätestens ein Jahr nach dem Umzug ihren Führerschein gegen die Schweizer Fahrerlaubnis umtauschen müssen.

Alte Führerscheine aus Deutschland würden beim Umtausch grundsätzlich eingezogen und zum Bundeskraftfahramt nach Flensburg zurückgeschickt. Es sei deshalb nicht möglich, zwei Führerscheine gleichzeitig zu besitzen. Wer den Umtausch ignoriert, wird bestraft. Wenn der Mann versuchen sollte, in Deutschland einen neuen Führerschein zu beantragen, müsste er einen Führerausweis aus der Schweiz vorlegen, erklärt Fröhlich. Die deutschen Behörden würden dann bei den Eidgenossen nachfragen, ob sie den Führerschein ausstellen dürfen. Der 34-Jährige hätte also keine Chance, einen deutschen Führerschein zu beantragen. In der Schweiz würde das Fahrverbot ohnehin weiter gelten.

Kleine Sünden können teuer werden

Der aktuelle Fall könnte die höchste gemessene Geschwindigkeitsüberschreitung auf der Strecke sein, gab die Thurgauer Polizei an. Doch auch kleinere Sünden auf Schweizer Autobahnen können Autofahrer teuer zu stehen kommen. Die Bußgelder sind bei den Eidgenossen vergleichsweise hoch. Die Versuchung, den Bescheid aus dem Nachbarland einfach nicht zu bezahlen, ist groß.

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Zumal es zwischen der EU und der Schweiz kein Abkommen gibt, was die Verfolgung von europäischen Verkehrssündern in der Schweiz angeht: Wenn sich ein deutscher Fahrer weigert, den Strafzettel zu bezahlen, kann er sich solange er sich nicht in der Schweiz aufhält, in Sicherheit wiegen.

Anwalt empfiehlt Knöllchen zu bezahlen

Dennoch rät der Konstanzer Anwalt für Verkehrsrecht, Michael Böhler, dringend davon ab, auf Schweizer Knöllchen nicht zu reagieren: "Man sollte sich gut überlegen, ob man das ignoriert", betonte der Jurist. Auf Böhlers Schreibtisch landen regelmäßig Fälle aus der Schweiz. Wer häufiger über die Grenze fährt, sei gut beraten, die Strafen zu akzeptieren. Zumindest, wenn es keinen Grund gibt, das Vergehen anzuzweifeln. Andernfalls kann es bei der nächsten Zoll- oder Verkehrskontrolle in der Schweiz teuer werden und sogar dazu führen, dass die Fahrer sofort in Gewahrsam genommen werden.

So ist der Schweizer Führerausweis strukturiert.
So ist der Schweizer Führerausweis strukturiert. | Bild: Straßenverkehrsamt Zürich

Im EU-Ausland ist es ohnehin ratsam, den Forderungen nachzukommen. Denn die Mitgliedstaaten können jederzeit beim Bundeskraftfahrtamt den Halter des Wagens ermitteln. So landet der ausländische Strafzettel im heimischen Briefkasten. Gerade wenn es um höhere Bußgelder geht, sollten Verkehrssünder sich gut überlegen, ob sie die Zahlung verweigern.

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Denn ab 70 Euro Bußgeld greift das sogenannte Vollstreckungshilfeabkommen zwischen den EU-Mitgliedstaaten. Zwischen Österreich und Deutschland gibt es einen gesonderten bilateralen Vertrag zur Vollstreckungshilfe. In beiden Fällen gilt: Wer die Zahlung verweigert, gerät ins Visier der deutschen Justiz. Die Gerichtsverhandlung und damit verbundenen Anwaltskosten übersteigen die Kosten des Strafzettel schnell um ein Vielfaches, warnt Böhler.

Entzug der Fahrerlaubnis im Ausland

Was aber, wenn wegen einer besonders hohen Geschwindigkeitsübertretung ein Fahrverbot in einem anderen EU-Land droht? Der Führerschein darf dann nicht einfach eingezogen werden. "Fahrverbote können immer nur für das eigene Staatsgebiet verhängt werden", erklärt Jurist Böhler. Konkret bedeutet das: Ein Österreicher, der in Deutschland mit einem Fahrverbot bestraft wird, darf hierzulande zwar nicht mehr fahren, in Bregenz aber unbescholten auf den Straßen unterwegs sein.

So sieht der EU-Führerschein in Deutschland aus.
So sieht der EU-Führerschein in Deutschland aus. | Bild: Bundesdruckerei

Gleiches gilt für Schweizer Raser. Sie bekommen einen Aufkleber in ihren Führerausweis, der belegt, dass der Besitzer in Deutschland nicht hinter dem Steuer sitzen darf. In Kreuzlingen kann er dagegen wieder ins Auto steigen. Umgekehrt kann ein EU-Bürger in der Schweiz seinen Führerschein nicht verlieren, aber darf dort nicht fahren.