Die Wetterlage in den österreichischen Alpen hat sich durch neue Schneefälle weiter verschärft. In einigen Regionen der Steiermark gilt seit Dienstagabend die höchste Lawinenwarnstufe.

Dies sei eine Vorsichtsmaßnahme angesichts der erwarteten Neuschneemenge von bis zu einem Meter, teilte der Einsatzstab mit. «Anordnungen der Behörden jetzt nicht zu befolgen, ist kein Kavaliersdelikt, sondern lebensgefährlich», sagte der stellvertretende Landeschef Michael Schickhofer. Betroffen ist unter anderem die bei Touristen beliebte Region Dachstein.

Ausgrabungen: Ein Mann befreit in Ramsau am Dachstein sein Auto von Schnee.
Ausgrabungen: Ein Mann befreit in Ramsau am Dachstein sein Auto von Schnee. | Bild: Helmut Fohringer/APA

Auf dem rund 1800 Meter hohen Loser in der Steiermark hat der Schnee die Bergstation inzwischen fast unter sich begraben. Die Mitarbeiter der Bergbahn kämpften gegen die Schneemassen, schrieb das Unternehmen auf Facebook. «Bei den typisch eingewehten Stellen liegt bis zu 10 Meter Schnee.»

Pisten gesperrt, Skilifte geschlossen

In vielen Regionen der Alpenrepublik herrschte weiterhin die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Experten in Tirol zeigten sich vorsichtig zuversichtlich. «Wir haben die Lage weiterhin voll im Griff und sind auf alle Eventualitäten vorbereitet», erklärte der Leiter der Landeswarnzentrale, Marcel Innerkofler.

Ein Schneepflug räumt eine Straße in Ramsau am Dachstein. Österreich versinkt im Schnee.
Ein Schneepflug räumt eine Straße in Ramsau am Dachstein. Österreich versinkt im Schnee. | Bild: Harald Schneider/APA

Inzwischen bremst der permanente Flockenwirbel den Wintersport aus. Nach Angaben des Skiportals «Skiresort.de» sind aktuell 1700 Kilometer Piste gesperrt - 5150 Kilometer sind offen. Laut Portal sind 450 Skilifte geschlossen und 1700 geöffnet.

Auch in Bayerns Skigebieten wurden zahlreiche Lifte und Pisten gesperrt. Der Grund: Die Schneemassen, die in den vergangenen Tagen niedergingen.

Kein Skibetrieb auf der Zugspitze

So waren im Gebiet Brauneck bis auf drei kleine Tallifte alle Pisten und Anlagen geschlossen. „Auf den Bäumen liegt mittlerweile extrem viel und schwerer Schnee“, sagte eine Sprecherin des Skigebiets. „Da besteht die Gefahr, dass die Bäume umknicken und auf Pisten und Lifttrassen fallen. Wie lange die Anlagen geschlossen bleiben, können wir nicht abschätzen - es soll ja weiterschneien.“

Auch in den Skigebieten Spitzingsee und Sudelfeld fuhren nur noch vereinzelt kleine Lifte in den unteren Lagen. Neben der Schneelast auf den Bäumen wurde der Wind immer mehr zum Problem. So hieß es an der Zugspitze am Vormittag wegen des starken Winds: „kein Skibetrieb“.

Südbayern erwartet weiteres Winterchaos

Meteorologen erwarteten in Südbayern erneut ergiebige Schneefälle, vor allem an den Alpen. In einigen Landkreisen fällt deshalb weiterhin der Unterricht aus, die Räumdienste arbeiten auf Hochtouren. Im Landkreis Miesbach bleibt der Katastrophenalarm bis auf weiteres bestehen. Das Forstministerium warnte vor Bäumen, die unter der Last des oft nassen Schnees brechen können.

„Die Lage ist nach wie vor angespannt“, sagte am Dienstag eine Sprecherin des Landratsamts Miesbach. Meteorologen hätten für die Region starken Sturm und erneuten Schneefall prognostiziert. 

In den Schulen im Landkreis Miesbach fällt deshalb in der restlichen Woche der Unterricht aus, ebenso im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen und der schwäbischen Stadt Memmingen. In den Landkreisen Unterallgäu, Traunstein und Berchtesgadener Land sind ebenfalls mehrere Schulen betroffen, im Berchtesgadener Land gilt das Unterrichtsfrei allerdings zunächst nur bis Mittwoch. 

Viele eingeschneite Touristen können ihr Quartier verlassen

In Österreich konnten viele Touristen, deren Orte bisher eingeschneit waren, während einer kurzzeitigen Wetterberuhigung am Dienstag ihre weiße Falle verlassen. So wurde die Katschbergstraße zwischen Untertauern und Obertauern am Vormittag für Fahrzeuge mit Schneeketten oder Allradantrieb geöffnet. Mit Beginn der Dunkelheit sollte sie allerdings wieder geschlossen werden.

Autos sind bei Salzburg auf der verschneiten Autobahn unterwegs.
Autos sind bei Salzburg auf der verschneiten Autobahn unterwegs. | Bild: Barbara Gindl/APA

Am 1200 Meter hohen Präbichl konnten laut Bericht der «Kleinen Zeitung» 110 Gäste ihr eingeschneites Quartier verlassen. Weiterhin fest sitzen die Menschen in den obersteirischen Gemeinden Pölstal und Hohentauern, die beide am Montag den Katastrophenzustand ausgerufen hatten. In Hohentauern sind derzeit rund 550 Menschen eingeschneit.

100 Straßen wegen Lawinengefahr gesperrt

Insgesamt sind nach Angaben der Behörden in Österreich rund 100 Straßen wegen Lawinengefahr gesperrt. Probleme bereiten zudem immer wieder umgestürzte Bäume. In Ober- und Niederösterreich waren rund 2000 Haushalte ohne Strom, weil die Stromtrassen unterbrochen waren. An einigen Orten halfen Soldaten des Bundesheers.

In Dienten am Hochkönig (Pinzgau) schaufelten mehr als 40 Menschen den Schnee von Schule, Kindergarten und Gemeindeamt, um die Gefahr von Einstürzen zu verringern. Die Behörden registrierten zahlreiche Anrufe besorgter Bürger, die um die Stabilität ihrer Hausdächer fürchteten. «Grundsätzlich sind Haus- und Wohnungsdächer in Tirol so gebaut, dass gewisse Schneelasten für sie kein Problem darstellen», wurden sie amtlicherseits zunächst beruhigt.

Vorerst ist nach Angaben der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) kein Ende der aktuellen Wetterlage in Sicht. Von Nordwesten her ströme immer wieder feuchte Luft in Richtung der Alpen, staue sich und bringe große Schneemengen. «Nach einer kurzen Beruhigung am Freitag und Samstag dürfte am Sonntag die nächste Schneefront die Alpennordseite erreichen», hieß es.

Wegen starken Schneefalls in St. Anton wurde das Abfahrtstraining der Damen im alpinen Ski-Weltcup verschoben. Das für Donnerstag geplante Training wurde nach Angaben des Internationalen Ski-Verbands FIS abgesagt. Es soll am kommenden Freitag nachgeholt werden.