Weil sie ihr neugeborenes Kind getötet hat, soll eine Frau aus Sicht der Staatsanwaltschaft lange ins Gefängnis. Die Anklägerin forderte am Mittwoch vor dem Landgericht Ravensburg elfeinhalb Jahre Haft wegen Totschlags für die 25-Jährige.

Anklage wegen Totschlags

Vom Mordvorwurf rückte die Staatsanwältin ab, weil die Tat ihrer Einschätzung nach doch eher spontan und nicht von langer Hand geplant gewesen sei. Die Verteidigung plädierte in ihrem Schlussvortrag auf vier Jahre Haft – ebenfalls wegen Totschlags. Das Urteil in dem Revisionsprozess sollte noch am Mittwoch gesprochen werden.

Der Fall musste neu aufgerollt werden, weil der Bundesgerichtshof (BGH) das erstinstanzliche Urteil gegen die Frau kassiert hatte. Im Januar 2018 war die Frau wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden.

Das Landgericht Ravensburg hatte die Frau bereits wegen Mordes verurteilt, doch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob das Urteil wieder auf.
Das Landgericht Ravensburg hatte die Frau bereits wegen Mordes verurteilt, doch der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hob das Urteil wieder auf. | Bild: Marijan Murat/dpa

Der BGH sah es zwar auch als erwiesen an, dass die damals 23-Jährige dem Kind im Mai 2017 nach einer heimlichen Geburt nahe eines Bauernhofs bei Mengen (Kreis Sigmaringen) einen Pfropfen aus Papier in den Mund gesteckt und den Säugling dann zurückgelassen hatte.

Das könnte Sie auch interessieren

Allerdings bemängelte der BGH die Einschätzungen zum Motiv und damit den Schuldspruch wegen Mordes. Die erste Instanz hatte der Deutschen niedere Beweggründe bescheinigt: Die Angeklagte habe die Geburt verheimlichen wollen, um die Beziehung zu ihrem neuen Freund nicht zu gefährden. (dpa)