„Mensch Papa, das spart gar nix!“ Diese Antwort höre ich täglich dreimal von meinen Kindern. Immer, wenn ich Kerstin und Timm mit Lehrer-Lämpel-Zeigefinger drauf hinweise das Licht auszuknipsen, sobald sie Bad oder Kinderzimmer verlassen. Ich schalte nicht benutzte Computer, Bügeleisen oder Telefone im Vorbeigehen rigoros aus und ernte Entrüstungsstürme meiner Frau, wenn ich sie frage, ob die Hemden statt in den stromfressenden Trockner nicht auf die Leine können: „Bügelst du die hinterher oder ich?“ fragt sie mit lauerndem Unterton. Ja, meine Familie hält mich für eine Öko-Nervensäge. Energie sparen? Kaum spreche ich dieses Thema an, drehen sich drei Augenpaare genervt Richtung Zimmerdecke.

Nur nicht irritieren lassen beim Kreuzzug gegen verschwenderisch glimmende rote Glühwürmchen in Standby-Schaltungen oder nachtaktive Radiowecker. Dumm nur, dass die nächste Stromrechnung jedes Mal noch höher ist. Meine Frau lächelt dann still in sich hinein, denn sie weiß, meine Kinder werden sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen: „Siehste, Papa – Lampen ausknipsen spart gar nix.“ Aber wo verstecken sich unsere Stromfresser-Monster mit einem Hunger von mehr als 7000 Kilowattstunden pro Jahr? Ulrike Schmerbitz wird mir helfen, sie zu finden. Die Diplom-Ingenieurin ist Energieberaterin bei der Verbraucherzentrale, eine Art Kammerjägerin für Strom-Verschwender also. Die 53-Jährige ist sich sicher, hier sind Stromfresser, „denn alles, was in einem Vier-Personen-Haushalt mit elektrischer Warmwasserbereitung über 5500 Kilowattstunden hinausgeht, ist zu hoch.“ Ohne Warmwasser aus dem Durchlauferhitzer sind 3600 Kilowattstunden die Obergrenze.

Frau Schmerbitz kommt sofort zur Sache: „Oh, eine 60-Watt-Glühbirne – haben Sie noch mehr davon?“ Ja, sogar auf Vorrat“, gestehe ich, „denn Energiesparbirnen spenden kaltes, ungemütliches Licht.“ Darin ist sich unsere Familie sogar einig. Ulrike Schmerbitz dreht eine Birne in die Lampe, die aussieht wie die herkömmliche. Ist aber eine Energiesparbirne. Kein Flackern und langsames Aufhellen mehr wie vor Jahren bei den ersten Modellen. Sie leuchtet gleich warm und kräftig. „Eine herkömmliche Birne ist nach 1000 Brennstunden kaputt, die Energiesparlampe dagegen hält etwa 10 000 Stunden, verbraucht dabei aber nur 11 statt 60 Watt“, erklärt Ulrike Schmerbitz und rechnet aus, dass unsere zehn Alt-Glühbirnen mit 144 Euro in der jährlichen Stromrechnung zu Buche schlagen. Mit Energiesparlampen wären es nur 26,50 Euro.

„Kommen wir zu Ihren Geräten im Standby-Betrieb“, sagt Ulrike Schmerbitz, und ich bin mir sicher, das ist jetzt mein Heimspiel! Doch während ich ihr noch vorschwärme, was ich täglich alles gegen den Willen meiner Familie ausknipse, zerbröselt Ulrike Schmerbitz mit einem kleinen Plastikkasten mein selbstgezimmertes Denkmal als Strom-Streber. Dieser „Energy Monitor 3000“ zeigt unmissverständlich, dass ausgerechnet mein Jahrzehnte alter CD-Player – obwohl komplett ausgeschaltet – 4,7 Watt verbraucht. Wie das geht? „Das Gerät hängt an der Steckdose, zieht Strom, obwohl es gar keinen braucht – ‚Schein-aus‘ nennen wir das“, erklärt Ulrike Schmerbitz. Macht auch meine Retro-Schreibtischlampe. Ohne zu glimmen zieht sie 4,2 Watt und heizt damit offenbar ihr mehr als handwarmes Netzteil. Bei einer „Schein-aus“-Zeit von 22 Stunden pro Tag sind das 7,40 Euro im Jahr, rechnet das Messgerät anhand unseres Stromtarifs aus. Der vermeintlich abgeschaltete CD-Player verschwendet jährlich Strom für 8,60 Euro. Einzeln keine erschreckende Zahl, in der Summe aber schon: Jährlich verschwenden alle Deutschen laut Umweltbundesamt durch „Standby-Bequemlichkeit“ Strom im Wert von etwa vier Milliarden Euro. Genug, um zwei Großstädte zu versorgen. Bei jüngeren Geräten sieht die „Schein-Aus“-Bilanz etwas besser aus, sie dürfen im Standy-Modus nur noch ganz wenig Strom verbrauchen.

Spaß mit dem Messgerät

Gegen diese Stromverschwendung in unserem Haus verordnet uns die Energieberaterin mehrere „Money Saver“ – schaltbare Steckdosenleisten mit rotem Lämpchen als Ausknips-Erinnerungshilfe. Es ist ein Kabel mit Kontroll-Lämpchen und Tretschalter dran. Den sollen wir uns selbst möglichst so in den Weg legen, dass wir auf keinen Fall das komplette Abschalten vergessen. „Brauchen Sie Ihr Faxgerät eigentlich noch?“, möchte die Energieberaterin beim Verlassen des Arbeitszimmers noch wissen. Ab jetzt nicht mehr, denn dafür, dass höchstens ein Fax im Vierteljahr kommt, genehmigt sich der Kommunikations-Oldie ständig 11 Watt aus der Dose und damit monatlich 1,76 Euro aus der Haushaltskasse.

Mit einem Strommessgerät kann man checken, was die einzelnen Geräte im Haushalt verbrauchen.
Mit einem Strommessgerät kann man checken, was die einzelnen Geräte im Haushalt verbrauchen. | Bild: Bastian Weltjen - stock.adobe.com

Es macht schon nach kurzer Zeit richtig Spaß, mit dem Messgerät zu checken, was die einzelnen Geräte im Haushalt verbrauchen. Hat aber leider auch Grenzen. Beim Einbaukühlschrank kommt man nicht an die Steckdose, der Herd hat Starkstrom, weswegen das Messgerät nicht zwischengeschaltet werden kann. Leider ziehen diese Verwandten aus der sogenannten „Weißgeräte-Familie“ aber bis zu einem Viertel des Haushaltsstroms. Daher schaut Ulrike Schmerbitz jetzt genau hin, misst zuerst die Temperatur im Gefrierschrank. Minus 22 Grad zeigt das Thermometer. „Hier reichen minus 18 Grad“, sagt Schmerbitz, „im Kühlschrank muss es nicht kälter als 7 Grad plus sein.“

Trotzdem, als Öko-Sparfuchs frage ich mich, sollen wir warten, bis alte Geräte kaputt gehen oder vorher neue kaufen, um mit ihnen beim Stromverbrauch Kosten zu sparen? „Wenn’s die Haushaltskasse hergibt – ja“, rät Schmerbitz, „die neuesten Modelle sind zwar auf den ersten Blick teuer, verbrauchen aber bis zu 50 Prozent weniger Strom, da sparen Sie über eine Laufzeit von 15 Jahren mehrere hundert Euro.“

Doch all das zusammen kann doch trotzdem nicht diese enorme Rechnung produzieren. „Vielleicht misst der Stromzähler falsch“, hoffe ich. „Nein, sagt Ulrike Schmerbitz und lotst mich in den Heizungskeller. „Das hier ist ihr unersättlichster Stromfresser“, sagt sie und deutet auf einen mir bis dahin unbekannten, gut faustgroßen roten Metall-Knubbel im Kupferrohrgeflecht. Die Heizungspumpe. Das Herz der Anlage, es pumpt unermüdlich warmes Wasser durch Rohre, im Sommer wie im Winter. Die Pumpe ist über 30 Jahre alt und nicht regelbar. „Dringend eine neue einbauen lassen“, empfiehlt die Energieberaterin, kostet zwischen 300 und 400 Euro, verbraucht aber nur noch Strom für etwa 30 Euro pro Jahr. Unsere alte Pumpe schlägt mit bis zu 176 Euro pro Jahr zu Buche.

Nach gut zwei Stunden Energie-Check ist klar: Es sollten nach und nach allerlei neue Geräte ins Haus. Kurz bevor Ulrike Schmerbitz „tschüß“ sagt, frage ich sie noch, was unsere Familie wohl mit konsequentem Lichtausknipsen und Energiesparbirnen sparen kann. Bis zu 100 Euro im Jahr schätzt sie. Aha. Verteilt auf zwölf Monate und zwei Kinder macht das 4,16 Euro. Ich werde meinen Sparmuffeln mal vorschlagen, ihnen das monatlich vom Taschengeld abzuziehen.

Verteilung des Stromberbrauchs in deutschen Haushalten:

(in Prozent, AG Netzbetreiber Stand: 11/2017)

Kochen, Trocknen, Bügeln und sonstige Prozesswärme: 30%
Kochen, Trocknen, Bügeln und sonstige Prozesswärme: 30% | Bild: Hager Vertriebsgesellschaft
Kühl- und Gefriergeräte, sonstige Prozesskälte: 23%
Kühl- und Gefriergeräte, sonstige Prozesskälte: 23% | Bild: Florian Schuh/dpa
Information und Kommunikation: 17%
Information und Kommunikation: 17% | Bild: Lukas Schulze/dpa
Warmwasserbereitung: 12%
Warmwasserbereitung: 12% | Bild: Stiebel Eltron
Beleuchtung: 8%
Beleuchtung: 8% | Bild: Osram
Heizung: 7%
Heizung: 7% | Bild: Karl-Josef Hildenbrand
Mechanische Haushaltsgeräte: 3%
Mechanische Haushaltsgeräte: 3% | Bild: Daniel Naupold/dpa