Die geplante Seilbahn des Europa-Parks nach Frankreich sorgt für heftige Reaktionen. Der Grund dafür ist, dass die Seilbahn auf deutscher Seite des Rheins das Naturschutzgebiet Taubergießen durchschneiden würde, das als eines der wertvollsten Reservate am kompletten Oberrhein gilt. Auch Experte Max Reichenbach mahnt bei dem Projekt zur Zurückhaltung. Der Seilbahn-Experte hat in der groß angelegten Studie „Hoch hinaus in Baden-Württemberg“ des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) das Potenzial von Luftseilbahnen für den öffentlichen Nahverkehr untersucht.

Wird das Verkehrsproblem nur verlagert?

Für ihn ist eines wichtig: „Die Idee einer Seilbahn stößt oft schnell auf Begeisterung. Aber man muss gleich von Beginn an die Verkehrsanbindung der Stationen im Auge behalten und diejenigen mitnehmen, die in der Region für die Verkehrsplanung zuständig sind.“ Ansonsten könne einem das auf die Füße fallen.

Konkret bedeutet das auf französischer Seite, dass die gute Einbindung in das öffentliche Nahverkehrsnetz und die leistungsfähige Anbindung an das Straßennetz sichergestellt werden müssen. Nur so könnte das Projekt zur Lösung des Verkehrsproblems beitragen, ohne ein neues im Elsass zu erzeugen.

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Stoßzeiten sind ein Problem

Auch einen anderen Punkt kann Reichenbach nachvollziehen. So monieren Kritiker, dass eine Seilbahn für die enormen Stoßzeiten des Europa-Parks bei Eröffnung am Morgen und Schließung am Abend ungeeignet sei. Reichenbach räumt ein, dass es „wie auch mit anderen Verkehrsmitteln nicht das simpelste“ sei, Kapazitätsspitzen mit Seilbahnen zu bewältigen.

Zwar könne man damit hohe Beförderungsleistungen schaffen – dafür wären die Gondeln über den Tag, bei niedrigem Passagieraufkommen, dann aber zu groß oder müssten ausgekoppelt werden. Gleichmäßiger würde die Bahn laut ihm ausgelastet, wenn auf der französischen Seite mehr als nur ein Parkplatz wäre, etwa auch Attraktionen. Park-Gründer Roland Mack hatte Pläne dafür zuletzt aber dementiert.

Naturschützer spricht Veto aus

Martin Neub hat als Leiter der NABU-Naturschutzstation Taubergießen jeden Tag mit dem Gebiet zu tun, das mit seinen großen natürlichen Auenwäldern, enormem Vogelreichtum und vor menschlichem Zugang geschützten Bannwäldern am Oberrhein einzigartig ist. Kann er sich eine Seilbahn quer durch dieses Gebiet vorstellen? "Nein", sagt er im Gespräch mit dem SÜDKURIER ganz klar.

Überrumpelt vom Projekt

Von den Plänen des Parks, der sich auch den Naturschutz auf die Fahnen schreibt, wurde er völlig überrumpelt. Aus der Zeitung hat er davon erfahren, was die Familie Mack plant. Dass der zuständige Landrat bereits vorgeprüft hat und von "überwindbaren Hindernissen" beim Bau spricht, kann er nicht verstehen. "Um Naturschutz ging es da wohl nicht", sagt Neub.

Allein der Bau sei eine massive Störung des Gebietes, er fürchtet eine Schneise durch das Reservat. Und im Betrieb würden die Gondeln besonders Greifvögel massiv stören und auch die Tiere am Boden irritieren, erklärt Neub.

Schon jetzt zu viel Trubel

Der Europa-Park wirbt auch damit, dass die Seilbahn das Naturschutzgebiet für mehr Menschen erlebbar machen könnte. Für Neub wäre das aber keine Chance, sondern eher ein Problem. Schon jetzt arbeitet das Regierungspräsidium daran, die bisherigen Besucher im Gebiet so zu lenken, dass sie die empfindliche Natur nicht stören.

Massenhaft neue Besucher oder gar eine Haltestation im Gebiet will Neub deswegen auf keinen Fall. "Bisher hatte das Taubergießen eine friedliche Koexistenz mit dem Europa-Park, aber wenn sie jetzt anfangen, die Natur zu vermarkten, wird es schwer", so Neub.

Alle rechtlichen Mittel sollen ausgeschöpft werden

In lokalen Medienberichten wertet der Geschäftsführer des BUND-Regionalverbandes Südlicher Oberrhein, Axel Mayer die Idee als "heftigen Angriff" auf die Natur. Er spricht von einem "krebsartigen Wuchern" des Parks. Das Argument des Parks, die Verkehrsbelastung reduzieren zu wollen, glaubt er nicht. Es gehe um "kommerzielle Interessen".

Als "Schnapsidee" geißelt Gerhard Bronner die Idee. Der Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes Baden-Württemberg sieht in der Seilbahn-Idee über Taubergießen einen "krassen Verstoß" gegen geltendes Naturschutzrecht. Ein Seilbahn würde Teile des Naturschutzgebietes entwerten – was bei dem staatlich anerkannten hohen Schutzwert strikt verboten sei. Der Verband kündigte an, alle möglichen Rechtsmittel bishin zur EU-Beschwerde gegen das Projekt auszuschöpfen.

Neub schlägt Alternative vor

Wenn es dem Park wirklich um Naturschutz und die Lösung des Verkehrsproblems gehe, sieht Neub eine ganz andere Möglichkeit. Der Park solle mit elektrisch betriebenen Shuttlebussen die Besucher auf der anderen Seite des Rheins abholen.