Untergangsszenarien gibt es für Venedig seit jeher. Jetzt sind die Bewohner der Unesco-Welterbestadt eindrücklich daran erinnert worden, wie fragil die wohl schönste Stadt der Welt ist. Ein verheerendes Hochwasser hat Venedig heimgesucht. Gepeitscht von starkem Wind und nach Dauerregen stieg das Wasser in der Nacht zu Mittwoch so hoch wie zuletzt vor 53 Jahren. „Wir haben es mit apokalyptischen Zerstörungen zu tun“, befand der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia. Mindestens ein Mensch kam ums Leben. Von einer „Katastrophe“ sprach Bürgermeister Luigi Brugnaro und machte den Klimawandel dafür verantwortlich. Er wollte den Notstand ausrufen.

Die Krypta im Markusdom glich einem Schwimmbad

Es sind erschreckende Bilder: Wasserbusse schleuderte der starke Wind ans Ufer und versenkte einige, mindestens 60 Schiffe wurden beschädigt. Gondeln und Boote wurden aus Vertäuungen gerissen und trieben durch Kanäle. Hotels wurden überschwemmt. Wasser flutete auch den Markusdom, bis zu 1,10 Meter hoch soll es gestiegen sein. Die Krypta glich einem Schwimmbad. Auch das Opernhaus „La Fenice“ stand laut Medien in Teilen unter Wasser.

Ein Ladenbesitzer schaut aus seinem Geschäft auf den überfluteten Markusplatz.
Ein Ladenbesitzer schaut aus seinem Geschäft auf den überfluteten Markusplatz. | Bild: Andrea Merola (SUB/ANSA/AP)

Auf dem Markusplatz - einer der bekanntesten Touristenattraktionen der Welt - stiefelten am Dienstag noch schaulustige Besucher durch das hüfthohe Wasser. Doch dann wurde es zu gefährlich, Polizisten fuhren mit Booten über den Platz.

Ein Mensch starb beim Versuch, als er versuchte, die Entwässerungspumpe in seinem überfluteten Haus wieder in Gang zu setzen, meldete die Nachrichtenagentur Ansa. Ein weiterer Bewohner der Insel sei tot in seinem Haus gefunden worden; eine natürliche Todesursache werde aber nicht ausgeschlossen.

Eine Frau watet über den überfluteten Markusplatz.
Eine Frau watet über den überfluteten Markusplatz. | Bild: Luca Bruno (AP)

Auch Bürgermeister Brugnaro watete durch die Wassermassen. Er ist wütend. Wütend und besorgt, dass die Stadt den Wassermassen bald nicht mehr gewachsen sein wird. „Venedig wurde in die Knie gezwungen. Der Markusdom hat schwere Schäden abbekommen, genauso wie die ganze Stadt und die Inseln“, sagte er. Er macht den Klimawandel für die Katastrophe verantwortlich.

Der Markusdom am Markusplatz steht unter Wasser.
Der Markusdom am Markusplatz steht unter Wasser. | Bild: - (ComunicareVenezia)

Um kurz vor Mitternacht war das Wasser - angetrieben durch starken Wind - auf 187 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel gestiegen. Das sei der höchste Wert seit der verheerenden Überschwemmung im Jahr 1966, als 194 Zentimeter erreicht wurden, teilte die Gemeinde mit.

Große Schiffe und deren Fahrrinnen tragen Mitverantwortung

Wissenschaftler warnen seit langem vor den Folgen des Erderwärmung für die Welterbestadt, die in einer Lagune an der Adria liegt. Schmelzen Eis und Gletscher, so erhöht sich der Meeresspiegel. Je mehr der Meeresspiegel steigt, desto höher ist das Risiko von Überflutungen. Auch sackt der Boden in Venedig ab. Ein Großteil der Gebäude wurde auf Pfählen gebaut. Ebbe und Flut und Wellenbewegungen durch Schiffe gefährden die Bauten. Kritiker machen zudem das Ausbaggern von Fahrrinnen für große Schiffe für das Absacken verantwortlich.

„Venedig werden wir verlieren, das ist nicht umstritten“, sagte vor einem Jahr Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Die Frage sei nur wann. „Es kann Jahrhunderte dauern.“ Die Entwicklung sei langsam aber „unaufhaltsam“. Es gebe zwar Anpassungsmöglichkeiten. Diese müssten jedoch sehr groß angelegt sein.

In Venedig entstehen elektronische Barrieren in der Lagune, die bei Hochwasser ausgefahren werden können. Das Projekt namens „Mose“ hat sich allerdings unter anderem durch einen Korruptionsskandal verzögert. Einige Bewohner sehen aber genau in dem Projekt, das sie schützen soll, den Untergang. „Dieses Hochwasser ist von Menschen gemacht“, sagte Petra Reski, deutsche Journalistin, die seit 30 Jahren in Venedig lebt, der Deutschen Presse-Agentur. „Das größte Problem ist, dass das Wasser sehr schnell reinkommt, aber nicht abfließt. Wegen des „Hochwasserschutzes“ kommt das Wasser schneller rein und fließt schlechter ab.“ (dpa)

Passanten gehen in der Nähe der Rialto-Brücke durch das Hochwasser.
Passanten gehen in der Nähe der Rialto-Brücke durch das Hochwasser. | Bild: Luca Bruno (AP)
Der Eingangsbereich zum Markusdom ist überflutet. Schlechtwetter in Italien - und Teile von Venedig stehen wieder unter Wasser. Touristen und Einheimische wateten in Gummistiefeln über den Markusplatz. Im Markusdom sei das Wasser bis auf 70 Zentimeter gestiegen und habe Schäden am Mauerwerk angerichtet, berichteten italienische Medien am Dienstag.
Der Eingangsbereich zum Markusdom ist überflutet. Schlechtwetter in Italien - und Teile von Venedig stehen wieder unter Wasser. Touristen und Einheimische wateten in Gummistiefeln über den Markusplatz. Im Markusdom sei das Wasser bis auf 70 Zentimeter gestiegen und habe Schäden am Mauerwerk angerichtet, berichteten italienische Medien am Dienstag. | Bild: Luca Bruno (AP)
Ein Mann steht im Hochwasser auf dem überschwemmten Markusplatz und fotografiert sich mit einem Smartphone.
Ein Mann steht im Hochwasser auf dem überschwemmten Markusplatz und fotografiert sich mit einem Smartphone. | Bild: Luca Bruno (AP)