Tim Mälzer, Johann Lafer, Vincent Klink, Cornelia Poletto oder Frank Rosin: Im deutschen Fernsehen brutzeln prominente Köche rund um die Uhr – und das seit 65 Jahren. Im Februar 1953, nur zwei Monate nach dem Start eines regelmäßigen Fernsehprogramms, flimmerte die erste deutsche Kochshow über den Bildschirm.

In der fünfzehnminütigen Sendung „Clemens Wilmenrod bittet zu Tisch“, präsentierte Fernsehkoch Clemens Wilmenrod (gestorben 1967) simple Rezepte wie Toast Hawaii oder Rumtopf. Freitagabends begrüßte Wilmenrod in den 50er und 60er-Jahren seine Zuschauer mit blumigen Floskeln wie „Ihr lieben, goldigen Menschen" oder „Liebe Brüder und Schwestern in Lucullus“. Er stammte aus dem Westerwald, hieß eigentlich Carl Clemens Hahn und war gelernter Schauspieler. Als er nach dem Zweiten Weltkrieg ohne Engagement dastand, machte er dem damaligen Hamburger Sender NWDR seine Idee einer Koch-Show schmackhaft. Wilmenrod eignete sich flugs die Grundlagen des Kochens an und eroberte die Herzen der weiblichen Zuschauer im Sturm. Sein Erfolgsrezept: Der Mann mit Charme garnierte seine Gerichte mit hochtrabenden Namen, die das wachsende Bedürfnis jener Zeit nach Exotik bedienten. Ein schlichtes Hackfleischgericht nannte er etwa „Arabisches Reiterfleisch“ und behauptete, er habe es im Libanon im Schatten eines Beduinenzelts kennengelernt. Dass seine Ehefrau Erika ihm Papptafeln hochhalten musste, damit der Kultkoch das Salzen oder das Umrühren nicht vergaß, störte keinen.

Weil ihm seine Kritiker Schleichwerbung, Dilettantismus und Rezepteklau vorwarfen, flog Wilmenrods Sendung 1964 aus dem Programm, drei Jahre später nahm er sich das Leben. Ab 1958 stand im DDR-Fernsehen Kurt Drummer in „Der Fernsehkoch empfiehlt“ am Herd, und in den 70er Jahren kochte Max Inzinger in der ZDF-Sendung „Drehscheibe“. Sein Satz „Ich habe da schon mal was vorbereitet“ ist bis heute unvergessen.

Alfred Biolek läutete 1994 mit „Alfredissimo" die Ära der Talk-Kochshows ein, in denen die Unterhaltung und weniger der Service-Charakter im Mittelpunkt stehen. Inzwischen setzten viele Kochsendungen vor allem auf einen Wettbewerbscharakter. In „Das große Backen“ auf Sat.1 etwa geht es um die tollsten Torten, und in „Das perfekte Dinner“ (Vox) versuchen sich Amateure mit aufwändigen Menüs gegenseitig zu überbieten. Mittlerweile ist das Programm übersättigt mit Rezeptformaten in den unterschiedlichsten Ausprägungen – was an sich ein erstaunliches Phänomen ist, da doch immer weniger Menschen regelmäßig selber am Herd stehen.