Seit zwei Jahren bereitet sich Alexander Gerst intensiv auf seinen zweiten Flug zur Internationalen Raumstation vor. Am 6. Juni wird der deutsche Astronaut vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur zu seinem zweiten Langzeitaufenthalt auf der ISS starten - und in der zweiten Hälfte seiner Mission „Horizons“ als erster Deutscher das Kommando der Raumstation übernehmen, die in 400 Kilometern Entfernung um die Erde rast. Die ISS sei die „komplexeste Maschine, die die Menschheit je gebaut hat“, sagte Gerst. Auf ihr zu arbeiten, sei ein „ wunderbares Erlebnis “. Er werde seine Erlebnisse auch weiterhin mit der Öffentlichkeit teilen. 

 

„Als Astronaut hat man die größte Sorge vor dem Start, dass etwas dazwischen kommt“, bekannte der 41-jährige Raumfahrer gut gelaunt am Dienstag in Köln bei seinem letzten öffentlichen Auftritt vor dem Start. Deshalb gehe es einem Raumfahrer auch „immer besser, je näher man zum Start kommt“. 187 Tage soll Gerst auf der ISS leben und arbeiten - ab August als Kommandeur der Raumstation. Nach seinem ersten ISS-Flug 2014 soll der Wissenschaftler mit Popstarstatus, der am 3. Mai 1976 im baden-württembergischen Künzelsau geboren wurde, auch diesmal sechs Monate auf der Raumstation bleiben.

 

 

Er freue sich, „meinen Beitrag zu einem der größten Explorationsabenteuer der Menschheit leisten zu dürfen, um neue Horizonte zu erforschen“, sagte er im Mai 2016 bei der Bekanntgabe seines zweiten Raumflugs. Einer der Höhepunkte seines ersten Forschungsaufenthalts war ein Außeneinsatz an der Raumstation. „Es ist wunderschön, da draußen zu sein“, sagte der als Astro-Alex populär gewordene Gerst damals. Der zweite Aufenthalt auf der ISS mit der Übernahme des Kommandos krönt eine große Raumfahrerkarriere, die im Mai 2009 begann: Damals wählte die ESA den promovierten Geophysiker und Vulkanologen mit fünf weiteren Kandidaten für ihr Astronautenkorps aus - aus 8413 Bewerbern.

Kindheitstraum geht in Erfüllung

Für Gerst erfüllte sich ein Kindheitstraum: „Ich war selbst am meisten erstaunt, dass es geklappt hat.“ Seine ausgeprägte Neugier habe ihn von Kindheit an geleitet, erzählt Gerst gern - und verschweigt dabei nicht, dass er als Junge begeistert die Trickfilmserie „Captain Future“ verfolgte. Sein Großvater, ein Amateurfunker, richtete einst eine Antenne in den Weltraum und ließ den Enkel ins Mikrofon sprechen. Die Radiowellen seien zum Mond gereist und kurz darauf als Echo zurückgekommen. „Für mich als Sechsjährigen war ein Teil von mir auf dem Mond.“ Das Interesse an Naturwissenschaften gab auch Gersts weiterem Lebensweg die Richtung vor. 1995 schloss er das Technische Gymnasium in Öhringen bei Heilbronn mit dem Abitur ab, leistete Zivildienst und ging danach für ein Jahr auf Weltreise. Anschließend studierte er Geophysik in Karlsruhe und im neuseeländischen Wellington.

Schon während des Studiums nahm er zwischen 1998 und 2003 an mehreren wissenschaftlichen Expeditionen teil, die ihn bis in die Antarktis führten. In sieben Wochen wird Gerst aus dem Weltall wieder auf unseren Heimatplaneten blicken können - so wie er in seiner Kindheit staunend zum Himmel hinaufsah. „Als Junge habe ich beim Anblick der Sterne meine Eltern und Großeltern mit Fragen gelöchert - beispielsweise, wie man denn dort hinkommt und ob da jemand wohnt.“ Wer weiß, was nach der zweiten ISS-Mission noch kommt. Gedanklich war der ledige Gerst schon ganz weit draußen im All. Zu einer möglichen Teilnahme an einer Mondmission sagte er einmal, es würde ihn natürlich „besonders faszinieren, am Rande eines Mondkraters zu stehen und diesen zu erforschen“. Selbst eine Marsmission kann er sich vorstellen: „Ich hätte nichts dagegen.“ Dem Posten als ISS-Kommandant könnten also weitere aufregende Weltraumabenteuer folgen.