So hatten sich die Schüler das Ende ihrer schulischen Karriere nicht vorgestellt. Mitten in der Debatte über Klimaschutz sorgt die geplante Studienreise der Schüler eines Frankfurter Gymnasiums mit einem Kreuzfahrtschiff für Aufregung. 33 Oberstufenschüler der Carl-Schurz-Schule wollen ihre Abschlussfahrt auf einer fünftägigen Kreuzfahrt von Kiel über Oslo nach Kopenhagen verbringen.

Nach ersten Medienberichten gab es in sozialen Netzwerken zahlreiche Kommentare zu den Kreuzfahrt-Plänen – auch unter dem Aspekt der Klimaschädlichkeit solcher Reisen. Zu einem Beitrag der „Frankfurter Neuen Presse“ schrieb ein Leser: „Die Botschaft heißt: Wenn etwas günstig genug ist, darf einem das Klima auch mal vollkommen egal sein!“

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Preis für Umweltschutz

Wie viele andere Schulen wirbt auch die Carl-Schurz-Schule für ihr Umwelt-Engagement. Auf der Internetseite berichtet die Schule über den ersten Preis, mit dem eine der Klassen erst im August beim bundesweiten Projekt „Umwelt macht Schule“ ausgezeichnet wurde. Dabei ging es um nachhaltigen Umweltschutz im Alltag – die Auseinandersetzung mit Wegwerfkaffeebechern.

Doch in diesem Fall geht es um mehr als Umweltschutz im Kleinen. Schulleiter Hans-Ulrich Wyneken reagierte mit Unverständnis auf die Kritik. Er sprach von einer „symbolischen Attacke“ und „emotionalen Reaktion“ auf ein aufgeladenes Thema. Studienleiter Michael Winn sagte, Schüler und Lehrer fühlten sich „instrumentalisiert“.

Winn, der die Fahrt zusammen mit drei weiteren Lehrern begleitet und selbst beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) aktiv ist, sagte: „Natürlich ist eine Kreuzfahrt problematisch.“ Aber die Diskussion werde mit Daten geführt, die „völlig falsch“ seien.

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Streit um den Schadstoffausstoß

Klaus Vajen, Professor für Energietechnik an der Universität Kassel, hatte den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid bei der Kreuzfahrt mit 1250 Kilogramm pro Kopf berechnet. Als Datengrundlage nannte er Publikationen der Klimaschutzorganisation Atmosfair.

Studienleiter Winn widersprach: Er komme bei eigenen Berechnungen mit etwa 600 Kilogramm auf nicht einmal die Hälfte. So fahre das Schiff nicht mit Schweröl, sondern mit „schwefelarmem Dieselkraftstoff“, und verfüge über einen Landstromanschluss.

Professor Vajen sagte zudem, dass Reisen mit Bus und Bahn hinsichtlich der CO2-Emissionen etwa gleich einzuschätzen seien. Flüge fielen im Vergleich dazu mit Faktor vier, Kreuzfahrten mit Faktor neun ins Gewicht.

Über Umweltfragen haben die Schüler der beiden Leistungskurse Mathematik und Physik nach Winns Worten intensiv diskutiert. Sie hätten die Kreuzfahrt selbst vorgeschlagen. Denn neu ist die Idee nicht: Bereits vor zwei Jahren war ein Mathematik-Leistungskurs auf der gleichen Kreuzfahrt, wie Schulleiter Wyneken sagte. „Damals hat das nur niemanden interessiert.“

Preisleistungsverhältnis sticht Radtour

„Uns ist klar, dass wir einen ökologischen Fußabdruck hinterlassen“, sagte Winn in der der hessenschau. Dennoch hätten sich Schüler und Lehrer am Ende für diese Kreuzfahrt entschieden. Denn, so schreibt heißt es in der Frankfurter Neuen Presse: Das Preisleistungsverhältnis sei einfach unschlagbar. Aus der Schule heißt es, es habe Protest von Schülern gegeben. So habe eine Schülerin vorgeschlagen, statt dem Schiffstörn eine Radtour nach Würzburg zu machen. „Aber das wollte dann keiner“, formulierte Winn.

Schiffsreise mit Studienfahrt-Charakter

Schüler und Eltern hätten sich mit jeweils nur einer Gegenstimme je Kurs für die Kreuzfahrt ausgesprochen. Kosten soll der Aufenthalt 390 Euro pro Person, sagte Wyneken. Damit liege die Kreuzfahrt im Maximalbudget von 450 Euro pro Person für eine Abschlussfahrt. Außerdem entspreche sie dem „Charakter einer Studienfahrt“. So stehen laut Winn Museumsbesuche wie im Experimentarium in Kopenhagen auf dem Programm. Die Schüler würden im Rahmen der Schiffsreise zudem mit dem bordeigenen „Umweltoffizier“ über Klimafragen diskutieren. „Wir können die Kreuzfahrt ignorieren oder uns aktiv damit auseinandersetzen“, sagte Winn. Eben dies wolle er mit dieser Reise denn auch bezwecken.