Es scheint das dramatische Ende eines Ehestreits zu sein. In der Nacht zu Fronleichnam hat ein 73-Jähriger offenbar sein eigenes Haus in Brand gesteckt. Der Mann aus Jonschwil im Schweizer Kanton St. Gallen soll sich zuvor mit seiner 38-jährigen Frau gestritten haben, bevor ihr Gatte den Brand legte.

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Warum der Mann den Brand legte, sei noch Gegenstand der Ermittlungen, sagte der Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen, Hanspeter Krüsi, dem SÜDKURIER: „Wir werden versuchen, das herauszufinden.“ Zunächst müssten aber weitere Befragungen der Ehefrau, der Nachbarn und des Umfelds des Paares folgen, ergänzte der Kommunikationschef.

Flucht vor den Flammen

Die Ehefrau flüchtete demnach aus dem Haus und alarmierte den Notruf der Polizei. Dort gab sie an, sie habe sich mit ihrem Mann gestritten. Der flüchtete mit seinem Auto. Das gemeinsame fünfjährige Kind war zum Zeitpunkt der Auseinandersetzung nicht im Haus, sondern bei Familienangehörigen, sagte Polizeisprecher Krüsi.

Kurze Zeit nach dem ersten Notruf sei dann ein zweiter Notruf bei der Feuerwehr eingegangen – diesmal von einer Nachbarin. Diese gab an, das Haus stehe bereits vollkommen in Flammen.

Der Brand, der sich offenbar schnell über das ganze Haus ausbreitete, brach den Angaben der Polizei zufolge kurz nach Mitternacht aus. Drei Feuerwehrleute erlitten bei dem Versuch, das lichterloh brennende Feuer zu bändigen, eine Rauchvergiftung und mussten ins Krankenhaus gebracht werden.

Als die Einsatzkräfte den Brandort erreichten, habe das Gebäude bereits vollständig in Flammen gestanden, hieß es. Die Feuerwehren aus zwei Ortschaften – Jonschwil und Wil – waren notwendig, um den Brand schließlich unter Kontrolle zu bringen. Wegen der starken Rauchentwicklung und aus Sicherheitsgründen mussten auch die umliegenden Häuser evakuiert werden.

Meterhoch schlagen die Flammen aus dem Gebäude. Die Rauchentwicklung ist so stark, dass mehrere Feuerwehrleute eine Rauchverfigtung erleiden. Bild: Kantonspolizei St. Gallen
Meterhoch schlagen die Flammen aus dem Gebäude. Die Rauchentwicklung ist so stark, dass mehrere Feuerwehrleute eine Rauchverfigtung erleiden. Bild: Kantonspolizei St. Gallen | Bild: KANTONSPOLIZEI ST. GALLEN

Unterdessen spitzte sich das Familiendrama noch weiter zu. Der 73-Jährige und sein Auto wurden zur interkantonalen Fahndung ausgeschrieben.

Weil die Behörden davon ausgingen, dass der Mann zu seinem Haus zurückkehren würde, hatte die Polizei einen „Sicherheitslinie“ in dem betroffenen Viertel eingerichtet. Tatsächlich kehrte der Mann zurück, eine Streife erkannte den Wagen und „die Kollegen sind ihm kurz nachgefahren“, sagt Sprecher Krüsi.

Der Fahrer habe „schnell angehalten“ und sei direkt auf einen Parkplatz gefahren. Doch bevor die Beamten aussteigen konnten, habe der 73-Jährige bereits eine Waffe gezogen und auf sich selbst gerichtet. Die Handfeuerwaffe war registriert, die Polizei wusste, dass der Mann bewaffnet sein könnte.

Über das Kaliber der Pistole machte der Sprecher keine Angaben. Sie werde derzeit von der Spurensicherung untersucht, so Krüsi. Trotz unmittelbarer Hilfe durch einen Notarzt und den Einsatz eines Helikopters sei der Mann, der nicht sofort tot war, seinen Verletzungen erlegen.

Viele offene Fragen

Zurück bleibt eine Witwe mit einem fünfjährigen Kind. Am einstigen Familienheim entstand nach Schätzungen der Kantonspolizei ein Sachschaden von mehreren Hunderttausend Franken, hieß es.

Die Spurensicherung muss nun unter anderem klären, ob der Ehemann Brandbeschleuniger eingesetzt hatte. Die Ermittlungen stehen noch am Anfang.