Wegen der Tötung von fünf ihrer Neugeborenen muss eine Mutter aus dem Elsass für 20 Jahre ins Gefängnis. Das Gericht in Colmar folgte damit am Donnerstag der Forderung der Anklage. Staatsanwältin Melody Barbuti hatte gesagt, die Taten von Sylvie H. trügen alle Merkmale von Mord. Auf die Forderung nach lebenslänglicher Haft verzichtete sie aber wegen der „möglichen Wiedereingliederung“ der gut 50-Jährigen, die drei erwachsene Kinder hat.

Vier der verwesten Baby-Leichen waren bereits vor fast 16 Jahren in einem Waldstück im Elsass gefunden worden, eine weitere wurde später in einer Kühlbox im Haus der Familie entdeckt. Doch erst 2017 kamen die Ermittler Sylvie H. durch Fortschritte bei der DNA-Analyse auf die Spur. Sie gestand in dem Prozess, insgesamt fünf ihrer Neugeborenen erwürgt oder erstickt zu haben.

„Es waren keine Babys für mich“

„Es waren keine Babys für mich“, sagte die dreifache Mutter und vierfache Großmutter aus, die die Kinder in der Zeit zwischen 1995 und 2003 ohne jede Hilfe in ihrem Haus in Wittelsheim in Ostfrankreich zur Welt gebracht hatte. „Es waren Wesen, die meine Seele und mein Körper nicht akzeptiert haben.“ Der Anwalt von Sylvie H. machte eine verminderte Urteilsfähigkeit seiner Mandantin geltend.

Der 2018 verstorbene Partner der Frau hatte angegeben, nichts von den Schwangerschaften bemerkt zu haben. Von der bevorstehenden Geburt seiner drei Kinder habe er erst im 6. und 7. Monat erfahren, von der seiner jüngsten Tochter sogar erst drei Stunden vor der Entbindung, sagte der Mann, der 34 Jahre mit Sylvie H. zusammengelebt hatte.

Schwierige Kindheit von Sylvie H.

Die drei erwachsenen Kinder von Sylvie H. wurden in dem Prozess als Zeugen gehört. „Sie ist keine Mutter, sie hätte niemals Kinder haben sollen“, sagte eine ihrer Töchter aus, die selbst eine kleine Tochter hat. „Sie hat mein Leben zerstört“, betonte die 29-Jährige. Der älteste Sohn der Angeklagten sprach von einem „wirklichen Mangel an Zuneigung“ zu ihren Kindern.

Bei dem Prozess kam auch die schwierige Kindheit von Sylvie H. zur Sprache. Sie warf ihrem Stiefvater vor, sie als Mädchen im Alter von sechs bis acht Jahren vergewaltigt zu haben. Zu ihrer Mutter soll sie eine sehr schlechte Beziehung gehabt haben.

Während des Prozesses stritten sich die Experten über die Kindstötungen. Während eine Gynäkologin Sylvie H. attestierte, sie habe die „Schwangerschaften verleugnet“, gab ein Psychiater an, sie habe sich „gewünscht, schwanger zu sein, wollte aber keine Kinder“.

(AFP)