Hallo, Frau Petridou.

Hallo, Frau Rieß. So hieß meine Grundschullehrerin übrigens auch.

Und, war sie nett, Ihre Lehrerin?

Ja, sehr, sehr nett. Sie wollte mich in der vierten Klasse adoptieren. (lacht) Wir haben uns sehr gut verstanden, sie war eine sehr wichtige Person in meinem Leben.

In Ihrem Leben gibt es jetzt eine neue TV-Sendung, „Die Retourenjäger“. Wenn mir ein von Ihnen zurückgeschicktes Paket in die Hände fallen würde, was könnte ich darin finden?

(überlegt) Ich habe zuletzt Bewegungsmelder mit Dimmer bestellt. Aber die habe ich nicht zurückgeschickt, die habe ich behalten. Ich kaufe nicht so häufig online ein, weil ich vieles lieber in Geschäften besorge. Aber die hatte ich bei einer Freundin gesehen und habe sie dann bestellt. Wenn ich jetzt abends mal auf die Toilette gehe, muss ich nicht extra das Licht anmachen. Das hat mir gefallen, weil es auch nachhaltiger ist.

Das heißt, Sie sind jemand, der gern auch mal einen Schaufensterbummel macht?

Ich bin da tatsächlich noch ein bisschen oldschool unterwegs. Ich gehe auch gern regional einkaufen. Vielleicht liegt es daran, dass meine Eltern eine Kneipe hatten und ich deshalb auch schon immer viel mit Menschen zu tun hatte. Ich finde es einfach schön, mich beraten zu lassen. Und ich bin jemand, der nicht nur auf die Werbung hört, sondern der mit seinen Sinnen einkauft. Ich will Sachen anfassen, bevor ich sie kaufe. Ich will wissen, ob sich etwas gut anfühlt und wie es riecht.

In Deutschland gibt es Jahr für Jahr hunderte Millionen Retouren-Pakete, dadurch ist im Grunde eine neue Branche entstanden. Wie bewerten Sie als gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau diese Entwicklung?

Es hat sich natürlich sehr viel verändert, auch durch die Corona-Pandemie. Wir neigen dazu, Ansammlungen von Menschen zu meiden. Oder man ist in Quarantäne und darf nicht raus. Dann bestellt man halt online, weil es so einfach ist und so schnell geht. Es werden auch viele Anreize geschafft, online zu bestellen. Lieferung am nächsten Tag, 100 Tage Rückgaberecht, kostenlose Rücksendung. Das ist purer Luxus, und dieses Angebot wird natürlich gern angenommen.

Meine Familie kommt aus Griechenland, da ist das nicht so. Viele Dinge gibt es dort überhaupt nicht, und auf eine Bestellung wartet man schon auch mal zwei Wochen. Deshalb wird Online-Shopping viel weniger genutzt und man kauft halt immer noch in Geschäften ein. Das hat natürlich wirtschaftliche Gründe, aber ich finde es auch schön.

Wenn ich in Griechenland bin und etwas einkaufen will, gehe ich einfach in ein Geschäft oder zum Bauern und frage, wo ich was bekomme. Und dann höre ich: „Gehen Sie mal die Straße runter und dann links.“ Das macht mich glücklicher als etwas schnell im Internet zu bestellen. Auch wenn ich natürlich selbst mal online einkaufe, weil es einfach sehr bequem ist …

Um was für Retouren geht es eigentlich in Ihrer Sendung? Und wer sind die Händler, die sie erstehen wollen, um sie dann weiterzuverkaufen?

Das sind echte Einkäufer und echte Verkäufer, die auch im wirklichen Leben genau das seit Jahren tun – also palettenweise Retouren von Katalog-Ware oder aus dem Online-Handel aufkaufen, ohne zu wissen, was genau drin ist. Nur, dass es zum Beispiel um Haushaltswaren oder Kinderspielzeug geht. Das wird dann zum Beispiel wieder über Online-Plattformen angeboten. Ich finde es nachhaltig, dass diese Paletten Abnehmer finden – denn in Deutschland wird nicht nur am meisten zurückgeschickt, sondern auch sehr viel vernichtet. Und das ist traurig, dass es billiger ist, die Sachen zu vernichten, als sie weiterzuverkaufen.

Mit der Sendung wollen wir das den Zuschauern bewusst machen. Ich glaube nämlich, viele Leute wissen das gar nicht. Und das ist, zusätzlich zum Unterhaltungswert der Sendung, doch ein schöner Nebeneffekt.

Überraschung! Panagiota Petridou (Zweite von links) begutachtet mit den Händlern den Inhalt der Palette.
Überraschung! Panagiota Petridou (Zweite von links) begutachtet mit den Händlern den Inhalt der Palette. | Bild: RTLzwei

Die Zuschauer sind auch dabei, wenn die Händler schließlich sehen, was sie quasi blind gekauft haben. Haben sie Ihnen manchmal auch leidgetan, wenn sie kein gutes Händchen hatten?

Ja, sehr! Da waren richtig faule Eier dabei … Es gab einen Händler, der hat für sehr viel Geld eine Palette ersteigert. Die Konkurrenz hatte sich richtig hochgeschaukelt, jeder wollte diese Palette haben. Dabei war sie gut in Folie verhüllt, man konnte nur erkennen, dass Gesellschaftsspiele wie Monopoly drauf waren. Und jeder dachte, die kriegt man gut verkauft. Beim Auspacken hat sich herausgestellt, dass es zwar Monopoly war – aber auf Madagassisch. Wer bitte kauft in Deutschland ein Monopoly-Spiel aus Madagaskar? Immerhin waren auf der Palette noch ein paar andere Spiele …

Aber das ist der Reiz in der Sendung, dass man manchmal als Gewinner rausgehst und manchmal merkst, dass du wirklich ins Klo gegriffen hast. Manche Händler haben wirklich ein gutes Händchen und immer den richtigen Riecher, andere überhaupt nicht. Die wollen eine Palette unbedingt haben und bieten und bieten, und am Ende haben sie einen Haufen Käse gekauft. Das Gute an der Sendung ist, dass die Händler auch darüber lachen konnten.

Würden Sie auch die Katze im Sack kaufen? Sind Sie eine Zockerin?

Ich bin Autoverkäuferin, klar bin ich ‚ne Zockerin! (lacht) Ich gebe zwar zu, man kann das nicht wirklich vergleichen, aber als Autoverkäuferin habe ich auch immer ein bisschen Restrisiko. Ich habe schon so viele Autos gekauft, wo ich dachte, ich hätte ein Schnäppchen gemacht, und dann habe ich total danebengelegen, weil es in der Branche einfach immer Überraschungen gibt. Man sieht das Auto von außen, es sieht ordentlich aus und ist in einem guten Zustand. Und bei der Probefahrt fährt es sich dann entweder wirklich gut oder es klappert und knarzt und man entdeckt Dinge, die man vorher nicht gesehen hat.

Bei den „Retourenjägern“ ist es ähnlich, deshalb konnte ich viele Situationen nachempfinden. Ich habe auch schon sehr oft danebengegriffen. Das passiert den Händlern auch – aber jeder hat auch mal eine richtig tolle Palette geschossen.

Das Format „Biete Rostlaube, suche Traumauto“, mit dem Sie bekannt geworden sind, ist gerade nach mehr als zehn Jahren eingestellt worden. Eine Entscheidung in Ihrem Sinne?

Ja. Man setzt sich jedes Jahr zusammen und überlegt, wie es weitergeht. Ich habe für die Sendung eigentlich das ganze Jahr über gedreht, das ist natürlich sehr zeitaufwändig. 2020 haben wir ein Sommer-Spezial in Griechenland gedreht, und da kam der Gedanke auf, dass es vielleicht okay wäre, jetzt einfach den Deckel drauf zu machen.

Wir haben an der Sendung eigentlich nie was verändert, weil das Format so erfolgreich war. Altes Auto kaufen, aufmotzen, verkaufen … Die Entscheidung war einvernehmlich. Und ich glaube, man wird die Sendung bestimmt noch einige Zeit sehen – als Wiederholung. Ich freue mich jetzt aber wahnsinnig auf meine „Retourenjäger“. Für so etwas Großes hätte ich vorher keine Zeit gehabt. Und nach zehn Jahren ist es vielleicht auch an der Zeit für etwas Neues.

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Sie haben in Griechenland ihr Herz an einen Straßenhund verloren, stimmt‘s?

Ja, Emma ist mein allererster Hund. Ich hatte mal ein Kaninchen, auch einen Goldfisch und einen Hamster. Emma ist mir vors Auto gelaufen, wir wollten sie eigentlich nur aufpäppeln und es ihr nett machen, solange wir dort im Urlaub waren. Aber ich habe sie in den zwei Wochen so ins Herz geschlossen und dann war eigentlich klar: Ohne den Hund kann ich nicht mehr nach Deutschland zurück.

Hat der Hund Ihr Leben sehr verändert?

Ja, klar. Schon weil man mindestens zweimal am Tag raus muss. Das Gute ist: Wir haben einen großen Garten. Und Emma ist ein griechischer Hund. Sie mag‘s nicht, wenn‘s regnet oder schneit. Es sei denn, sie riecht etwas, das sie jagen kann. Sie hat ein paar Rivalen im Garten, die Eichhörnchen findet sie nicht so gut. Sie leben aber schon so lange hier wie ich und ich kann sie nicht verjagen …

Sie wollten eigentlich gern Schauspielerin werden. Haben Sie diesen Wunsch immer noch?

Ich weiß nicht, ob ich so eine eierlegende Wollmilchsau sein möchte. Es gibt schon Rollen, die ich gern mal spielen würde, einen Bösewicht zum Beispiel oder eine Agentin. Das wollte ich schon als Kind. Aber ich bin mit meinem Leben, ehrlich gesagt, sehr zufrieden. Das, was ich mache, kann ich gut und ich mache es gern und von Herzen. Eigentlich habe ich damit exakt das erreicht, was ich mir wünsche.