Herr Reim, werden Sie den Eurovision Song Contest im Fernsehen verfolgen?

Na klar. Allerdings werde ich mir nur einen Teil davon anschauen können, denn an diesem Abend stehe ich selbst auf der Bühne, weil ich mit Florian Silbereisen auf der „Schlagerfest XXL“-Tour unterwegs bin. Meine Frau wird den ESC aber bestimmt komplett gucken und ich bin mir sicher, dass wir anschließend über das internationale Spektakel diskutieren werden.

Mit wem fiebern Sie mit, wem drücken Sie die Daumen?

Ich habe in der Regel keinen Favoriten, weil ich mich im Vorfeld nicht damit auseinandersetze. Ich entscheide das meistens erst, wenn der Schnelldurchlauf kommt, denn dann kann ich mir noch einmal ein Bild von allen im Vergleich machen.

Mir persönlich ist es immer ein bisschen egal, wer dort gewinnt. Ich wünsche es jedem und denke nur: Dabei sein ist alles! Wobei, in diesem Jahr würde ich wohl Malik Harris mit dem Song „Rockstars“ die Daumen drücken. Der Junge ist gut und das ist ein cooler Song.

Der ukrainische Beitrag gilt als Favorit. Wie finden Sie es, wenn vor allem aus politischer Solidarität abgestimmt wird?

Natürlich ist der ukrainische Beitrag ein Favorit, ich denke, er ist aber vor allem ein Solidaritäts-Favorit! So etwas ist immer etwas bedenklich, gleichwohl ist das aber auch total nachvollziehbar. Jetzt mal ehrlich, in diesen Zeiten, in denen wir uns gerade befinden und gar nicht glauben können, was da in der Welt passiert: Sind wir nicht alle ein bisschen Ukrainer?

Kalush Orchestra aus der Ukraine bei einer Probe auf der ESC-Bühne. In der Mitte Sänger Oleg Psyuk.
Kalush Orchestra aus der Ukraine bei einer Probe auf der ESC-Bühne. In der Mitte Sänger Oleg Psyuk. | Bild: Luca Bruno/AP/dpa

Halten Sie den Wettbewerb musikalisch überhaupt für relevant?

Musikalisch relevant ist dieser Wettbewerb für mich persönlich nicht, aber sehr informativ und nicht zuletzt unterhaltsam. Es geht schließlich nicht nur um den musikalischen Wettstreit, sondern um das Gesamtkonzept. Und man muss echt sagen, dass das meistens auch sehr gut gemacht ist. Ich denke, dass der ESC bei vielen Menschen mittlerweile einen Kultstatus erreicht hat.

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Warum sind Sie beim ESC eigentlich nie angetreten?

Warum ich niemals bei diesem Contest angetreten bin? Mal ganz ehrlich: Wenn ich mir überlege, wie viele Millionen von Zuschauern auf der ganzen Welt dabei sind, dann würde ich mich wahrscheinlich in den Minuten vor dem Auftritt vor lauter Lampenfieber förmlich in Luft auflösen. Und dann gäbe es keinen Matthias mehr! (lacht)

Nein, mal ganz im Ernst: Bei allem, was ich je musikalisch gemacht habe, habe ich stets versucht, mir selbst treu zu bleiben, authentisch zu sein, mich nicht verbiegen zu müssen. Ich singe so gerne deutsch und meine Texte machen meine Songs aus. Diese würden dann nur die Deutschen verstehen und die dürften für mich nicht abstimmen.

Wenn ich als Künstler Matthias Reim so auf der Bühne auftrete, dann hätte ich wohl kaum eine Chance, diesen internationalen Contest zu gewinnen. Damit ist für mich klar, dass ich lieber da bleibe, wo ich normalerweise auftrete: auf den deutschen Bühnen.