Herr Ferch, Sie spielen im dreiteiligen Event-Film „Der Palast“ über den Friedrichstadt-Palast mit, das schon zu DDR-Zeiten legendäre Revue-Theater im Osten Berlins. Haben Sie dort mal eine Show besucht?

Oh ja, ich habe das Theater sogar noch zu DDR-Zeiten kennengelernt. Ich war in der Schulzeit mit „Jugend trainiert für Olympia“ viel in West-Berlin, und wir jungen Leute sind dann rüber nach Ost-Berlin, unter anderem habe ich damals schon eine Show im Friedrichstadt-Palast gesehen. Auch nach Öffnung der Mauer war ich mehrmals da, als ich in West-Berlin lebte. Ich wurde ja 1987 an die Freie Volksbühne engagiert und habe die Wendejahre in der Stadt erlebt, das war eine aufregende Zeit.

Sie waren in Ihrer Jugend als Leistungsturner und Tanzakrobat aktiv. Wie bewerten Sie das, was im Friedrichstadt-Palast auf die Bühne gebracht wird?

Das ist von einem hohen tänzerischen Niveau. Mit das Eindrucksvollste ist die Kickline aus 45 jungen Frauen, die unglaublich synchron tanzen, das ist einerseits eine unglaubliche Augenweide, andererseits eine enorme Artistik und Präzision. Es sind ganz eigene Qualitäten, die so ein Revue-Theater hat, ähnlich wie das „Crazy Horse“ oder das „Moulin Rouge“ in Paris.

Hätten Sie beim Dreh gerne mitgetanzt?

Natürlich hat es mich schon in den Beinen gejuckt, ich hätte sehr gerne mitgetanzt. Aber mein Part ist ja der Vater der Zwillinge, es geht da also um eine ganz andere Generation.

„Der Palast“ erzählt eine deutsch-deutsche Familiengeschichte: Zwei Zwillingsschwestern werden 1961 als Babys getrennt, die eine wächst im Westen auf, die andere in der DDR, und beide wissen nichts voneinander. Sie spielen den Vater, der an allem schuld ist …

Das ist ein unglaublicher Konflikt, den dieser Mann erleidet. Die Zwillinge kommen auf die Welt, als Berlin noch offen ist. Weil seine Frau nicht mit ihm in den Westen will, nimmt er aus Verzweiflung eines der Kinder und kann dann nicht mehr zurück, weil ausgerechnet in dieser Nacht der Stacheldraht durch die Stadt gezogen wird. Er leidet sein Leben lang unter dieser Schuld – so eine Rolle nimmt man als Schauspieler mit Handkuss. Und dann mit Uli Edel als Regisseur, da ist man sofort mit einem fröhlichen Ja dabei.

Der von Ihnen gespielte Vater schluckt seine Gefühle lieber mit einem Cognac herunter, als über sie zu sprechen …

Das ist der Zeit geschuldet, damals hat man sich als Vater viel mehr verschlossen. Heute öffnet man sich privat deutlich mehr, das ist ja klar.

Roland (Heino Ferch) wird in „Der Palast“ mit einer schwerwiegenden Entscheidung aus der Vergangenheit konfrontiert.
Roland (Heino Ferch) wird in „Der Palast“ mit einer schwerwiegenden Entscheidung aus der Vergangenheit konfrontiert. | Bild: Julia Terjung/ZDF

Fällt es Ihnen persönlich leichter, Ihre Gefühle zu zeigen?

Definitiv. Es kommt natürlich darauf an, in welchem Alter man welche Dinge zu seinen Kindern sagt, aber da hat sich schon eine Menge getan. Das ist ja der Reiz einer solchen Rolle, dass man in eine Zeit eintaucht, in der die Menschen anders getickt haben.

„Der Palast“ ist ein Großprojekt, das auf mehreren Zeitebenen spielt und dessen Dreharbeiten sich über viele Monate erstreckt haben. Wie hat sich Corona ausgewirkt?

Wir haben selbstverständlich alle Hygienevorschriften eingehalten, zum Beispiel mit regelmäßigen Tests. Dennoch mussten die Dreharbeiten mehrmals für ein paar Tage coronabedingt stillstehen – das ist ja kein Wunder, wenn so viele Menschen anderthalb Jahre lang an einem so großen Projekt mitwirken.

Haben Sie die Corona-Krise persönlich als Einschnitt erlebt?

Wer nicht? Da ist auf einmal ein Virus, mit dem wir alle leben müssen, das uns zeitweise lahmlegt. Ich glaube, Zeiten mit solchen Einschränkungen, Ängsten und Nöten gab es in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg und der Nachkriegszeit nicht. Es ist eine schwierige Phase, auch für die Kinder. Einer meiner Söhne ist, seit er in die Schule gekommen ist, mit Maske dorthin gegangen, der kennt das fast nicht anders.

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Viele Schauspieler haben die Corona-Krise zum Anlass genommen, um ihre Autobiografie zu schreiben. Arbeiten Sie auch schon an Ihren Memoiren?

Nein, ich will mein Privatleben nicht in der Öffentlichkeit verhandeln, das ist eine Linie, die meine Frau und ich seit 20 Jahren fahren, und damit fahren wir sehr gut. Ich mache keine Homestorys für Zeitschriften oder TV-Magazine, wir haben auch die Geburt unseres jüngsten Kindes nicht gleich überall kommuniziert. Abgesehen davon habe ich keine Zeit für ein Buch, denn ich habe sehr viel gearbeitet zuletzt, ich habe 2021 nur drei Monate einen Break gehabt.

Wegen der Geburt Ihres Sohns?

Genau, ich habe drei Monate Pause gemacht, um den jungen Herrn ausgiebig zu begrüßen. Wenn ich für eine Hauptrolle in anderen Städten vor der Kamera stehe, bin ich ja in der Regel von Montag bis Freitag nicht zu Hause, das wollte ich in der Zeit vor und nach der Geburt anders machen. Aber jetzt bin ich wieder voll im Einsatz.