Herr Lauterbach, in „Mord in der Familie – der Zauberwürfel“ (27. und 28. Dezember 2021, 20.15 Uhr, ZDF) bringen große Besitztümer den Beteiligten nicht unbedingt Glück. Wie sehen Sie das? Könnten Sie sich vorstellen, auf materielles Hab und Gut zu verzichten?

Es wäre ein wenig scheinheilig, wenn ich als Besitzer von mehreren Häusern und Autos sagen würde, mir ist alles nichts wert. Aber: Ich bin 1977 mit einer Plastiktüte von Köln nach München gekommen und da hatte ich nur meine Zahnbürste drin und ein paar Fotos, weil ich eine Agentur gesucht habe. So habe ich mich dann durchgewurstelt. Und ich war ziemlich glücklich. Wenn man sieht, was man alles angehäuft hat an Dingen, die ja nicht nur toll, sondern auch „belastend“ sind, stellt man sich schon die Frage, ob wir nicht viel zu viel Konsum haben. Da bin ich nur bis zu einem gewissen Grad weise gewesen und habe mich diesen Dingen unterworfen.

Aber es ist, wie es ist. Ich bin sehr froh, dass ich eine Existenzsicherheit habe, die ich viele Jahre nicht hatte. Ich wusste in vielen Momenten nicht, was ich abends essen sollte, weil ich nichts in der Tasche hatte. Das hört sich jetzt dramatischer an, als ich es damals empfunden habe, aber ich möchte das auch nicht wieder erleben.

Das heißt, Sie und Ihre Familie müssen sich keine Sorgen machen?

Meine Frau und ich sind finanziell so aufgestellt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Wir können, ohne dass wir in Saus und Braus leben, ohne Hubschrauber und Bodyguards ein Leben führen, das uns beide garantiert glücklich machen wird. Wir haben nur Angst davor, dass unsere Kinder auf die schiefe Bahn kommen oder dass es ihnen nicht gut gehen könnte. Aber danach sieht es nicht aus.

Bis zu welchem Grad können Sie sich denn mit der Rolle des patriarchalen Familienoberhaupts, das Sie in dem Zweiteiler spielen, identifizieren?

Es ist immer die Intention eines Schauspielers, sich in einer Figur wiederzufinden. Dadurch verleihen wir ihr Glaubhaftigkeit. Zumindest ich handhabe das so. Ich unterscheide zwei Vorgehensweisen. Entweder man springt in eine Figur hinein oder man versucht, sie an sich zu ziehen, und fragt sich: „Wie würde ich mich unter diesen Umständen verhalten?“ Letzteres ist meine Haltung. Auf diese Weise kann man dieser Person eine menschliche Komponente geben, selbst wenn man Adolf Hitler spielt oder, wie ich es einmal gemacht habe, wenn man einen Kindesmisshandler darstellt. Erst dann werden auch schlimme Taten nachvollziehbar und realistisch.

Eine Szene aus „Mord in der Familie – Der Zauberwürfel“: Henry Becker (Heiner Lauterbach) sitzt mit seinem Sohn Thomas ...
Eine Szene aus „Mord in der Familie – Der Zauberwürfel“: Henry Becker (Heiner Lauterbach) sitzt mit seinem Sohn Thomas (Matthias Koeberlin, rechts) in einem Diner. | Bild: Wolfgang Ennenbach/ZDF

Und wer steuert bei Ihnen das Familienleben? Sie oder Ihre Frau?

Wir machen das so, dass jeder in der Familie das tut, was er besser kann. Das haben wir von Anfang so gehandhabt. Und Viktoria kann sehr viele Dinge gut.

Das klingt fast danach, als würden Sie ihr den Großteil der Arbeit überlassen.

Ich weiß, das hört sich ein bisschen faul an nach dem Motto: „Ich kann nichts, und dafür machst du alles.“ So funktioniert es nicht. In der Regel entscheiden wir alles gemeinsam. Aber jeder hat seine Schwerpunkte, wo er mehr Stimmrecht hat. Wenn es darum geht, welchen Film ich annehme, dann entscheiden wir das zusammen, insbesondere wenn ich mir unsicher bin.

Bei klaren Entscheidungen habe ich ein bisschen mehr Stimmrecht als Viktoria. Aber sie kennt sich da auch sehr gut aus. Sie kennt alle Produzenten, Regisseure und Autoren, weil sie mein Management macht. Sie ist überall beliebt bei den Firmen, weil sie unglaublich gut mit ihr kooperieren können und sie mich auch zu der ein oder anderen Sache überredet.

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Was sind die Schwerpunkte Ihrer Frau?

Die ganzen administrativen Dinge hat Viktoria an sich gerissen, möchte ich fast sagen. Sie führt da ein strenges Regiment. Wenn die Handwerker erscheinen, höre ich schon mal die Frage: „Wo ist die Chefin?“ Ich bin weit davon entfernt, unter dem Pantoffel zu stehen, auch wenn das hie und da mal so aussehen mag. Ich lasse mich gerne von Viktoria überzeugen, weil sie in vielen Dingen Recht hat.

Viktoria und Heiner Lauterbach sind seit 2001 verheiratet.
Viktoria und Heiner Lauterbach sind seit 2001 verheiratet. | Bild: Tobias Hase/dpa

Haben Sie zu Beginn Ihrer Beziehung nicht von Ihr auch einen gesünderen Lebenswandel gelernt?

Richtig. Ich möchte jetzt nicht wieder davon anfangen. Aber das war die Grundbasis, wo ich gemerkt habe, dass sie mir gut tut und dass sie gute Entscheidungen für mich fällt. Dann bin ich natürlich bereit, darauf zu hören. Das hat sich durchgezogen in viele Bereiche. Wenn es eine Partnergemeinschaft ist, dann soll jeder das machen, was er kann, unabhängig von irgendwelchen Geschlechterdingen. Wenn ich definitiv besser staubsaugen kann, dann soll ich das machen. Wenn sie andere Dinge besser kann als Männer, dann soll sie das tun.

Inzwischen zeigt noch eine andere Person in Ihrem Haushalt, was sie alles kann. Ihre 19-jährige Tochter Maya folgt in Ihnen in Ihren Fußstapfen, hat bereits in einigen Filmen gespielt.

Sie ist seit einem Jahr in London auf der Schauspielschule und ist da sehr happy, was mich wiederum sehr glücklich macht. Offensichtlich hat sie sehr gute Lehrer erwischt. Sie ist hoch talentiert, wobei ich das mit der Vaterbrille sehe, und diese Brille ist nicht rosa, sondern dunkelbraun gefärbt. Das heißt, ich sehe das Ganze vorsichtig. Ich finde nicht alles toll, was meine Kinder machen, aber ihr Talent ist unglaublich.