Herr Ströbel, wenn man in den Bergen dreht, bleibt man dann von den Corona-Maßnahmen verschont?

Im Gegenteil. Das war ein sehr anstrengendes Jahr. Gerade im Winter konnte ich nicht nach Hause und musste die ganze Zeit in Tirol bleiben, weil das Risikomutationsgebiet war.

Brach dann der Lagerkoller aus?

Nein, ich kann mich sehr gut selbst beschäftigen. Ich bin in meiner Freizeit Tourenski gelaufen, habe auch viel gelesen, wozu ich sonst nie Zeit finde. Abgesehen davon waren wir im Team ein guter Haufen, dass das nicht aufkam.

Sie haben eine Rolle, bei der es körperlich zur Sache geht. Was für eine Auswirkung hat das auf die Psyche?

Ich kann nicht mehr einfach einen Tag ruhig zu Hause verbringen, denn ich bin es gewohnt, 80 Prozent der Zeit an der frischen Luft zu sein. Ich liebe Körperlichkeit und habe einen extremen Bewegungsdrang. In den Bergen mache ich Wanderungen, Trailrunning, fahre mit dem Rennrad oder unternehme Skitouren, und das liegt mir unglaublich. Die Verbundenheit mit der Natur bringt Entschleunigung und Gelassenheit.

Wären Sie eigentlich real imstande, Menschen in den Bergen zu retten?

Die ersten Schritte und Stabilisationen und die Methoden, wie man Hilfe holt, habe ich schon verinnerlicht. Ich habe inzwischen auch einen extremen Erfahrungsschatz, was Wetterbedingungen oder die Beschaffenheit des Gesteins angeht. So gesehen wäre ich auf jeden Fall ein guter Ersthelfer.

Wenn Sie Skitouren gehen, könnte es sein, dass Sie selbst gerettet werden müssen.

Schon allein wegen meiner Familie mache ich nur die ganz sicheren Sachen. Ich habe davon abgesehen das ganze Equipment dabei, von der Sonde bis zum Airbag. Doch ich gehe eben nur Strecken, wo ich weiß, dass alles gut ist, und wenn die Wetterverhältnisse stimmen. Abgesehen davon versuche ich immer, erfahrene Leute dabei zu haben. Deshalb bin ich nie in eine gefährliche Situation geraten. Auch beim Dreh ist Sicherheit das oberste Gebot.

Höhenangst darf ein „Bergretter“ nicht haben – Markus (Sebastian Ströbel) und Katharina (Luise Bähr) im Einsatz.
Höhenangst darf ein „Bergretter“ nicht haben – Markus (Sebastian Ströbel) und Katharina (Luise Bähr) im Einsatz. | Bild: Stephanie Kulbach/ZDF

Beim Dreh wird es auch ungemütlich, etwa wenn Sie in kaltem Wasser drehen müssen. Wie kommen Sie damit klar?

Ich bewege mich häufig im Grenzbereich. Aber das ist auch ein Grund, weshalb ich das mache. Wie viele Formate bieten einem schon so einen Abenteuerspielplatz? Ich erlebe da echt geile Sachen. Zum Beispiel haben wir zwei Wochen am Stück untertage in Höhlen gedreht. Natürlich ist es heftig, wenn man die ganze Zeit im kalten Wasser ist, aber ich will ja genau das, und deshalb darf ich mich nicht beschweren.

Sie sind also körperlich fit?

Im Vergleich zu vor sieben Jahren, als mit den „Bergrettern“ angefangen habe, hat meine Fitness einen Riesensprung gemacht. Sport und Training sind inzwischen wie ein Suchtfaktor, oder man könnte sagen, das ist wie Zähneputzen. Und es ist auch notwendig, dass ich auf mich achte, so wie im Leistungssport. Zumal die Regenerationsphasen umso länger dauern, je älter ich werde. Ich kann halt nicht am Abend vorher einen trinken gehen, wenn ich am nächsten Tag in den Bergen drehe. Wenn du dort sieben Monate am Stück arbeitest, musst du eben sehr diszipliniert sein. Zumal ich am Wochenende auch noch die Strapazen der Fahrt nach Hamburg habe, wo meine Familie lebt.

Markus (Sebastian Ströbel) hat eine besondere Überraschung für Katharina (Luise Bähr) vorbereitet – eine Szene aus der ersten Folge der 13. Staffel von „Die Bergretter“.
Markus (Sebastian Ströbel) hat eine besondere Überraschung für Katharina (Luise Bähr) vorbereitet – eine Szene aus der ersten Folge der 13. Staffel von „Die Bergretter“. | Bild: Stephanie Kulbach/ZDF

Disziplin ist eine Lebenseinstellung. Wie würden Sie die Ihre beschreiben?

Ich bin ein Entdecker-Typ. Ich will alles sehen und erforschen. Aber ich bin niemand, der die Gefahr sucht, etwa indem ich allein in eine Höhle gehe. Eine ordentliche Portion Respekt gehört schon dazu. Und diese Affinität habe ich immer schon so gehabt. Ich habe beispielsweise einen Kinofilm über Autorennen gedreht, wo ich die ganzen Stunts selbst gemacht habe. Es macht mir tierisch Spaß, mich in so etwas reinzufuchsen. Und durch „Die Bergretter“ hat das eine ganz neue Qualität bekommen.

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Könnten Sie sich überhaupt vorstellen, noch etwas anderes zu drehen?

Mir ist bewusst, dass die „Bergretter“ einzigartig sind. Ich liebe das, aber ich bin auch gleichzeitig ruhiger geworden. Das heißt, ich muss nicht mehr hinausgehen und mich beweisen. Ich habe schon so viele schöne Gipfel gesehen, und meine Abenteuerlust kann ich auch bei anderen Sachen ausleben. Theaterspielen steht für mich beispielsweise ganz oben auf der Liste. Da bin ich ganz heiß drauf. Und ich habe noch 1000 andere Sachen im Kopf und Lust, mich weiterzuentwickeln. Doch nach wie vor finde ich die Serie inspirierend.

Und wenn das nicht mehr so wäre?

Ich denke, bei der Fülle an Folgen, die wir drehen, wird es immer mal schwächere und stärkere Geschichten geben. Wenn ich das Gefühl habe, dass sich der Entwicklungshorizont so entwickelt, dass ich mich selbst nerve und die Geschichten mich nerven, würde ich den Schlussstrich ziehen. Ich habe ich großes Vertrauen in die Produktion, aber gefeit ist man nie. Man hat ein ständiges Qualitätsmanagement. Da muss man schon aufpassen und eben beweglich sein, anstatt sich auszuruhen. Wenn man merkt, dass es zur Gewohnheit wird und man sich selbst wiederholt, dann muss man die Bremse ziehen.