Mit knapp über 600.000 Einwohnern ist Luxemburg schon das, was man (gerade im Vergleich zu anderen europäischen Ländern) winzig nennen könnte. Dass das Großherzogtum dennoch so hervorsticht, liegt – man ahnt es schon – an eben jenem Großherzog und seiner Familie.

Henri von Nassau, 65, ist seit mittlerweile fast 20 Jahren Staatsoberhaupt von Luxemburg und nicht nur auf allen Münzen zu sehen, sondern hat auch mehr zu sagen als andere königliche Hoheiten in Europa: Er ernennt und entlässt die Regierung, macht alle Gesetze bekannt und kann theoretisch das Parlament auflösen. Faktisch nimmt der Großherzog allerdings fast ausschließlich repräsentative Aufgaben wahr.

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Ein Schicksal, das sich wohl verkraften lässt. Dem US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zufolge ist Großherzog Henri, der auf Schloss Berg residiert, in Bezug auf sein Vermögen der am meisten unterschätzte Monarch der Welt – auf 4,6 Milliarden Euro wurde sein Privatvermögen vor einigen Jahren geschätzt.

Fast gleichzeitig errechnete eine belgische Zeitung jedoch gerade einmal 1,2 Milliarden Euro, abgeschlagen hinter dem Fürst von Liechtenstein, der britischen Queen und dem damaligen spanischen König. Am großherzoglichen Hof wurde die Meinung, die Familie verfüge über ein ungeheures Vermögen, als Hirngespinst abgetan. So oder so: Arm sind sie nicht in Luxemburg.

Nächste Generation in den Startlöchern

Auch wenn sich den Machtverhältnissen nichts geändert hat, ist die Aufmerksamkeit zuletzt doch ein wenig vom Großherzog (offiziell unter anderem auch Prinz von Bourbon-Parma uns Burggraf von Hammerstein) auf seinen ältesten Sohn übergegangen – denn Guillaume (38) und seine Frau Stéphanie (36) sind im Mai zum ersten Mal Eltern geworden. Name des kleinen Prinzen: Charles. Seit 2010 gilt in Luxemburg die Regel, dass das erstgeborene Kind den Thron besteigt, egal ob Junge oder Mädchen.

Erbgroßherzog Guillaume und seine Frau Stéphanie empfangen 2017 die britische Herzogin Kate in Luxemburg.
Erbgroßherzog Guillaume und seine Frau Stéphanie empfangen 2017 die britische Herzogin Kate in Luxemburg. | Bild: Emmanuel Dunand / AFP

Henri hat mit seiner Frau Maria Teresa (64), die er während des Studiums kennen lernte, fünf Kinder. Neben Erbgroßherzog Guillaume (dessen Gattin eine von nur noch zwei europäischen Thronfolger-Gemahlinnen ist, die einem Adelshaus entstammen), sind das Félix (36, verheiratet mit der Deutschen Claire Lademacher), Louis (33, geschieden von Tessy Antony), Alexandra (29) und Sébastien (28). Félix hat bereits zwei Kinder, Amalia (6) und Liam (3), Louis ebenso – Gabriel (14) und Noah (12).

Drei Generationen des Luxemburger Herrscherhauses: Im Oktober 2000 wurde Henri (rechts) zum Großherzog. Das Bild zeigt ihn wenige Monate später mit Alt-Großherzog Jean (links) und Thronfolger Guillaume, der damals gerade zum Erbgroßherzog nominiert worden war.
Drei Generationen des Luxemburger Herrscherhauses: Im Oktober 2000 wurde Henri (rechts) zum Großherzog. Das Bild zeigt ihn wenige Monate später mit Alt-Großherzog Jean (links) und Thronfolger Guillaume, der damals gerade zum Erbgroßherzog nominiert worden war. | Bild: Werner Baum / dpa

Der im vergangenen Jahr verstorbene Alt-Großherzog Jean, der 2000 abgedankt hatte, und seine Frau Joséphine, die bereits 2005 starb, hatten vier Kinder. Neben Henri Marie-Astrid (66, fünf Kinder und drei Enkel), Jean (63, vier Kinder), Margaretha (63, drei Kinder) und Guillaume (57, vier Kinder).

Prinz Guillaume wurde im Jahr 2000 zum Erbgroßherzog ernannt, seitdem ist er immer öfter bei offiziellen Anlässen dabei. Er ist Mitglied des luxemburgischen Staatsrats, Oberstleutnant der Armee und Schirmherr verschiedener Organisationen. Der 38-Jährige hat in der Schweiz Abitur gemacht, war auf der Militärakademie im britischen Sandhurst – wie sein Vater – und hat ein Politikstudium abgeschlossen.

Sie gehören zu den beliebtesten Mitgliedern der Familie: Prinzessin Claire, geborene Lademacher, und Prinz Félix mit den Kindern Amalia und Liam – sie sind heute 6 und 3 Jahre alt.
Sie gehören zu den beliebtesten Mitgliedern der Familie: Prinzessin Claire, geborene Lademacher, und Prinz Félix mit den Kindern Amalia und Liam – sie sind heute 6 und 3 Jahre alt. | Bild: Cour Grand-Ducale / EPA

Die Familie (praktisch alle sprechen auch Deutsch) ist sehr aktiv auf Instagram, die internetaffinen Anhänger des Großherzogtums (im Moment sind es 32.000) bekommen dort unter anderem oft Einblick ins private Fotoalbum. Zu sehen ist auch, wen man als Großherzog so trifft: vom Papst über Bundeskanzlerin Angela Merkel bis hin zu den königlichen Kollegen. Die Familie begeistert sich für klassische Musik, für Literatur und Sport – und das Pfadfindertum.

Nach Skandalen muss man in Luxemburg nicht lange suchen, wobei: Abgesehen von der nicht hunderprozentig reibungslos verlaufenen Scheidung von Louis und Tessy – höchstens ein Skandälchen – gibt es da nur einen.

Sie sorgten für ein seltenes Ereignis am Hof: Prinz Louis und Prinzessin Tessy von Luxemburg sind seit 2019 geschiedene Leute. Das Paar heiratete 2006 (da war ihr erster Sohn sechs Monate alt), trennten sich aber 2017.
Sie sorgten für ein seltenes Ereignis am Hof: Prinz Louis und Prinzessin Tessy von Luxemburg sind seit 2019 geschiedene Leute. Das Paar heiratete 2006 (da war ihr erster Sohn sechs Monate alt), trennten sich aber 2017. | Bild: Christophe Karaba / EPA / dpa

Wegen häufiger Personalwechsel am Hof hatte die Regierung 2019 eine Prüfung beauftragt, der Bericht dokumentierte die finanziellen Verhältnisse und die Personalpolitik als ungeregelt und intransparent, insbesondere Großherzogin Maria Teresa stand in der Kritik, ihr Ehemann bezeichnete die Anschuldigungen damals als unfair. Aber: Auch in Luxemburg ist eben nicht alles Gold, was glänzt.