Herr Vogel, was hat Sie an der Figur des Kommissars Robert Heffler gereizt?

Ich mag Krimis generell, wenn sie gut gemacht sind. Diesen finde ich super, weil er moderner ist als viele andere. Heffler ist ein alleinerziehender Vater. Mit drei Töchtern in der Vor- und Nachpubertät bist du permanent in einer Überforderungssituation, gerade als Mann. Er versucht, trotzdem alles richtig zu machen – was unmöglich ist. Unter diesem Stress einen Fall lösen zu müssen, ist ein Riesenspagat.

Wie viel Know-how können Sie als sechsfacher Vater einfließen lassen?

Da profitiere ich schon ein bisschen … Ich versteh‘ meine Figur total.

Legen Sie die Freunde Ihrer Töchter auch in Handschellen?

Würde ich gerne! (lacht) Man kennt natürlich die Situation, wo einem etwas nicht gefällt, weil man findet, das sei noch zu früh. Ich glaube, jeder, der pubertierende Mädchen hat, wird bei dieser Szene ganz schön ablachen. Da ist Robert der Machtmensch. Er nutzt die Chance, die ihm sein Beruf bietet, um den Jungen zu schockieren.

Wie leicht lassen Sie sich von Ihren Töchtern um den Finger wickeln?

Gute Frage. Als „Vadder“ von Töchtern weiß man ja, dass man eigentlich keine Chance hat. Keine Chance! Du bist immer auf dem Abstellgleis, immer am Verlieren. Aber das hat auch viel Witz. Man muss das mit Humor nehmen.

„Jenseits der Spree“ ist der neueste ZDF-Freitagskrimi. Was bedeutet es Ihnen, in die Fußstapfen von Erik Ode und Horst Tappert zu treten?

Das ist geil. Was für eine Entwicklung! (lacht) Ich kann mich nicht erinnern, was für einen Mensch Erik Ode verkörperte. In „Der Kommissar“ ging es einzig um die Lösung des Falls. Aber ich habe die Serie als Kind trotzdem gerne gekuckt. Den Beginn der Folgen, bevor ich ins Bett musste.

Träumten Sie damals davon, selbst einmal einen Kommissar zu spielen?

Das kann man nicht sagen. Ganz früher wollte ich überhaupt keine Polizisten spielen. Das hat sich verändert, da es inzwischen mega-gute Serien gibt, in denen die Polizisten nicht mehr nur die Guten sind.

Sie haben also nicht darunter gelitten, dass in Ihren Anfängen andere die Heldenrollen spielten?

Ne, gar nicht.

Die andere Seite interessierte Sie mehr?

Definitiv. Es ist auch realistischer, dass wir Dinge falsch machen oder scheitern. Nur so können wir dazulernen und es hoffentlich beim nächsten Mal besser machen.

Robert Heffler (Jürgen Vogel) und Katharina Koblinski (Elisabeth Baulitz) während eines für Robert folgenschweren Einsatzes.
Robert Heffler (Jürgen Vogel) und Katharina Koblinski (Elisabeth Baulitz) während eines für Robert folgenschweren Einsatzes. | Bild: Oliver Feist/ZDF

Sie haben mit dem heutigen Stuttgarter Tatort-Kommissar Richy Müller zwei Jahre in einer WG gewohnt …

Er war für mich ein Role Model und ein väterlicher Freund, obwohl er nur 13 Jahre älter ist als ich. Ich hatte damals noch nicht viel Dreherfahrung und arbeitete daneben noch als Beikoch. Richy konnte schon auf eine große Karriere zurückblicken. Deshalb war es für mich wertvoll zu beobachten, wie er sich auf Rollen vorbereitet.

Jemand hat über Sie geschrieben: Er spielt, wovor wir alle Angst haben. Hat er den Nagel auf den Kopf getroffen?

Ja, ich neige auch dazu, Dinge ins Extreme zu ziehen. Ich brauch‘ das und finde es filmisch interessant. Viele Entscheidungsträger fürchten, dass die Quoten schlecht würden, wenn die Hauptfiguren nicht sympathisch sind. Ich finde, man kann einer Figur auch folgen, wenn man sie nicht mag. In alle Richtungen. Man geht mit ihr in den Keller und aufs Dach. Ich will die Leute dorthin mitnehmen, wo sie vorher nicht waren. Ich habe null Angst.

Heffler will keine Schusswaffe mehr tragen. Wie ist Ihr Verhältnis zu Waffen?

Wenn man solche Rollen spielt, macht man auch Schießübungen. Da wird dir bewusst, welche Konsequenzen es haben kann, wenn du abdrückst. Deshalb finde ich es wichtig, dass es in Krimis auch Figuren gibt, die Mühe damit haben, dass sie bei ihrer Arbeit manchmal in Sekundenbruchteilen über Leben und Tod entscheiden müssen.

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Haben Sie Wehrdienst geleistet?

Ne, hab ich nicht.

Weil Sie keine Waffe tragen wollten?

Nein, weil ich damals gegen die Bundeswehr war und immer das Gefühl hatte, sie wäre eine Massenarmee, die gar nicht sozialisiert ist. Ich wollte nicht nur Kanonenfutter sein.

Im deutschsprachigen Raum scheint die Hälfte der TV-Programms aus Krimis zu bestehen. Ist das nicht bedenklich?

Das kann man so sehen. Generell finde ich es wichtig, vielfältig zu sein. Im Fernsehbereich gab es jedoch unglaublich viele Experimente, die leider gescheitert sind. Ich habe schon Familien-Serien gemacht wie „Das Wichtigste im Leben“. Ich mochte die Figuren und die unaufgeregte Art, aus dem Leben zu erzählen. Trotzdem hat es keine zweite Staffel gegeben. Das ist schade.