Frau Dobra, wenn man sich den Film „Zwerg Nase“ (Heiligabend, 16.25 Uhr, ZDF) anschaut, hat man den Eindruck, dass Sie beim Drehen wahnsinnig viel Spaß hatten. War es denn so?

Das ist absolut richtig. Es ist an sich schon ein Privileg, ein Märchen zu drehen. Und dann mit einer solchen Crew! Wir haben in Tschechien gedreht, waren alle weit weg von zu Hause und deshalb aufeinander angewiesen. Dadurch haben wir uns nicht nur besser kennengelernt, sondern konnten auch unsere Rollen besser gestalten. Es hat einen Riesenspaß gemacht, im Winter zu drehen, selbst in der Eiseskälte. Es war lustig, sehr fantasievoll und wir waren alle glücklich, dabei zu sein und in dieser Zeit überhaupt zu drehen zu dürfen.

Was hat Ihnen an Ihrer Rolle als Fee Kräuterweis besonders gefallen?

Alles. Sie ist einerseits der Bösewicht in dem Märchen – so jemanden zu spielen, ist für einen Schauspieler immer schön. Doch sie ist auch charmant auf ihre Art. Sie freut sich, wenn sie etwas Böses macht, sie wird zum Kind und blüht richtig auf. Und dann ist da noch ihr Aussehen, die aufwendige Maske und die fulminanten Kostüme. Das war alles so prachtvoll!

Was fasziniert Sie an Märchen?

Märchen sind für uns alle ganz wichtig – egal, ob wir erwachsen sind oder noch Kinder. Sie begleiten uns durchs ganze Leben. Wir vergessen natürlich mal die Moral von der Geschicht‘ … Doch was uns immer begleitet, ist dieses Wissen, was gut ist und was nicht gut für uns ist. Dieses Gefühl, dass es Wunder gibt. Gerade in der heutigen Zeit, wo die Welt auf dem Kopf steht, ist das wichtig.

Haben Sie ein Lieblingsmärchen, eins, das Sie zum Beispiel Ihrer Tochter gern vorgelesen haben?

Nein, ein Lieblingsmärchen habe ich nicht. Ich mag alle Märchen. Früher habe ich viele russische Märchen gelesen. Das waren manchmal ganz skurrile Geschichten, auch brutal zum Teil, aber immer fantasievoll und natürlich mit einem Happy End. So etwas prägt sich ein.

So sieht Anica Dobra normalerweise aus.
So sieht Anica Dobra normalerweise aus. | Bild: Jan Woitas/dpa

Der Fee Kräuterweis geht es am Ende von „Zwerg Nase“ an den Kragen. Für sie gibt es also kein Happy End. Ist es trotzdem ein Ende nach Ihrem Geschmack?

Natürlich, das hat sie doch verdient! So muss es sein im Märchen. Sie ist wirklich sehr, sehr böse gewesen und hat es auf allen Ebenen übertrieben. Außerdem, wer weiß schon, ob sie nicht vielleicht in 100 Jahren aus ihrer Versteinerung erwacht …

Hat Ihnen auch das auch so gefallen an der Figur, dass Sie beim Spielen so übertreiben durften?

Ja, und wie! Und die Rolle hat auch irgendwie etwas Tieferes. Es ist nicht nur leichte Kost, ganz im Gegenteil. Man geht als Schauspieler hinein in so eine Rolle und fragt sich zum Beispiel: Warum ist sie so böse? Ich glaube, bei der Fee Kräuterweis war der Mangel an Liebe der Grund.

Äußerlich sind Sie im Film praktisch nicht zu erkennen. Wie lange saßen Sie denn in der Maske, um sich in die Fee Kräuterweis zu verwandeln?

Ich glaube, es waren zweieinhalb bis drei Stunden. Aber ganz sicher bin ich mir nicht mehr. Es ist komisch, dass ich das vergessen habe. Doch alles an diesem Dreh war so aufregend, dass ich die lange Zeit in der Maske auch gar nicht als Quälerei empfunden habe. Nicht einmal das Kleid, das ich tragen musste. Und das wog 15 Kilogramm! Wenn man das zehn bis zwölf Stunden am Tag anhat, tut einem danach alles weh. Doch wenn die Kamera läuft, ist das überhaupt kein Problem, da läuft alles wie geschmiert. Das ist Magie …

Die Fee Kräuterweis (Anica Dobra) mit dem kleinen Jakob (Jonathan Tittel), den sie in ihr magisches Reich entführt und in den ...
Die Fee Kräuterweis (Anica Dobra) mit dem kleinen Jakob (Jonathan Tittel), den sie in ihr magisches Reich entführt und in den „Zwerg Nase“ verwandelt. Das Kleid der Schauspielerin wiegt 15 Kilogramm. | Bild: Jan Hromadko/ZDF

In „Zwerg Nase“ geht es auch ums Kochen und Essen. Kochen Sie gern? Und können Sie Essen so richtig genießen?

Oh, ja. In der heutigen Zeit ist es wichtiger als jemals zuvor, wie man Essen zubereitet, was man isst, wie man isst und mit wem man isst. All das ist ein produktiver Prozess, würde ich sagen. Man kommt natürlich nicht immer zum Kochen, aber wenn man schon kocht, dann soll das bitte vom Feinsten sein, damit es dem Körper gut tut, und schön angerichtet sein, damit es sozusagen auch dem Auge schmeckt. Im Märchen wird sehr viel und lange gefeiert und sehr, sehr viel gegessen. Es ist wirklich eine Kunst, so gut kochen zu können. Als Koch muss man kreativ und am besten auch künstlerisch veranlagt sein.

Das könnte Sie auch interessieren

Der Film läuft an Heiligabend im Fernsehen.

Das ist auch genau der richtige Zeitpunkt dafür. Dieser Film hat so eine Magie, die auch diesem besonderen Tag innewohnt.

Was machen Sie an Heiligabend? Schauen Sie fern?

Ich habe mir die ZDF-Märchen immer angeschaut, muss ich sagen. Vor ein paar Jahren habe ich mir gewünscht, mal dabei sein zu dürfen. Und der Wunsch ist in Erfüllung gegangen! Ich finde, ein Märchen ist genau das Richtige für diesen Tag. Ich stelle mir vor, dass man zusammenkommt, dass man zueinander hält, dass man Liebe zeigt – das ist ja auch der Sinn der Feiertage. Es geht nicht nur um die Geschenke, sondern auch um vieles andere, vor allem um die schönen Momente, die man gemeinsam erlebt. Und ich würde den Tag so beginnen wollen: mit einem Märchen.

Jakob, der „Zwerg Nase“, hat es schwer, weil ihn die meisten auf sein Aussehen reduzieren, seine Größe, den Buckel, die große Nase. Sie sind das komplette Gegenteil – wurden Sie wegen Ihres guten Aussehens schon mal unterschätzt?

Danke für das Kompliment, aber das war für mich nie ein Thema. Man sollte als Schauspieler gegen jede Schublade ankämpfen, zum Beispiel indem man die Rollen, die man angeboten bekommt, so spielt, dass es ein bisschen anders ist. Bei der Schauspielerei geht es natürlich nicht darum, dass man gut aussieht, sondern dass man gut spielt. Und ich glaube, wir sind alle gleich viel wert, das hat mit dem Aussehen nichts zu tun. Außerdem kann doch heute jeder gut aussehen – gerade als Schauspieler kann man sich in der Maske komplett verwandeln. Aber man sollte vor allem ein guter Mensch sein. Darauf kommt es an, glaube ich.

Mit Schimpf und Schande wird Zwerg Nase (Mick Mehnert) aus seiner Heimatstadt vertrieben.
Mit Schimpf und Schande wird Zwerg Nase (Mick Mehnert) aus seiner Heimatstadt vertrieben. | Bild: Jan Hromadko/ZDF

Sie leben nach wie vor in Belgrad (Serbien), verbringen aber durch die Arbeit natürlich auch viel Zeit in Deutschland. Sind beide Länder für Sie Heimat?

Ja, beides fühlt sich wie Heimat an. Ich vermisse Deutschland auch, wenn ich länger nicht dort bin. Doch im Prinzip bin ich glücklich, wo ich bin. Ich schätze hier die Kraft und die Energie. Aber ich brauche beides, auf jeden Fall. Ich möchte weder auf Deutschland noch auf Serbien verzichten und meine Offenheit und Beweglichkeit behalten. Die Welt war ja bis vor ein paar Jahren sehr klein, jetzt ist sie für uns alle größer geworden, und das ist genau meine Welt.