Herr Cosar, erst einmal noch herzlichen Glückwunsch zu Ihrem Sieg in Luke Mockridges Comedy-Show „Deutschland lacht“. Hat Sie Ihr Erfolg überrascht?

Ja, und es hat mich auch gefreut. Bei einem Wettbewerb weiß man ja nie, wie abgestimmt wird. Im Fokus stand für mich aber nicht das Gewinnen, sondern einfach des Zusammensein mit den Kollegen. Und die Chance, endlich mal wieder live aufzutreten, wenn auch vor sehr kleinem Publikum.

Die Sendung hat gezeigt, wie vielfältig Comedy in Deutschland ist, oder?

Die Comedy-Szene war schon immer groß, da ist für jeden was dabei – nur hatte man früher nicht so viele Möglichkeiten aufzutreten. Heute machen die einen was in den sozialen Medien, die anderen reisen von einer Bühne zur anderen, aber nicht jeder schafft den großen Sprung. Als ich 2012 angefangen habe, hatte ich im Jahr an die 180 Termine, auch Wettbewerbe bei denen ich mich mit anderen gemessen habe. Von Fernseh-Präsenz konnte damals noch keine Rede sein. Aber ich war trotzdem da und habe meine Shows gespielt.

Anfang 2019 waren Sie in der RTL-Show „Let‘s Dance“ zu sehen, wodurch Sie einem noch breiteren Publikum bekannt geworden sind. Hat sich für Sie dadurch viel verändert?

Ich würde nicht sagen, dass „Let‘s Dance“ allein für einen Karrieresprung verantwortlich ist. Ich bin schließlich als Zweiter rausgeflogen und war insgesamt nur kurz dabei. Ich stehe seit Jahren auf der Bühne und habe auch vorher schon in großen Hallen gespielt. Aber es war sicher ein Faktor von vielen – man kann sich das wie ein Zahnrad vorstellen, bei dem ein Rad ins andere greift. Und „Let‘s Dance“ war sicher eins davon. Aber ich würde die Show nicht als Meilenstein in meiner Karriere bezeichnen. (schmunzelt)

Bei RTL eroberte Cosar in der Show „Let‘s Dance“ (hier mit Marta Arndt) ein großes Publikum.
Bei RTL eroberte Cosar in der Show „Let‘s Dance“ (hier mit Marta Arndt) ein großes Publikum. | Bild: Henning Kaiser/dpa

Ein Meilenstein ist aber sicher Ihre erste eigene Show, die immer dienstags um 22.30 Uhr im SWR läuft, „Die Cosar-Show“. Wie kam es denn dazu?

Es kam vor allem sehr überraschend für mich. Beim SWR hat man sich wohl gedacht: „Hey, cooler Typ!“ (lacht) Und dann haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, dass wir doch einfach mal was Schönes kreieren könnten.

Was ist – in Ihren Worten – das Besondere an der Show?

Bei der Show ist es genauso wie bei meinen Bühnenprogrammen: Das bin einfach ich, das ist mein Humor. Ich mache, was ich lustig finde, und versuche, die Leute mit meinem Humor zum Lachen zu bringen. Das ist alles.

Gibt es denn Themen, die Ihrer Meinung nach besonders gut für Comedy geeignet sind?

Jedes Thema funktioniert mit Comedy. Man kann über alles sprechen – und man sollte auch über alles sprechen. Es ist besser, die Hand vor den Mund zu halten und zu lachen, anstatt die Hand vor die Augen zu halten und so zu tun, als würde es keine Probleme geben. Wichtig ist die Art und Weise, wie man ein Thema rüberbringt. Bei mir ist es ja so: Ich kreiere keine Inhalte, nur weil ich denke, dass die Leute das lustig finden könnten. Ich mache das, was ich selber lustig finde – das war schon immer so. Kunst sollte sich meiner Meinung nach nicht nach dem Publikum richten. Kunst geht voran und ermöglicht den Menschen, etwas Bekanntes neu zu betrachten oder etwas ganz Neues zu entdecken. Im Idealfall finden sie das dann gut. Aber wenn man nur noch das macht, was den Zuschauern gefällt, und nicht mehr das, was einem selbst gefällt, dann wird das langweilig.

„Die Cosar Show“ ist auch in der ARD-Mediathek zu sehen – außerdem gibt es auf TikTok, Facebook, Instagram und YouTube die ganze Woche über sehenswerte Inhalte.
„Die Cosar Show“ ist auch in der ARD-Mediathek zu sehen – außerdem gibt es auf TikTok, Facebook, Instagram und YouTube die ganze Woche über sehenswerte Inhalte. | Bild: SWR/Constantin Entertainment/Mario Bok

In der ersten Folge hatten Sie Atze Schröder zu Gast. Wen begrüßen Sie denn noch in Ihrer Show?

Jorge González ist einer meiner Gäste. Genauso Bülent Ceylan, Chris Tall, Linda Zervakis und Sven Plöger.

Eine bunte Mischung …

Ja, das sind einfach alles interessante Menschen, die ein tolles Leben führen. Ich freue mich auf unterhaltsame Abende. Aber ich muss sagen: Für mich ist das natürlich alles Neuland. „Die Cosar Show“ ist meine erste eigene TV-Show. Es macht Spaß, so tolle Menschen kennenzulernen und auch an mir neue Seiten zu entdecken.

Jetzt, wo Sie Ihre erste eigene TV-Show haben – was ist das nächste Ziel?

Über so etwas denke ich nicht nach und das habe ich auch noch nie gemacht. Ich genieße einfach den Moment. Das ist etwas, das die Menschen oft vergessen. Wir denken immer an die Zukunft, daran, was vielleicht passieren könnte. Mein Vater war so einer: Er hat nur an seine Rente gedacht, daran, sich abzusichern, und vergessen, das Leben davor zu genießen. Ich bin da ganz anders. Ich lebe in den Tag hinein und versuche, jeden Moment so schön wie möglich zu gestalten. Natürlich laufe ich nicht blind gegen die Wand, ich habe schon immer ein Auge leicht in der Zukunft.

Im Oktober 2019 wurde Özcan Cosar mit dem Deutschen Comedypreises ausgezeichnet – als bester Newcomer.
Im Oktober 2019 wurde Özcan Cosar mit dem Deutschen Comedypreises ausgezeichnet – als bester Newcomer. | Bild: Henning Kaiser/dpa

Sie gehören zu den Unterzeichnern eines offenen Briefs an die Politik, in dem es um den Umgang mit der Kultur in Zeiten von Corona geht. Wie ist denn Ihre Situation?

Meine Tour wurde komplett abgesagt. Seit März habe ich nicht mehr gespielt. Klar, da waren drei, vier Open-Air-Auftritte im Sommer, aber die gesamte Veranstaltungsbranche zittert. Keiner weiß, wann sich die Situation verbessern wird. Man muss sich mal vorstellen, was es für ein Unternehmen bedeuten würde, wenn es so lange nichts produzieren darf. Genau das passiert gerade in unserer Branche! Ich habe ja immerhin noch einen Podcast und bin im Fernsehen. Aber die ganze Crew um mich herum, die den Erfolg ja auch erst möglich macht – die hat das nicht. Und die Kleinkunstbühnen, die ohnehin nur von öffentlichen Geldern und Spenden leben, die Branche stirbt und das betrifft Millionen von Menschen.

Sehen Sie denn einen Fortschritt darin, dass nun zumindest finanzielle Unterstützung zugesagt wurde?

Das wird sich zeigen. Man muss natürlich auch eins sagen: Das alles ist nicht einfach für eine Regierung. Man kann natürlich auf alle Politiker schimpfen, aber keiner von denen hat schon mal so eine Pandemie erlebt, keiner wusste, wie man reagiert, was man macht. Soll man sich um die Kranken kümmern? Um die Schulen? Um die Wirtschaft? Corona betrifft alle. Wir Künstler stehen natürlich in der Öffentlichkeit, haben viele Follower im Internet – wir können uns Gehör verschaffen. Aber viele andere haben auch Probleme, es ist überall schlimm, gerade in der Gastronomie. Aber die können natürlich nicht so einen Wind machen wie Schauspieler, Sänger oder Comedians. Ich hoffe, dass wir alle gemeinsam mit klarem Kopf durch diese Krise kommen. Und mit Maske!

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Sie sind ja gebürtiger Stuttgarter und leben jetzt in Karlsruhe. Vermissen Sie Stuttgart schon?

Ja, natürlich. Ich habe 39 Jahre dort gelebt. Stuttgart ist und bleibt meine Heimat. Heimat ist da, wo die Erinnerungen leben – und das ist bei mir Stuttgart. Meine ganzen Freunde leben dort, und ich bin auch immer wieder da. Aber ich sag‘s mal so: In Karlsruhe ist‘s billiger. (lacht)

Sie sind verheiratet, haben zwei Kinder, sind beruflich erfolgreich. Wenn man mal Corona außen vor lässt – sind Sie zufrieden mit Ihrem Leben?

Natürlich bin ich glücklich. Mein Leben ist wunderschön und ich habe Möglichkeiten, die andere leider nicht haben. Aber wissen Sie: Ich bin in einer Ein-Zimmer-Wohnung groß geworden, wir waren eine fünfköpfige Familie. Ich weiß, wo ich herkomme. Und ich weiß, dass Glück nichts mit Erfolg und mit Geld zu tun hat. Als ich ein Kind war, hatten wir nichts. Auf dem Boden lagen fünf verschiedene Teppich aus dem Sperrmüll, wir hatten keinen Fernseher, keine Markenklamotten, nichts. Aber wir waren eine glückliche Familie, weil meine Eltern uns das gegeben haben, was wir gebraucht haben: Liebe. Erfolg und Reichtum bedeutet für mich, Familie und Freunde zu haben – nicht Geld.