Frau Walser, können Sie verstehen, dass eine gesunde Frau ihren an Parkinson erkrankten Mann in den Freitod begleiten will – so wie bei dem Ehepaar im Film „Irgendwann ist auch mal gut“?

Ja, das kann ich schon verstehen. Einen geliebten Menschen verlieren zu müssen, ist schmerzhaft. Und es bringt einen natürlich mit der eigenen Sterblichkeit in Kontakt.

Marion und Theodor sind seit 52 Jahren zusammen. Sie sind mit Ihrem Mann und Kollegen Edgar Selge seit 35 Jahren verheiratet. Was ist das Geheimnis Ihrer langen und glücklichen Ehe?

Jeder braucht Freiraum, um sich entwickeln zu können. Gegenseitiger Respekt und Akzeptanz sind wichtig.

Was hat Sie an der Rolle der Marion in „Irgendwann ist auch mal gut“ gereizt?

Mich interessiert das Thema Loslassen. Loslassen bedeutet, sich für sich selbst zu entscheiden. Das tut Marion, indem sie sich von ihrem Sohn abnabelt, und das tut sie auch, wenn sie mit ihrem Mann gemeinsam in den Tod geht.

Könnten Sie sich für sich vorstellen, mit Ihrem Mann gemeinsam zu sterben?

Darüber will ich nicht allgemein spekulieren. Im Film gibt es eine konkrete Krankengeschichte, die zu dieser Entscheidung führt.

War es für Sie auch schwer, sich von Ihren beiden Kindern abzunabeln?

Leben ist Veränderung. Kinder verabschieden sich nun mal so nach und nach aus dem Leben ihrer Eltern. Das tut manchmal weh, doch diese Auseinandersetzung ist wichtig für beide Seiten.

Eine Szene aus „Irgendwann ist auch mal gut“: Marion (Franziska Walser, links) und Theodor (Michael Wittenborn) verabschieden sich im Krankenhaus von ihrem Sohn.
Eine Szene aus „Irgendwann ist auch mal gut“: Marion (Franziska Walser, links) und Theodor (Michael Wittenborn) verabschieden sich im Krankenhaus von ihrem Sohn. | Bild: Anne Bolick / ZDF

Wie stehen Sie zum Thema Tod?

Der Tod gehört zum Leben. Anthony Hopkins sagt: „Keiner kommt hier lebend raus.“ (lacht)

Wie meinen Sie das konkret?

Konkreter geht‘s eigentlich nicht, ich kann mir ein Leben ohne Tod nicht vorstellen.

Ihr Vater, der berühmte Schriftsteller Martin Walser, ist mittlerweile 93 Jahre alt.

Ja, und meine Mutter ist 91 Jahre alt. Meinen Eltern geht es gut. Es ist ein Geschenk, dass sie noch da sind!

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Sind Sie ein gläubiger Mensch?

Vielleicht bin ich ein gläubiger Mensch, jedoch nicht im konfessionellen Sinn. Ich glaube an eine positive Kraft, etwas, das größer ist als wir und uns durchs Leben trägt.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Ich glaube erst mal an ein Leben vor dem Tod. Und: „Irgendwann ist auch mal gut.“

In Ihrer Rolle pflegen Sie Ihren an Parkinson erkrankten Ehemann. Könnten Sie sich vorstellen, selbst Angehörige zu pflegen?

Ja, ich kann mir durchaus vorstellen, einen Angehörigen zu pflegen. Das ist sicher eine ganz besondere Annäherung an einen Menschen. Und natürlich wird man mit der eigenen Endlichkeit konfrontiert.

Wie würden Sie sich wünschen, aus dem Leben zu gehen?

Ich wünsche mir, dass das Leben dafür die beste Möglichkeit finden möge, und dass ich mich dem dann anvertrauen kann.

Was macht Sie glücklich?

Wenn ich mich ausdrücken kann.

Sie haben gute Gene, Ihre Eltern sind beide über 90 – was können Sie von Ihnen lernen über das Alter?

Meine Mutter ist erstaunlich fit und kocht und backt immer noch für einen Drei-Personen-Haushalt. Das geht natürlich nur durch die Hilfe meiner Schwester Johanna. Sie lebt seit 30 Jahren mit meinen Eltern, erledigt die Einkäufe und ist die rechte Hand von meinem Vater, der immer noch schreibt.

Wie geht es bei Ihnen in Zeiten von Corona weiter?

Wir hoffen, dass bald wieder Theater gespielt und gedreht werden kann. Und ich freue mich auf die Ausstrahlung unseres Films „Irgendwann ist auch mal gut“, das ist gute Unterhaltung – in diesen Zeiten wichtiger denn je!