Lieber Dieter Bohlen,

Ihre Gelassenheit ist bewundernswert. Da will ihr langjähriger Arbeitgeber Sie nach 18 Staffeln der Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) plötzlich nicht mehr an Bord haben – und was machen Sie? Statt mal so richtig auf die Kacke zu hauen (Das sind Ihre Worte!), sagen Sie erstmal gar nichts. Und als Sie sich dann doch durchringen und sich zu dieser überraschenden Personalentscheidung äußern, da zeigen Sie ein Verständnis, das sich so mancher mäßig talentierte Kandidat Ihrer Sendung bestimmt sehr gewünscht hätte.

Eigentlich sind Sie bekannt dafür, dass Sie sagen, was Sie denken. Sie haben den Gesang der Nachwuchs-Sängerinnen und -Sänger bei DSDS mit einer Fischvergiftung oder einem Raucherbein verglichen, haben einem Gurkensalat mehr musikalisches Talent attestiert als den Bewerbern oder das Aussehen eben jener als Katastrophe bezeichnet.

Dieter Bohlen wurde in den 80ern als Mitglied des Pop-Duos Modern Talking bekannt. Später hat er sich als Produzent einen Namen gemacht und zuletzt als Castingshow-Juror. Das Vermögen des 67-Jährigen soll in dreistelliger Millionenhöhe liegen.
Dieter Bohlen wurde in den 80ern als Mitglied des Pop-Duos Modern Talking bekannt. Später hat er sich als Produzent einen Namen gemacht und zuletzt als Castingshow-Juror. Das Vermögen des 67-Jährigen soll in dreistelliger Millionenhöhe liegen. | Bild: Henning Kaiser/dpa

So etwas macht man nicht, das wissen Sie. Aber auch, wenn Sie mit der Wortwahl nicht immer richtig lagen, so war die Kritik meistens durchaus berechtigt. Und ehrlicherweise muss man wohl auch sagen: Ihre sehr direkte Sprache hatte sicher einen Anteil an den über die Jahre zwar sinkenden, aber eben nie ganz schlechten Einschaltquoten. Unterhaltung hat eben viele Gesichter … Oder besser gesagt: hatte. Denn RTL will jetzt, scheint‘s, mit Familienfreundlichkeit punkten. Das sollte Sie freuen, denn Ihre beiden jüngsten Kinder sind noch keine zehn Jahre alt.

Aber auch wenn Sie vielleicht zu Hause im Beisein der eigenen Kinder auf Ihre Wortwahl achten – im Fernsehen wollen Sie das nicht. In einem Instagram-Video haben Sie ja gerade deutlich zu verstehen gegeben, dass Sie an Ihrem Image hängen. In Ihren Worten: „Ich bin so, wie ich bin, und da kann ich mich auch nicht ändern.“ Ein „Revoluzzer“ wie Sie habe bei DSDS eben nichts mehr zu suchen. Punkt.

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Dass Sie sich nicht anbiedern wollen, ist im Grundsatz ein guter Charakterzug. Und unserer weichgespülten Fernseh-Welt helfen einzigartige Persönlichkeiten wie Sie mehr, als dass sie ihr schaden. Man muss Sie nicht mal mögen, um das so zu sehen. Was ich allerdings wirklich schade finde, ist, dass Ihnen das alles so egal zu sein scheint. Ist Ihnen nach fast 20 Jahren etwa die Leidenschaft für den Posten des Chef-Jurors abhanden gekommen? So etwas soll vorkommen. Und es ist ja auch verständlich nach all der Zeit.

Geld haben sie genug

Geld haben Sie ohnehin genug, langweilig ist Ihnen vermutlich auch ohne TV-Job selten, und rein theoretisch könnten Sie mit 67 ja längst in Rente sein. Warum haben Sie sich nicht wenigstens einen richtigen Abschied gegönnt? Stattdessen lassen Sie sich krankschreiben … Dabei wäre RTL Ihnen echt was schuldig gewesen. DSDS mag kein Straßenfeger mehr sein, aber immer noch ein wichtiger Eckpfeiler im Programm – einer, der ohne Sie nicht funktioniert. DSDS ohne Dieter Bohlen, das ist wie Ostern ohne Schokoladenhasen.

Und nun? Ich habe gehört, Sie planen Großes. Ich wünsche Ihnen dafür alles Gute – und bin gespannt.