Herr Sigl, Ihre Serie „Der Bergdoktor“ geht in eine neue Runde. Was erwarten Sie von 2022?

Auf jeden Fall, dass wir bei der Covid-Bekämpfung weitere Fortschritte machen und alles in allem wieder in eine entspanntere und empathischere Situation hineinkommen. Es wäre einfach schön, wenn sich alles wieder etwas beruhigt. Ich kann mir zwar vorstellen, dass da noch einige Dinge auf uns zukommen werden, von denen wir jetzt noch keine Ahnung haben, aber wir haben ja jetzt schon ein probates Mittel gegen Covid, und das ist natürlich das Impfen.

Was würde der von Ihnen gespielte Bergdoktor Martin Gruber zur Pandemie sagen?

Ich denke, er würde seinen Patienten eine ganz klare Impfempfehlung aussprechen und ihnen klarmachen, dass das momentan der einzige Weg aus der Krise ist. Und nicht nur das, er würde wahrscheinlich zu jedem seiner Patienten mit der Spritze im Gepäck nach Hause fahren. So wie ich ihn kennengelernt habe, würde er das mit Sicherheit machen. (lacht)

Warum spielt Corona in der Serie keine Rolle?

Das hat einfach damit zu tun, dass wir bei den Dreharbeiten zur neuen Staffel im abgelaufenen Jahr noch gar nicht wussten, wie sich das mit der Pandemie entwickeln würde. Wir hatten also keine Ahnung, wie die Situation bei der Ausstrahlung der neuen Folgen sein würde, und deshalb haben wir auf das Thema ganz verzichtet. Dazu kommt, dass wir Unterhaltung produzieren und für Entspannung beim Zuschauer sorgen möchten, und da passt Covid einfach nicht rein.

Sind zu den Dreharbeiten trotz Corona wieder so viele Fans zum Wilden Kaiser gepilgert wie sonst auch?

Es kamen wieder viele Fans zur Praxis von Martin Gruber, aber das Ganze ging wegen Covid natürlich etwas distanzierter vonstatten. An einem schönen Tag kommen da ja manchmal mehrere hundert Leute. Es gab verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, und es war ganz erstaunlich, wie schnell wir Schauspieler und alle anderen Beteiligten uns daran gewöhnt haben, dass wir jeden Tag von einem Menschen im weißen Kittel auf Corona getestet wurden.

Stören die vielen Fans manchmal den Ablauf der Dreharbeiten?

Manchmal schon, und es ist oft auch ein Sicherheitsrisiko, weil viele Fans auf der Straße stehen, wo ja der ganz normale Verkehr weiterläuft, da fahren LKW und Traktoren vorbei, da muss man schon aufpassen. Das fordert uns logistisch ganz schön. Die meisten Fans sind aber diszipliniert und verhalten sich ruhig, wenn gedreht wird.

Martin (Hans Sigl, links) und sein Bruder Hans Gruber (Heiko Ruprecht, rechts) freuen sich im Winterspecial auf ein idyllisches ...
Martin (Hans Sigl, links) und sein Bruder Hans Gruber (Heiko Ruprecht, rechts) freuen sich im Winterspecial auf ein idyllisches Wochenende in den Bergen. | Bild: Barbara Bauriedl/ZDF

Sie spielen den Vorzeige-Arzt Martin Gruber schon seit Langem. Hat in all den Jahren etwas von ihm auf Sie abgefärbt?

Nein. Für mich ist die Schauspielerei ein Beruf, bei dem ich strikt zwischen Profession und Privatleben trenne. Ich bin froh, dass man mir bei der Gestaltung der Rolle weitgehend freie Hand gelassen hat, und ich glaube, ich habe dem Kollegen Gruber eine gute Portion Pragmatismus und Empathie mitgeben können. Dass er auf mich abgefärbt hat, sehe ich allerdings nicht. Ich spiele die Rolle, und wenn der Drehtag zu Ende ist, bleibt sie auch im Garderobenwagen. Ich nehme den Gruber nicht mit nach Hause.

Wenn das rote Licht der Kamera angeht, knipsen Sie ihn an, und wenn es ausgeht, wieder aus – so einfach?

Genau, so einfach. Wenn man so lange Schauspieler ist wie ich, fällt einem das auch immer leichter. Das ist eine gewisse Routine, die man sich im Lauf der Jahre angeeignet hat. Ich erachte das für ein großes Glück und mag das sehr gerne.

Martin Gruber bewahrt in jeder Situation einen kühlen Kopf. Sind Sie auch so ein cooler Typ?

Das weiß ich gar nicht, aber sagen wir mal so: Je stressiger ein Tag wird, desto ruhiger werde ich. Das hat vielleicht was mit Berufserfahrung zu tun, ich habe gelernt, dass kopfloser Aktionismus nie zu einer guten Lösung führt. Je mehr Anspannung herrscht, desto cooler versuche ich zu sein.

Der „Bergdoktor“ und die Frauen: Franziska Hochstetter (Simone Hanselmann) erwartet ein Kind von Martin Gruber (Hans Sigl).
Der „Bergdoktor“ und die Frauen: Franziska Hochstetter (Simone Hanselmann) erwartet ein Kind von Martin Gruber (Hans Sigl). | Bild: Erika Hauri/ZDF

Geht man als Schauspieler eine Shakespeare-Rolle anders an als den Bergdoktor?

Ja, das tut man schon. Ich habe früher am Theater ja auch Shakespeare gespielt, da geht es um Abgründe, und das macht natürlich was mit einem, da geht man ganz anders rein. Es ist schon in der Vorbereitung ein ganz anderer, schweißtreibender Prozess, sich eine solche Rolle anzueignen. Das ist beim Fernsehen und speziell beim „Bergdoktor“ natürlich was ganz anderes: Man muss ebenfalls top vorbereitet sein, aber beim Drehen geht es vor allem um Handwerk, das schnell abgerufen werden muss, wir haben für jede Szene ja nur relativ wenig Zeit. Man muss seinen Instrumentenkasten kennen und damit umgehen können, um einen beliebten Begriff aus der Covid-Krise zu zitieren.

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Hatten Sie als junger Schauspieler Vorbilder?

Am Tiroler Landestheater in Innsbruck damals waren es vor allem ältere Kollegen, bei denen ich mir abgeguckt habe, wie man es macht, aber auch, wie man es nicht macht. Bei den Guten habe ich Disziplin und Präzision gelernt und bei den weniger Guten, dass eine Rolle niemals ein Ersatz für Psychotherapie sein kann.

Aber jeder junge Schauspieler hat doch auch ein paar berühmte Namen im Kopf, oder?

Das waren bei mir vielleicht Leute wie Robert de Niro, Dustin Hoffman oder John Malkovich – das sind heute noch Kollegen, denen ich wahnsinnig gerne zugucke. Bei denen stimmt jeder Satz und jeder Blick, das ist einfach eine große Wahrhaftigkeit, die da transportiert wird. Ein Vorbild im eigentlichen Sinne hatte ich allerdings noch nie.

Beim „Bergdoktor“ spielen österreichische und deutsche Schauspieler mit. Gibt‘s einen Unterschied?

Ich glaube schon: Der Österreicher ist in der Regel ein Schauspieler, der aus dem Bauch heraus spielt, und der deutsche Kollege kommt mehr vom Kopf her. Der Österreicher probiert gerne mal spontan was aus, und der Deutsche bespricht vor jeder Szene den Ablauf erst mal ganz genau. Ich nenne die deutschen Freunde und Freundinnen gerne die „würdevollen Kollegen“, weil sie in der Vorbesprechung immer sagen „Dann würde ich da hingehen und dann würde ich das machen“ und so weiter. Das ist immer wieder lustig. (lacht)