Deutschlands Krimi-Landschaft wird weiblicher: Im Tatort und beim „Polizeiruf 110“ sind Frauen weiter auf dem Vormarsch. Waren Kommissarinnen früher die Ausnahme, sind mittlerweile auch rein weibliche Teams und Solo-Ermittlerinnen alles andere als eine Seltenheit. Demnächst kommen noch zwei weitere reine Frauen-Teams dazu: In Bremen und in der Schweiz, wo bislang gemischte Doppel im Einsatz waren, nehmen bald Frauen-Duos die Ermittlungen auf.

In Göttingen arbeitet die von Maria Furtwängler gespielte Kommissarin Charlotte Lindholm seit 2019 mit Kollegin Anaïs Schmitz (Florence Kasumba) zusammen, in Ludwigshafen lösen die altgediente Ulrike Folkerts und ihre junge Kollegin Lisa Bitter als Lena Odenthal und Johanna Stern Fälle, und in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden tun das Karin Hanczewski (Karin Gorniak) und Cornelia Gröschel (Leonie Winkler).

Die Kommissarinnen von Göttingen: Florence Kasumba (links) spielt im Tatort Anaïs Schmitz, Maria Furtwängler Charlotte Lindholm.
Die Kommissarinnen von Göttingen: Florence Kasumba (links) spielt im Tatort Anaïs Schmitz, Maria Furtwängler Charlotte Lindholm. | Bild: Swen Pförtner / dpa
Das Ermittler-Team in Ludwigshafen: Johanna Stern (Lisa Bitter, links) und Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) im Film „Vom Himmel hoch“ von 2018.
Das Ermittler-Team in Ludwigshafen: Johanna Stern (Lisa Bitter, links) und Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) im Film „Vom Himmel hoch“ von 2018. | Bild: Sabine Hackenberg / SWR / ARD / dpa
Das Duo aus Dresden: Cornelia Gröschel (links, als Leonie Winkler) und Karin Hanczewski (als Karin Gorniak).
Das Duo aus Dresden: Cornelia Gröschel (links, als Leonie Winkler) und Karin Hanczewski (als Karin Gorniak). | Bild: Daniel Reinhardt / dpa

Im „Polizeiruf 110“ schlagen sich mit Claudia Michelsen als Doreen Brasch in Magdeburg und Verena Altenberger als Elisabeth Eyckhoff in München seit Kurzem sogar zwei Solo-Ermittlerinnen ganz ausgezeichnet.

Allein in Magdeburg: Claudia Michelsen spielt im „Polizeiruf 110“ die Ermittlerin Doreen Brasch.
Allein in Magdeburg: Claudia Michelsen spielt im „Polizeiruf 110“ die Ermittlerin Doreen Brasch. | Bild: Christophe Gateau / dpa
Allein in München: Verena Altenberger spielt im „Polizeiruf 110“ Elisabeth Eyckhoff.
Allein in München: Verena Altenberger spielt im „Polizeiruf 110“ Elisabeth Eyckhoff. | Bild: Tobias Hase / dpa

Schon etwas ältere weiße Männer sind im Tatort zwar kein Auslaufmodell, wie nicht zuletzt die Beliebtheit der Herren-Duos in Münster (Jan Josef Liefers und Axel Prahl), Köln (Klaus Behrendt und Dietmar Bär) oder München (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) zeigt, die schon viele Dienstjahre auf dem Buckel und zahlreiche Fans vor dem Bildschirm haben.

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Zudem ging im vergangenen Jahr mit den jungen Schauspielern Vladimir Burlakov und Daniel Sträßer in Saarbrücken ein neues Männer-Team an den Start. Doch der Trend geht eindeutig zur Gleichberechtigung – von Kiel bis zum Schwarzwald, von Dortmund bis Berlin und von Frankfurt bis Wien sind vielerorts auch gemischte Teams im Einsatz.

Eins der gemischten Teams: Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner ermitteln als Franziska Tobler und Friedemann Berg im Schwarzwald.
Eins der gemischten Teams: Eva Löbau und Hans-Jochen Wagner ermitteln als Franziska Tobler und Friedemann Berg im Schwarzwald. | Bild: Sebastian Gollnow / dpa

Der Sonntags-Krimi ist ohne weibliche Kommissare nicht mehr vorstellbar, doch das war nicht immer so: Im 1970 gestarteten Tatort war Emanzipation anfangs noch ein Fremdwort. Frauen tauchten allenfalls als Sekretärinnen auf, Publikumslieblinge wie Gustl Bayrhammer und Hansjörg Felmy hatten als Kommissare die Hosen an.

Während im „Polizeiruf 110“ der DDR schon seit 1971 Sigrid Göhler als Leutnant Vera Arndt ermittelte, mussten im Tatort noch acht Jahre vergehen, bis Nicole Heesters in der 84. Folge als erste Frau einen Mörder jagte.

Sigrid Göhler spielte von 1971 bis 1983 Polizeileutnant Vera Arndt in der Krimi-Reihe „Polizeiruf 110“.
Sigrid Göhler spielte von 1971 bis 1983 Polizeileutnant Vera Arndt in der Krimi-Reihe „Polizeiruf 110“. | Bild: Thomas Schulze / dpa

Die Mainzer Kommissarin Marianne Buchmüller war ein forscher Typ, Telefonate beendete sie meistens, indem sie grußlos auflegte. Eine kämpferische Emanze war sie jedoch nicht: Die Fahnderin war stets feminin gestylt, setzte sich gerne eine flotte weiße Baskenmütze aufs rote Haar, trug Kleider und Röcke. Beim Friseurbesuch sinnierte sie unter der Trockenhaube über ihre Fälle, und ihre Wohnung war mit Porzellanpüppchen dekoriert.

Das Debüt von Heesters im Jahr 1978 war mit einen rekordverdächtigen Marktanteil von 66 Prozent ein durchschlagender Erfolg. Doch bei ihren weiteren Einsätzen sanken die Quoten – die Krimis sind bis heute als unterirdisch langweilig verschrien. Dass Heesters die Brocken nach drei Folgen hinwarf, lag jedoch nicht an schlechten Drehbüchern.

Eine Szene aus dem Tatort „Der gelbe Unterrock“ von 1980: Nicole Heesters (Zweite von links) war darin als Kommissarin Marianne Buchmüller zu sehen. Der Film sorgte für heftige Kritik bei den Zuschauern, auch wegen eines Triebtäters im Karneval.
Eine Szene aus dem Tatort „Der gelbe Unterrock“ von 1980: Nicole Heesters (Zweite von links) war darin als Kommissarin Marianne Buchmüller zu sehen. Der Film sorgte für heftige Kritik bei den Zuschauern, auch wegen eines Triebtäters im Karneval. | Bild: Wolfgang Pankoke / SWR

Sie mochte es einfach nicht, dass die Zuschauer sie, die ausgebildete Theaterschauspielerin, in die Schublade „Tatort-Kommissarin“ steckten. „Schon nach der ersten Folge haben mich die Leute mit Frau Buchmüller angesprochen. Da dachte ich, das muss ja nicht sein“, erinnerte sich Heesters später.

1981 folgte im Tatort die zweite Kommissarin – Karin Anselm ermittelte als Hanne Wiegand bis 1988 in Baden-Baden. 1989 schrieb dann Ulrike Folkerts, die in der Folge „Die Neue“ ihr Debüt gab, Fernsehgeschichte: Mit der burschikosen Ermittlerin mit Lederjacke und Kurzhaarfrisur hielt endgültig ein neues Frauenbild Einzug in der Krimi-Reihe.

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Nach Folkerts, die nach wie vor aktiv ist, gab es einen Boom an Ermittlerinnen, und heutzutage herrscht beim Tatort und im „Polizeiruf 110“ weitgehend Gleichberechtigung – alles klar, Frau Kommissar!