Als Claus Kleber im Januar 1985 die Leitung des Konstanzer Südwestfunkstudios übernahm, ahnte er wohl bereits, dass der Aufenthalt nicht von Dauer sein würde: Bereits im Jahr darauf wechselte er für die nächsten 15 Jahre als ARD-Korrespondent nach Amerika. Immerhin hat er am Bodensee die Liebe seines Lebens gefunden.

Regelmäßig zum Segeln und für die Kur am See

Die Rede ist allerdings nicht von seiner Frau, die hatte er bereits drei Jahre zuvor geheiratet; verliebt hat er sich vielmehr in die Region. „Die beste Küche, die besten Weine, eine traumhaft schöne Landschaft: Das ist die paradiesische Ecke unseres Landes“, schwärmte er vor einigen Jahren im Gespräch mit dem SÜDKURIER. Kein Wunder, dass er regelmäßig zurückkehrt: im Sommer zum Segeln, im Winter zur Kur auf die Mettnau.

Demnächst kann Kleber, mittlerweile 66, womöglich mehr Zeit in diesem Paradies verbringen, als ihm lieb ist: Heute Abend gegen 22.15 Uhr wird er nach knapp 18 Jahren und rund 3000 Sendungen Abschied vom „heute journal“ nehmen. Mit ihm verliert das ZDF eines seiner prägendsten Gesichter und das Fernsehen einen seiner prominentesten Journalisten. Seine gern belehrende Art war allerdings nicht bei allen beliebt, zumal er mitunter übers Ziel hinausgeschossen ist. Ein paar Mal musste er sich im Nachhinein für eine unangemessene Wortwahl entschuldigen.

2009 gab es den Grimme-Preis

Aber Persönlichkeiten mit seinem Charisma hat das Fernsehen kaum noch zu bieten. Außerdem waren es nicht zuletzt seine Haltung und seine Verdienste um den Journalismus, die ihm viele wichtige Preise eingebracht haben. 2009 erhielt er im Rahmen des Grimme-Preises eine besondere Ehrung, im Jahr darauf wurde ihm der Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus überreicht. Gemeinsam mit seiner Kollegin Angela Anderson, mit der er schon seit ARD-Zeiten zusammenarbeitet, hat er zudem mehrere Dokumentationen gedreht („Allmacht Amerika“, „Die Bombe“), die ebenfalls vielfach ausgezeichnet worden sind.

In Reutlingen zur Welt gekommen

Der in Wiesbaden lebende Vater von zwei Töchtern ist zwar in Reutlingen zur Welt gekommen, aber in Bensberg bei Köln aufgewachsen. Als Sohn eines Raumfahrtingenieurs wollte er Astronaut oder Pilot werden. Beides kam für ihn als Brillenträger jedoch nicht infrage. Also studierte er Jura in Tübingen, wo er schließlich auch promovierte; da war er bereits Mitarbeiter des damaligen Südwestfunks.

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2007 hätte er Chefredakteur des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ werden können. Er entschied sich jedoch, beim ZDF zu bleiben, löste aber seinen Redakteursvertrag auf und moderierte das „heute journal“ fortan als freier Mitarbeiter mit wesentlich besseren Bezügen; die Rede war damals von 480 000 Euro pro Jahr. Dem ZDF und damit auch dem TV-Publikum wird Kleber auch nach seinem Abschied erhalten bleiben: Weitere Dokumentationen sind verabredet; die erste, ein Film über die Herausforderungen des digitalen Zeitalters, ist bereits in Arbeit.