Diana zur Löwen lebt das perfekte Instagram-Leben. Fast 2700 Beiträge hat sie auf der Foto- und Videoplattform bereits veröffentlicht – immer top gestylt, immer lächelnd. Zu schön, um wahr zu sein? Für Verfechter von authentischen – sprich: unperfekten – Fotos ist ihr Profil also nicht das Richtige. Aber auch sie müssen wissen, dass die 23-Jährige die tollen Bilder nicht mal eben aus der Hüfte schießt. Das eigene Leben so wunderbar aussehen zu lassen, ist in der Tat harte Arbeit. Anständig fotografieren, filmen und das Material schneiden, das muss man erst einmal lernen.

Nach eigenen Angaben steht Diana zur Löwen jeden Tag um halb sieben Uhr morgens auf und arbeitet dann zehn Stunden an Fotos, Videos und Texten. Natürlich nicht umsonst – sie kooperiert mit großen Marken, bekommt Klamotten und Kosmetik zugesandt. Aber: „Mode und Beauty allein füllen mich nicht aus“, sagt sie. Ihre Themen sind neuerdings auch Politik, Nachhaltigkeit und weibliches Selbstbewusstsein. „Ich möchte meine Zuschauerinnen ermutigen, sich mehr zuzutrauen.“

Das kann jemand, der auf Instagram 653.000 und auf YouTube 633.000 Fans hat, natürlich leicht sagen. Aber die junge Influencerin hat einiges mehr drauf, als für ihre Fans – die meisten sind 18 bis 24 Jahre alt – Tipps gegen Pickel ins Netz zu stellen. Die BWL-Studentin mit eigenem Management hat eine Beratungsagentur gegründet und durfte 2017 Jean-Claude Juncker interviewen, den Präsidenten der EU-Kommission.

Schon als Abiturientin hatte Diana zur Löwen auf YouTube 100.000 Abonnenten, während des Studiums in Köln wurden es dann immer mehr. Schon während ihrer Kindheit in einem 350-Seelen-Dorf in Hessen träumte sie von der großen weiten Welt. Als sie 13 Jahre alt war, war ihre Lieblings-Bloggerin Tavi gerade mal ein Jahr älter und lebte genau das Leben, das sie sich auch wünschte. „Ich konnte mir als Teenie nichts Tolleres vorstellen als Tavis Leben“, erinnert sie sich. Klar: Wer würde nicht gern zur New York Fashion Week eingeladen werden?

Heute darf Diana zur Löwen zur Berliner Fashion Week. „Jetzt möchte ich da gar nicht mehr hingehen“, sagt sie. „Für mich ist es wichtiger, guten Content zu erstellen, als in der ersten Reihe einer Modenschau zu sitzen. Warum soll ich Fashion-Teile mit meinen Followern teilen, die sich die meisten nicht leisten können?“

Diana zur Löwen, die aktuell in New York ist, weiß, dass im Netz oft nur an der Oberfläche gekratzt wird, dass es bei vielen ihrer Influencer-Kollegen am Ende nur ums Verkaufen geht. Sie selbst sei anders, sagt sie – auch wenn sie mit ihren Aktivitäten natürlich Geld verdient. „Ich nehme die Leute in meinen Alltag mit. Ich zeige alles, was mich interessiert.“ Das soll auch so bleiben.

„Ich kann es mir nicht vorstellen, keinen Content mehr im Internet zu teilen.“ Sie habe sich schon zu sehr daran gewöhnt. Dazu kommt auch: Instagram ist für sie mittlerweile wie ein Tagebuch. Sie schaue selbst gern mal, „was ich vor ein paar Monaten alles erlebt habe oder wo ich noch vor zwei Wochen unterwegs war“. Nur eins gehört für sie nicht ins Netz: „Mein Liebesleben behalte ich für mich.“