Frau Meyer-Landrut, im April erscheint nach mehreren Jahren Ihr erstes neues Album. Was können Sie schon über Ihr musikalisches Comeback sagen?

Die erste Single „Thank You“ ist ja schon draußen, das Album wird „Only Love, L“ heißen. Das ist meine Signatur, die ich unter jeden Text setze, weil ich es schön finde, alles, was ich schreibe, auch wenn es vielleicht mal unangenehm ist, mit Liebe zu beenden und keine schlechte Energie stehen zu lassen. Das Album dreht sich um Liebe, ob es nun platonische Liebe ist, die Liebe zu sich selber oder auch eine romantische Liebe. Da gibt es ja viele Facetten. Das Album ist auf vielen Ebenen selbstreflektiert, vielleicht auch selbstironisch. Ein schönes Popalbum, wie ich finde.

2018 wurden die Veröffentlichung des Albums und die dazugehörige Tournee verschoben. Es war zu lesen, dass Sie in einer Krise stecken. War das so?

Man kann es schon als Krise bezeichnen, auch wenn ich das Wort irgendwann nicht mehr hören konnte. Jeder kennt doch Momente, in denen er nicht so happy ist wie zu anderen Zeiten, und ich hatte einige davon. Es kommt aufs richtige Krisenmanagement an, darauf, wie man damit umgeht. Ob man daran verzweifelt, oder ob man die Krise für sich nutzen kann und sagt: Ich ziehe meine Schlüsse und mache etwas Positives für mich daraus.

Und das haben Sie geschafft?

Ich habe gelernt, alles mit mehr Gelassenheit anzugehen. Die Dinge nicht mehr zu wichtig und vor allem nicht mehr zu persönlich zu nehmen, mich weniger abhängig von der Meinung anderer zu machen. Den Weg zu mir selber, zu meiner eigenen Mitte zu finden. Es geht um Unabhängigkeit. Darum, ehrlich zu sich zu sein.

Vor einer Weile haben Sieauf Instagram beleidigende Kommentare öffentlich gemacht, die Sie bekommen haben. Wie nahe gehen Ihnen solche Zuschriften?

Ich kann natürlich nicht behaupten, dass ich völlig über diesen Dingen stehen würde. Wenn mir solche Sachen gesagt werden, dann berührt mich das auch. Aber ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich führe mir immer vor Augen, dass ich nicht persönlich gemeint bin, sondern dass ich eine Projektionsfläche für viele bin. Gerade die heftigen negativen Kommentare entstehen oft aus den Unsicherheiten oder Ängsten dieser Leute. Wenn jemand einen beleidigt, sei es nun im Internet oder in der Schule, muss man sich vor Augen führen, dass es demjenigen vielleicht selber gerade schlecht geht. Dann ist es nicht mehr so schwer, damit umzugehen.

Wollen Sie jungen Leuten in ähnlichen Situationen damit Mut machen?

Auf jeden Fall. Als Influencerin kann ich viele Leute mit meiner Meinung und mit meinen Worten beeinflussen. Ich bemühe mich, jeden Tag ein Foto und mehrere Storys zu veröffentlichen. Ich habe dieses Sprachrohr und finde es schön, die Leute daran teilhaben zu lassen, was mich beschäftigt.

Lesen Sie alle Kommentare auf Ihren Social-Media-Accounts?

Vieles, aber nicht 100 Prozent, das würde zu viel Zeit kosten und dann ja womöglich doch auf meine Laune abfärben. Bei Facebook lese ich gar nichts, da ist mir die Kultur zu rau, nicht wirklich nett. Facebook hat einen unangenehmen Beigeschmack, da wollen viele Leute nur schlechte Laune ablassen.

Ihre steile Karriere begann mit Ihrem Sieg beim „Eurovision Song Contest“ 2010. Denken Sie gerne daran zurück?

Ja, es war eine tolle Zeit, und ist eine wunderschöne Erinnerung. Das war der Start von allem und ist der Grund, warum ich heute da bin, wo ich bin.

2011 hat Lena Meyer-Landrut (links) versucht, ihren Titel beim Eurovision Song Contest zu verteidigen – es hat nicht ganz gereicht.
2011 hat Lena Meyer-Landrut (links) versucht, ihren Titel beim Eurovision Song Contest zu verteidigen – es hat nicht ganz gereicht. | Bild: Rolf Vennenbernd

Würden Sie heute irgendetwas anders machen als damals?

Das kann ich gar nicht so richtig beantworten. Solche Gedanken bringen mir ja auch nichts. Ich bin happy und glücklich mit dem, was passiert ist, mit den Hochs und den Tiefs – alles, was im Leben passiert, hat seine Bedeutung.

Nun coachen Sie als Jurorin der Castingshow „The Voice Kids“ selber junge Talente. Was ist Ihr wichtigster Rat?

Sie sollen versuchen, so authentisch wie möglich zu sein und ein Bewusstsein für sich selber zu entwickeln. Was wollen die Eltern von mir? Was will Instagram von mir? Was will die Gesellschaft von mir? Davon darf man sich nicht abhängig machen. Jeder muss schauen, was er selber möchte und wer er selber ist, womit er sich selber wohlfühlt. Und damit dann durchstarten und seinen eigenen perfekten Weg gehen.

Sascha Vollmer (von links), Alec Völkel, Stefanie Kloß, Lena Meyer-Landrut und Mark Forster sind die Jury der Castingshow "The Voice Kids".
Sascha Vollmer (von links), Alec Völkel, Stefanie Kloß, Lena Meyer-Landrut und Mark Forster sind die Jury der Castingshow "The Voice Kids". | Bild: Gregor Fischer / dpa

Das ist für die jungen Teilnehmer bestimmt nicht so leicht …

Das ist generell nicht leicht, weder für Kinder noch für Erwachsene. Es ist super schwierig, sich von der Abhängigkeit davon zu befreien, was andere sagen – die Arbeitskollegen, die Dorfgemeinschaft, Facebook. Ich möchte nicht behaupten, dass es mir perfekt gelingt. Aber ich versuche, es vorzuleben.

Wollen Sie den Kandidaten zeigen, wie man lebt, wenn man eine Person des öffentlichen Interesses ist?

Da könnte ich sicher einiges weitergeben bei Bedarf. Aber bei „The Voice Kids“ geht es ja nicht darum, so berühmt wie nur möglich zu werden, sondern eine gute Zeit zu haben. Ich will die Kids unterstützen, das zu machen, was sie lieben. Das ist doch viel schöner, als ihnen beizubringen, was es heißt, eine Person des öffentlichen Interesses zu sein, denn das ist ja nicht das Ziel.

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