„Comedian Harmonists“, „Das Wunder von Lengede“, „Der Untergang“, „Der Baader Meinhof Komplex“, „München ‚72“, „Das Adlon“ – Heino Ferch hat schon so ziemlich alles gespielt, was die deutsche Vergangenheit hergibt; im Kinderfilm „Conni & Co.“ gab er den fiesen Schuldirektor.

Kurzum: Als Schauspieler ist dem 55-Jährigen eigentlich nichts fremd. Auch nicht der Dandy-Detektiv Allmen aus den Romanen von Martin Suter. „Ich liebe diese Rolle“, sagt Ferch über den „aus der Zeit gefallenen Gesellen“. Und ergänzt: „Ich genieße es, dass ich in der Rolle diese wilde Haartolle habe und maßgeschneiderte Garderobe tragen darf.“

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Seine Wandelbarkeit ist es, die Ferchs Erfolg ausmacht – auf den ersten Blick ist er als Lebemann Allmen kaum zu erkennen. „Ich verfüge als Allmen über 30, 40 Anzüge mit den dazugehörigen Mänteln und Accessoires, da werden zum Teil Stoffe aus Italien und England verarbeitet.“

Das sei nicht billig – und sorgt auch dafür, dass Ferch seine Figur halten muss. „Daran arbeite ich jeden Tag“, lacht er. Was kein Problem sein dürfte: Ferch war in seiner Jugend Kunstturner, heute spielt er Polo.

Salz im Champagnerglas?

Allmen, der Hochstapler und Pleitier, genießt das Leben in Zürich in vollen Zügen, auch wenn er es sich eigentlich nicht mehr leisten kann. Und: Er leert er nicht wenige Champagnergläser. Alkoholfreier Sekt, wie Drasteller Ferch sagt. „Das Prickeln in den Gläsern wird mit einer Prise Salz hergestellt, die hineingetan wird, damit das schön perlt wie der beste Champagner.“

Allmen (Heino Ferch) lässt es sich bei seinen Ermittlungen gut gehen.
Allmen (Heino Ferch) lässt es sich bei seinen Ermittlungen gut gehen. | Bild: ARD Degeto / Julie Vrábelová

Der Rotwein sei Johannisbeer-Schorle, der Weißwein Apfelsaft. Allmen lebt ein Luxusleben – Ferch braucht das nicht. Er esse schon auch gern mal Kaviar und trage zu entsprechenden Anlässen auch mal Anzug. Aber er sei eher „ein klassischer Jeans-und-T-Shirt-Typ“. Was ihn mit Allmen verbindet, sei die Kunst. „Ich kaufe manchmal auch Kunst, und das hängt bei mir daheim an der Wand.“

Autor Martin Suter, verrät Ferch, habe ihm geschrieben, „dass er jetzt mich im Kopf hat, wenn er die Figur schreibt“. Was für ein Kompliment! „Wir haben uns frühere Dandys angeguckt wie Cary Grant oder Gary Cooper, sind aber vor allem auch bei Bryan Ferry hängengeblieben.“

Einer von Heino Ferchs bekanntesten Filmen: die Schauspieler Benjamin Sadler (von links), Jan Josef Liefers, Heino Ferch, Jürgen Schornagel und Victor von Bülow während der Dreharbeiten zum Film „Das Wunder von Lengede“.
Einer von Heino Ferchs bekanntesten Filmen: die Schauspieler Benjamin Sadler (von links), Jan Josef Liefers, Heino Ferch, Jürgen Schornagel und Victor von Bülow während der Dreharbeiten zum Film „Das Wunder von Lengede“. | Bild: Holger Hollemann / dpa

Er hoffe, sagt Ferch, „dass wir Martin Suter mit unseren Verfilmungen dazu animieren, noch weitere Romane zu schreiben und an den Figuren weiterzuarbeiten, damit wir für die nächsten Filme Geschichten haben, die aus seiner Feder kommen“.

Ferch, der mit Frau und Kindern am Ammersee in Bayern lebt, ermittelt nicht nur als Allmen, sondern auch als Psychiater in der ZDF-Reihe „Spuren des Bösen“. Er sagt: „Ich mag beide, auch wenn zwischen ihnen Welten liegen. In so gegensätzliche Welten einzutauchen, ist für mich als Schauspieler großartig.“ Für seine Zuschauer auch.