Miss Larson, die Comic-Verfilmung „Captain Marvel“ ist mit Abstand die größte Produktion, an der Sie je mitgewirkt haben. Sagt man wie aus der Pistole geschossen zu, wenn man so eine Superheldinnen-Rolle angeboten bekommt?

Im Gegenteil, ich habe mir die Entscheidung extrem schwer gemacht. Und ich bin den Leuten bei Marvel sehr dankbar, dass sie so viel Geduld hatten mit mir, denn ich brauchte wirklich Bedenkzeit.

Warum?

Weil mir klar war, dass dieser Film eine riesige Sache wird, die nicht nur mein Leben verändert, sondern indirekt auch das meiner Familie, meines Lebensgefährten und meiner Freunde. Über solche Dinge muss man schon mit viel Bedacht nachdenken. Vor allem ich, die eher introvertiert ist, weswegen mir all die Aufmerksamkeit, die mit so einer Rolle als Superheldin einhergeht, eher wenig liegt. Ich werde wirklich lernen müssen damit umzugehen, dass meine Anonymität noch ein ganzes Stück weiter eingeschränkt werden wird.

Was gab denn letztlich den Ausschlag, alle Zweifel über Bord zu werfen?

Am Ende fand ich es einfach sehr aufregend zu wissen, dass „Captain Marvel“ ein Film ist, der von unglaublich vielen Menschen gesehen wird. Denn ich habe ja in meinem Leben sehr viele kleine Filme gedreht, für die ich mich wahnsinnig ins Zeug gelegt habe, die aber am Ende nicht allzu viele Zuschauer hatten. Mit meiner Arbeit jetzt ein viel größeres Publikum erreichen zu können, war eine schöne Aussicht.

Action war bislang nicht unbedingt Ihr Metier. Mussten Sie viel trainieren, um sich auf die Rolle vorzubereiten?

Das kann man wohl sagen. Ich habe neun Monate vor Beginn der Dreharbeiten mit dem Training begonnen, die letzten drei war dann vor allem die Arbeit an den Stunts angesagt. Dass viele meiner Kollegen gar nicht ihre eigenen Stunts übernehmen, habe ich irgendwie zu spät geschnallt. Nach manchen Tagen war ich übersät mit blauen Flecken und fühlte ich am nächsten Morgen so gerädert als hätte ich nachts eine ganze Flasche Whiskey gesoffen. Aber letztlich war das eine coole Erfahrung. Nicht nur, weil ich als schüchternes Mädel mit Asthma diese physische Herausforderung gemeistert habe. Sondern vor allem weil ich mir meinen Körper zurückerobert habe.

Privat ist Brie Larson eher introvertiert.
Privat ist Brie Larson eher introvertiert. | Bild: RICHARD SHOTWELL/dpa

Wie meinen Sie das denn?

Wie so viele Frauen habe ich von früh auf gelernt, wie ich und mein Körper in unserer Gesellschaft wahrgenommen werden. Deswegen wollte ich eigentlich immer, dass mein Körper so unsichtbar wie möglich ist. Je weniger Aufmerksamkeit er auf sich zieht, desto weniger kann ich objektiviert werden, dachte ich. Erst durch die intensive Arbeit an und mit meinem Körper im Zuge von „Captain Marvel“ habe ich wirklich ein echtes, ungetrübtes Verhältnis zu ihm entwickelt. Das war eine großartige Erfahrung!

Wie bei anderen Superhelden-Filmen auch wird es natürlich auch von „Captain Marvel“ jede Menge Actionfiguren und Puppen geben. Ein cooles Gefühl, demnächst in Kinderzimmern auf der ganzen Welt vertreten zu sein?

Ehrlich gesagt eher ein ziemlich schräges. Deswegen versuche ich bislang auch eher, diesen ganzen Aspekt des Films von mir fernzuhalten. So als sei die Person auf den Postern und in den Spielzeugläden nicht ich, sondern jemand anderes.

Stichwort Heldin: wen würden Sie in Ihrem Leben als Heldin oder Vorbild bezeichnen?

Die nahe liegende Antwort ist natürlich: meine Mutter. Wir beiden waren und sind uns immer unglaublich nah gewesen, deswegen war sicherlich niemand eine größere Inspiration für mich als sie. Meine Schauspiel-Heldin war ohne Frage Toni Colette, deren Tochter ich in der Serie „Taras Welten“ gespielt habe. Ich weiß noch, wie ich als Jugendliche mal innerhalb einer Woche drei verschiedene Filme mit ihr gesehen habe und nicht mitbekam, dass das alles dieselbe Frau ist. Tonis Wandelbarkeit ist einfach der Wahnsinn. Aber auch Jane Fonda oder Gena Rowlands sind Heldinnen von mir.

Fonda durften Sie 2017 für ein Interview mal persönlich kennen lernen...

Ja, ich durfte ein langes Gespräch mit ihr führen, in dem sie mir den vielleicht besten Ratschlag meines Lebens gab. Sie sagte: „Wenn Leute wütend auf Dich sind, dann bedeutet das meist, dass Du etwas richtig machst.“ Das habe ich mir sehr zu Herzen genommen. Früher war ich durch Konflikte oft verunsichert, doch nicht zuletzt dank Jane wurde mir klar, dass jeder, der offen die Wahrheit ausspricht, früher oder später auch mal Menschen gegen sich aufbringt.