Smudo, man hat den Eindruck, Sie gleiten einfach von einem Jubiläum ins nächste. Das 25-Jährige ist noch nicht lange her, und jetzt zelebrieren die Fantastischen Vier gerade ihr 30-jähriges Dienstjubiläum. Kommen Sie aus dem Feiern noch raus?

Nur schwer. Am liebsten würde ich jeden Morgen im Jubiläumsmodus mit einem guten Gläschen Champagner aufstehen, aber dann wollen doch wieder die Kinder in die Schule gebracht werden, im Kühlschrank ist nichts mehr und die Autobatterie hat den Geist aufgegeben. Von dem 30. sind wir jetzt selbst so ein bisschen überrumpelt worden.

Ihr Gründungskonzert datiert vom 7. Juli 1989, Ort des Geschehens war ein Kindergarten in Stuttgart-Wangen.

Ganz richtig. Eigentlich hätten wir also dieses Jahr schon die große Jubiläums-Stadiontournee machen müssen und nicht nächstes. In die Quere gekommen ist uns zum einen unser dürftiges Organisationstalent sowie der Fakt, dass unser jüngstes Album „Captain Fantastic“ auch dank der Single „Zusammen“ ziemlich erfolgreich war. Also tourt man dann eben zwei Jahre mit der Platte. Egal, wir sind erst seit Juli 30, wir feiern jetzt einfach das ganze Jahr durch.

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Hat Sie das Ausmaß des Erfolgs von „Zusammen“ überrascht?

Ja. Das war unser größter Hit seit „Die da“, soweit man das vergleichen kann, denn damals, auch noch zu Zeiten von „Sie ist weg“ und „MfG“, wurden Songs noch richtig gekauft und nicht nur für ein paar Minuten gemietet.

Sie stehen dem Streaming kritisch gegenüber?

Nein, kritisch bin ich nicht. Technisch finde ich das super, auch für Filme. Es ist nur ungewohnt. Aber hier spricht der alte Sack. Dass Musik nicht aus dem Handy, sondern von drehenden Tellern kam, ist für meine Kinder ein super vermiefter, nicht reeller Gedanke. Die können sich einen Alltag, wie es ihn in meiner Jugend gab, überhaupt nicht vorstellen. Meine Töchter wissen, was ein Plattenspieler ist, aber für sie ist das ein musealer Gegenstand.

Die älteren zwei sind Jahrgang 2007 und 2010. Hören die Mädchen deutschen Hip-Hop?

„Asi-Rap“ sagen sie dazu. Denen gefällt nicht, wenn Jungs erzählen, wie gut sie mit ihrem Messer umgehen können. Ich glaube, den jungen Leuten, die das hören, fehlt es naturgemäß an kulturellem Kontext. Wie sonst kann ein Capital Bra so erfolgreich damit sein, „Cheri, Cheri Lady“ von Modern Talking zu samplen?

Wie wichtig ist es, dass man sich in einer Band mag?

Sehr wichtig. Wir finden uns gut. Was wir gut können, und das merke ich auch im Vergleich zu anderen vermeintlich demokratischen Gebinden wie meiner Familie: Jeder wird gleich ernst genommen, es wird fair über alles geredet. Und wenn man gemeinsam etwas mit Mehrheit beschließt, tragen es auch die mit, die dagegen waren.

2018 wurden Die Fantastischen Vier (von links: And.Ypsilon, Smudo, Michi Beck und Thomas D) mit dem Jacob-Grimm-Preis für Verdienste um die deutsche Sprache ausgezeichnet.
2018 wurden Die Fantastischen Vier (von links: And.Ypsilon, Smudo, Michi Beck und Thomas D) mit dem Jacob-Grimm-Preis für Verdienste um die deutsche Sprache ausgezeichnet. | Bild: Göran Gehlen / dpa

In der von Thomas Schwendemann gedrehten Film-Doku „Wir 4 sind“, deren Macher Sie bei den Vorbereitungen von „Captain Fantastic“ und der Tour fast zwei Jahre begleitet haben, sagt Ihr Kollege Samy Deluxe: „Die sind einfach verrückt und deshalb über die Jahre interessant geblieben.“ Stimmt das?

Samy hat mit uns an Songs gearbeitet, und er hat uns wirklich so gesehen, wie wir sind. Wir schlunzen im Studio in Jogginghosen rum, wie verkaterte Hasch-Druffis in der Opa-Variante. Samy musste so lachen und meinte, er kenne niemanden, der in unserem Alter noch so agil sei. Ich glaube, wir haben irgendwie noch was Jungenhaftes. Wir sind verspielt, nicht nur in unserer Musik, sondern bei allem, was wir so machen.

Jungenhaft verspielt, aber alt genug fürs Museum? „TROY – 30 Jahre Die Fantastischen Vier“ heißt die Ausstellung, die im „StadtPalais – Museum für Stuttgart“ bis zum 29. März 2020 läuft.

Mit 50 ist man irgendwo mittig zwischen diesen beiden Polen. Die Ausstellung ist echt total geil, toll durchdacht und interaktiv. Man hat das Gefühl, man ist mittendrin, etwa in unseren Videoclips. Dazu wird unsere Karriere chronologisch abgebildet, auch auf den Standortvorteil Stuttgart, wegen der vielen amerikanischen Soldaten, wird eingegangen. Für musikinteressierte Menschen ist das spannend und relevant.

Taugt der Film was?

Mir hat er große Freude gemacht, auch wenn mich die Fantas sonst ja nicht so hinterm Ofen hervorlocken. (lacht)

Michi Beck (von links), Thomas D und Smudo beim Auftakt-Konzert der „Captain Fantastic“-Tour 2018 in Würzburg.
Michi Beck (von links), Thomas D und Smudo beim Auftakt-Konzert der „Captain Fantastic“-Tour 2018 in Würzburg. | Bild: Daniel Karmann / dpa

Wie spontan kam Ihnen die Idee mit der Stadiontour überhaupt?

Davon träumen wir schon richtig lange. Zum 30-Jährigen haben wir den Plan reaktiviert. Die Show wird ganz anders als die der „Captain Fantastic“-Tour. Ich möchte sagen: feierlicher. Wir spielen alle unsere Hits, es wird Sommer sein und vielleicht noch hell. Ich verspreche Spaß für die ganze Familie.

Wird es neue Songs geben bis dahin?

Kann passieren, kann auch nicht passieren. Am Ende von anderthalb langen Tour-Jahren haben wir alle vier den Kopf ein bisschen leer. Mal sehen, wie wir im Winter drauf sind.

Fanta 50?

Gemach. Soweit schauen wir nicht nach vorne. Ein Jubiläum nach dem anderen.