Herr Matschke, Sie sind am Samstag im ARD-Film „Zum Glück gibt‘s Schreiner“ in Ihrer ersten Hauptrolle zu sehen. Wie lange mussten Sie denn zittern, bis feststand, dass Sie die Rolle bekommen?

Das hat sich schon eine Weile hingezogen. Zuerst kam die Anfrage, ob ich während der geplanten Dreharbeiten überhaupt Zeit hätte. Da ich dann aber nicht zum Casting eingeladen wurde, dachte ich eigentlich, das hätte sich erledigt. Dann kam doch wieder ein Anruf und ich wurde gebeten, ein E-Casting zu machen, also ein Video mit zwei von mir gespielten Szenen einzuschicken.

Ihre Antwort?

„Ja, klar!“ Dann habe ich mir einen Blaumann gekauft und an einem Freitagabend mit zwei Schauspieler-Kollegen im Garten die zwei Szenen aufgenommen. Am nächsten Tag kam schon der Anruf, dass ich super gewesen sei und am Montag Konstellations-Casting nach Berlin kommen solle. Dort habe ich mit Henriette Richter-Röhl, die die weibliche Hauptrolle hat, ein paar Szenen gespielt. Auf dem Heimweg dachte ich noch: Das war nett, das hat Spaß gemacht. Große Hoffnungen hatte ich allerdings nicht gemacht. Aber dann kam einen Tag später der Anruf: „Pass auf, du hast die Rolle!“

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Wie haben Sie sich in dem Moment gefühlt?

Ich habe mich einfach nur gefreut, diesen Film drehen zu dürfen – vor allem darüber, dass mir als relativ unbekanntem Schauspieler so viel Vertrauen geschenkt wird. Ich hatte aber auch echt Bock auf die Rolle. (lacht) Schon als ich das Drehbuch zum ersten Mal gelesen habe, musste ich oft schmunzeln und hatte direkt Ideen, wie ich diese oder jene Szene spielen könnte. Für mich ist diese Rolle auf jeden Fall ein ganz wichtiger Schritt.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Filmfigur Mike denn besonders?

Dass er immer er selbst ist und es nicht nötig hat, sich zu verstellen, nur um andere zu beeindrucken. Er hat auch ein paar Kanten und Ecken und Kanten – und einen sehr guten, trockenen Humor. Er ist ein ganz lieber, netter Mensch, aber nicht so weichgespült wie andere Figuren. Das gefällt mir.

Mike trägt auffallend gern karierte Hemden. Findet man so etwas auch in Ihrem Kleiderschrank?

Ich habe auch ein paar Holzfällerhemden, das schon. Im Film hatte ich auch eins davon an. Aber Latzhosen trage ich nicht so oft … Und ich habe auch nicht immer einen Hammer und ein Maßband dabei oder trage Schuhe mit Stahlkappen. (lacht)

Mike ist ja Schreiner. Wie begabt sind Sie in handwerklichen Dingen?

Sagen wir mal so: Ich bin nicht sehr talentiert – einen Tisch würde ich mich vielleicht nicht gerade bauen lassen. Aber zwei linke Hände habe ich auch nicht unbedingt. Ja, es kann schon mal sein, dass ich mit dem Hammer nicht treffe, wenn ich einen Nagel in die Wand schlagen will. Aber eine Glühbirne austauschen, das kann ich. (lacht) Dafür koche ich aber sehr gerne, das macht mir wirklich Spaß.

Was kochen Sie denn so?

Ich koche eigentlich alles und tatsächlich gerne frei nach Schnauze, sozusagen. Ich mag die Gerüche beim Kochen, für mich ist das auch ein Mittel zur Entspannung. Ich mache zum Beispiel sehr gerne Eintöpfe und ich kann ein gutes Steak braten. Ich schaue mir auch sehr gerne Koch-Shows im Fernsehen an und koche die Gerichte nach, versuche dabei aber immer, was Eigenes einzubringen. Und meistens schmeckt‘s!

Waren Sie am ersten Drehtag eigentlich sehr aufgeregt?

Total! Ich bin ans Set gekommen, habe die ganzen Wagen gesehen und gedacht: „Das ist genau das, was ich immer machen wollte!“ Natürlich war ich am Anfang nervös – es wäre aber auch seltsam, wenn ich nicht aufgeregt gewesen wäre.

Und was haben Sie gegen die Nervosität getan?

Ich habe mir einfach gesagt: Das Casting war gut, also mache ich es jetzt beim Dreh nicht anders, sondern genauso wie damals. Ich glaube, der Film lebt vor allem auch von der Stimmung zwischen den beiden Hauptfiguren. Und uns war es wichtig, dass die Atmosphäre leicht bleibt und wir uns als Schauspieler nicht verkünsteln. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Aber die anderen haben mir viel geholfen. Vor allem Henriette Richter-Röhl war super cool. Und ab der zweiten, dritten Szene war alles cool und der Dreh hat einfach nur noch Spaß gemacht – das ging so weit, dass ich mir, wenn ich mal einen Tag frei hatte, immer gewünscht habe, am Set zu sein.

Sie sind im Film in vielen Szenen mit Henriette Richter-Röhl und Thekla Carola Wied zu sehen, die beide sehr erfahrene Schauspielerinnen sind. Konnten Sie sich von ihnen was abgucken?

Ich mag es grundsätzlich, anderen Schauspielern zuzusehen und zu lernen. Henriette Richter-Röhl und Thekla Carola Wied kannte ich bis dahin nur aus dem Fernsehen, aber sie waren beide ganz normal – kollegial und super nett. Mit ihnen zu drehen, hat einfach Spaß gemacht.

Katharina (Henriette Richter-Röhl, links) und ihre Mutter Johanna (Thekla Carola Wied) streiten – Mike (Jochen Matschke) hält sich ...
Katharina (Henriette Richter-Röhl, links) und ihre Mutter Johanna (Thekla Carola Wied) streiten – Mike (Jochen Matschke) hält sich im Hintergrund. | Bild: ARD Degeto / Hendrik Heiden

Henriette Richter-Röhl achtet am Set gern auf Nachhaltigkeit. War das dieses Mal auch so?

Ja, und ich fand das gut. Man muss ja nicht mehr Müll verursachen als nötig. Wir haben wirklich alle versucht, auf Nachhaltigkeit zu achten. Ich versuche ja auch, nicht so viel Fleisch zu essen. Aber ganz verzichten könnte ich darauf nicht, dafür koche ich einfach zu gern.

Sie sollen ja schon als Kind davon geträumt haben, Schauspieler zu werden. Stimmt das?

Es war wirklich so: Wenn man mich früher gefragt hat, was ich werden will, habe ich gesagt: „Entweder Schauspieler oder Haiforscher.“ Aber dann habe ich „Der weiße Hai“ gesehen, und da hat sich das mit dem Haiforscher ganz schnell erledigt. Der Wunsch, Schauspieler zu werden, der ist aber geblieben. Ich mochte Filme einfach schon immer. Ich habe auch gern, wenn ich joggen war, die Musik aus den „Rocky“-Filmen gehört und mir dabei Sylvester Stallone vorgestellt.

Trotzdem sind Sie dann erst mal Tennisspieler geworden. Wie kam es denn dazu?

Ich habe zuerst vor allem Fußball gespielt und nur nebenbei ein bisschen Tennis. Aber dann wurde es mehr und es hat mir auch immer mehr Spaß gemacht. Irgendwann habe ich dann mit dem Fußball aufgehört.

Sie sind ja auch Tennistrainer. Wie oft stehen Sie denn heute noch auf dem Platz?

Ich gebe immer noch relativ oft Unterricht. Tennis ist immer noch mein Sport – wenn große Turniere wie Wimbledon im Fernsehen laufen, dann schaue ich mir das meistens an.

Sie waren ja Profi und haben in der Ersten Tennis-Bundesliga gespielt. Wann war der Punkt, an dem Sie sich entschieden haben, beruflich eine andere Richtung einzuschlagen?

Das war zu einer Zeit, als ich gerade verletzt war. Ich habe überlegt, was ich in der Zeit machen könnte. Und die Schauspielerei war etwas, worauf ich total Lust hatte. Ich wollte einfach wissen, wie das ist, und habe dann in New York einen Kurs gebucht. Das ist eine Stadt mit unfassbar viel Energie. Dort war es dann ganz schnell um mich geschehen. Ich wusste, das ist der Weg, den ich ab jetzt gehen möchte.

Warum haben Sie die Ausbildung eigentlich nicht in Deutschland gemacht?

Ganz ehrlich, ich hatte damals keine Ahnung von dem Geschäft. Meine einzige Qualifikation war, dass ich viele Filme gesehen hatte. (lacht) Und im Internet bin ich einfach zuerst auf Schulen in New York gestoßen. Ich war danach auch in München auf einer Schauspielschule, dort nehme ich immer noch regelmäßig Unterricht. Das habe ich von der Zeit als Sportler beibehalten, dass ich immer weiter trainiere und versuche, besser zu werden. Außerdem macht mir das auch Spaß – und ich merke jedes Mal, wenn wir Pause haben, wie sehr mir meine Schauspielgruppe fehlt.

Mike (Jochen Matschke) verdreht seiner Chefin den Kopf – wen wundert‘s?
Mike (Jochen Matschke) verdreht seiner Chefin den Kopf – wen wundert‘s? | Bild: ARD Degeto / Hendrik Heiden

Sie sind als Schauspieler auf einem guten Weg. Was würden Sie sagen: Wie schwer ist es heute, sich in diesem Beruf durchzusetzen?

Leicht ist es jedenfalls nicht. Es geht ja längst nicht nur darum, Rollen zu spielen, sondern auch darum zu verstehen, wie die Branche funktioniert. Wie komme ich an eine Agentur? Wie bekomme ich gute Fotos? Wie komme ich zu Castings? Wenn einen niemand kennt, ist das natürlich schwierig. Aber es ist ein spannender Weg. Ich bin froh, dass ich so weit gekommen bin, und gespannt auf das, was noch kommt. Ich mag es, wenn jeder Tag anders ist. Morgen kann schon wieder eine Einladung zum Casting kommen kommen … Aber erst mal hoffe ich, dass „Zum Glück gibt‘s Schreiner“ bei den Zuschauern gut ankommt.

Sie sind seit Kurzem auf Instagram unterwegs – zum Zweck der Eigenwerbung?

Ich hatte einfach das Gefühl, dass es für mich als Schauspieler gut wäre, sich dort anzumelden. Beim Dreh von „Zum Glück gibt‘s Schreiner“ habe ich mein erstes Bild hochgeladen. Vorher war ich auf Social Media praktisch nicht unterwegs. Auch jetzt bin ich niemand, der Wert darauf legt, viele Follower zu haben.

Sie waren auch in einigen Folgen der erfolgreichen ARD-Serie in „In aller Freundschaft“ zu sehen. Werden Sie seitdem öfter mal angesprochen, wenn Sie irgendwo unterwegs sind?

Wenn ich angesprochen werde, dann weiß ich eigentlich immer gleich, dass es daher kommt. Die Leute erkennen mich meistens nicht direkt, sondern sagen eher: „Ich kenne Sie doch irgendwoher!“

Wie geht es denn beruflich weiter bei Ihnen?

Ich habe gerade einen Krimi gedreht, in dem ich einen komplett tätowierten ehemaligen Drogen-Junkie spiele, den Sohn einer Rotlicht-Ikone. Die Rolle spielt Martin Umbach, was sehr cool war, weil ich mit ihm meinen ersten Kurzfilm gedreht habe. Ansonsten muss ich mal schauen, was kommt. Ich habe auf jeden Fall Lust zu spielen.

Gehen Sie denn noch zu vielen Castings?

Es werden ja nicht immer alle Rollen über ein Casting besetzt. Manchmal wird einem die Rolle direkt angeboten, was natürlich auch sehr schön ist. Ansonsten gehe ich aber immer gerne zu einem Casting, wenn mich die Rolle interessiert.