Herr Cantz, Sie moderieren seit neun Jahren die Sendung „Verstehen Sie Spaß?“ und dürfen dabei andere Leute reinlegen. Verstehen Sie denn auch selbst Spaß?

Ich bin schon zwei Mal selbst reingelegt worden. Einmal von Mario Barth und Steffen Henssler und einmal sogar von meiner eigenen Redaktion. Es ist also nicht so, dass ich nur austeile, sondern ich verstehe natürlich selber auch Spaß. Ich stehe seit 27 Jahren als Komiker und Comedian auf der Bühne, wenn ich da keinen Spaß verstehen würde, hätte das nicht so lange funktioniert.

Was für eine Art von Humor mögen Sie selbst am liebsten?

Ich kann sehr gut über Alltagssituationen lachen, so wie ich mich auch über sie aufregen kann. Ich finde, Kinder haben einen tollen Humor. Mein Sohn wird jetzt neun und manchmal sagt er Sachen, die sehr komisch sind. Ich finde aber auch viele Kollegen wie Loriot oder Otto toll. Ich bin eben ein fröhlicher und humorvoller Mensch und lache gerne.

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Gibt es auch Themen, bei denen für Sie der Spaß aufhört?

Wenn Tränen vor Lachen vergossen werden, finde ich das in Ordnung. Aber ich möchte nicht sehen, dass jemand, den wir gerade reinlegen, anfängt zu weinen. „Verstehen Sie Spaß?“ lebt von der Schadenfreude, aber man darf es nicht übertreiben. Wir sind eine Familiensendung und ich versuche immer, den Spagat zu schaffen, dass Kinder, Erwachsene und ältere Leute gemeinsam über unsere Scherze lachen können.

Die Sendung für Jung und Alt gibt es jetzt schon seit 40 Jahren. Wie hat sie sich seit ihrem Start verändert?

Die Show ist insgesamt viel aufwendiger geworden. Kurt Felix hat damals fast alles alleine gemacht: Er hat gedreht, geschnitten, Regie geführt und die Sendung moderiert. Heute stehen hinter der Show ganz viele Leute. Wir haben auch nicht nur eine Kamera, sondern setzen für unsere Filme bis zu 14 Kameras ein. Man muss heute einfach mehr leisten als früher, sowohl technisch als auch inhaltlich, um den Leuten glaubhaft eine Situation vorzuspielen.

Wie schaffen Sie es trotzdem, seit Jahren das gleiche Publikum anzusprechen und gleichzeitig neue Zuschauer für die Show zu begeistern?

Wir haben das große Glück, dass YouTube und die sozialen Medien uns in die Karten spielen. Inzwischen haben wir mit unserem YouTube-Kanal eine Million Abonnenten erreicht. Die Leute und vor allem die Jüngeren sehen uns dort und haben dann Lust, sich mal wieder sie Show anzuschauen. Das bringt uns immer wieder neue Zielgruppen.

YouTuberin Bianca „Bibi“ Claßen bringt als Lockvogel für die versteckte Kamera ihre Helfer förmlich zum Platzen.
YouTuberin Bianca „Bibi“ Claßen bringt als Lockvogel für die versteckte Kamera ihre Helfer förmlich zum Platzen. | Bild: SWR / Kimmig Entertainment

Was würden Sie sagen: Sind die Zuschauer heute leichter oder schwerer zum Lachen zu bringen?

Jemandem zum Lachen zu bringen, war schon immer schwer, auch wenn viele Leute das nicht glauben. Das war früher genauso schwer wie es heute auch ist. Man muss sich etwas Besonderes einfallen lassen und dabei beachten, dass jeder ein anderes Humorverständnis und einen anderen Geschmack hat.

Gibt es denn Gags, die man vor 40 Jahren noch machen konnte, die aber heute nicht mehr denkbar wären? Oder vielleicht auch umgekehrt?

Natürlich gibt es heute andere technische Möglichkeiten durch das Internet oder Smartphones. Das sind natürlich Sachen, mit denen wir auch spielen. Zum Teil versuchen wir aber auch, Filme aus den 80ern mal bewusst ins Jahr 2019 zu transportieren. Erstaunlicherweise klappt das manchmal, dass eine alte Idee heute auf eine andere Art wieder funktionieren kann.

Wobei die Gesellschaft ja viel sensibler gegenüber Humor geworden ist …

Der Zeitgeist war in den 80ern natürlich anders als heute, und das versuchen wir auch zu beachten und uns selber weiterzuentwickeln. Humor spielt aber immer mit Klischees und bei Humor hat sich das alte Prinzip in 40 Jahren oder auch in 100 Jahren nicht geändert. Am Schluss bekommt einer sprichwörtlich die Torte ins Gesicht, denn da haben die Leute Spaß dran. Wer diese ins Gesicht bekommt, ist unterschiedlich. Ich finde, man darf das auch nicht überinterpretieren. Humor ist Humor. Die Frage ist, über wen darf man Witze machen und über wen nicht? Das muss jeder Komiker für sich selbst entscheiden. Man muss dabei immer daran denken, wer vor einem sitzt und welche Art von Humor man sich erlauben kann.

Was Humor angeht, sind Sie ja Experte. Womit lässt sich auch der größte Miesepeter immer zum Lachen bringen?

Ich bin niemand, der sich morgens beim Rasieren schon die neuesten Gags erzählt, um selber gute Laune zu kriegen. Aber ich glaube, authentisch zu sein ist ein ganz guter Tipp. Dann kaufen einem die Leute alles Mögliche ab.

Gibt es jemanden, den Sie schon immer mal reinlegen wollten?

Eigentlich würde ich gern mal den Fifa-Präsidenten Gianni Infantino reinlegen. Ich finde, er hat es wirklich verdient, dass man mal über ihn lachen kann. Politiker sind immer ein bisschen schwierig, weil wir gemerkt haben, dass sie ungern in Unterhaltungssendungen erscheinen wollen. Das haben wir erst ein Mal richtig geschafft, bei Claudia Roth, die sehr viel Humor hat. Und ansonsten gilt: je prominenter, desto besser.