Herr Bartels, Ihre Serie „Prost Mortem“ spielt in einer Kneipe. Sind Sie jemand, der gern mal in eine Kneipe geht? Oder gehen Sie lieber ins Kino oder auch mal schick essen?

Kino mag ich sehr gern, und ich gehe auch gern essen. Aber Kneipen … Es gibt Phasen, da mache ich das gern. Manchmal habe ich einfach ganz plötzlich Lust, in eine Kneipe zu gehen – ohne irgendwelchen Glamour. Das macht mir auf jeden Fall Spaß.

Kennen Sie auch so typische Kneipen wie den „Bierkavalier“ aus der Serie?

Ja, die kenne ich sehr gut. Die Mutter von einem meiner besten Freunde hat viele Jahre in so einer Kneipe gearbeitet, gleich bei uns um die Ecke. Daher kenne ich das.

Sie spielen Steven, den persönlichen Assistenten einer Politikerin. Was hat Ihnen an der Rolle gefallen?

Ich wusste gleich, dass ich die Serie auf jeden Fall machen will. Erst mal fand ich das Format cool, und überhaupt die Geschichte, die wir erzählen. Und wie wir sie erzählen – mit den ganzen Rückblenden. Auch dass Steven eine heimliche Beziehung zu einer älteren Frau hat, seiner Chefin – so etwas hat man ja selten im Fernsehen. Und das war für mich auch ein spannender Aspekt.

Eine Szene aus der Serie „Prost Mortem“ – Timur Bartels spielt darin den ehrgeizigen Steven. Der wird des Mordes verdächtigt. Ob da was dran ist?
Eine Szene aus der Serie „Prost Mortem“ – Timur Bartels spielt darin den ehrgeizigen Steven. Der wird des Mordes verdächtigt. Ob da was dran ist? | Bild: Felix Vratny / 13th Street

Steven ist selbst auch politisch interessiert. Sie auch?

Auf jeden Fall. Ich finde es interessant, dass jemand in dem jungen Alter so engagiert ist und in die Politik geht. Steven will ja unbedingt Karriere machen. Ein bisschen kann ich mich da mit ihm schon identifizieren.

Würden Sie sich denn als ehrgeizig bezeichnen?

Ja, auf jeden Fall.

Wie äußert sich das bei Ihnen?

Ich bin jemand, der gerne viel arbeitet. Aber natürlich gibt es Ausnahmen. Wenn ich ausgehe oder mich mit Freunden treffe, dann geht es da nicht um die Arbeit. Aber es ist schon so, dass ich meistens nicht allzu spät nach Hause gehe, damit ich genügend Schlaf bekomme und am nächsten Tag arbeiten kann – einfach, weil es mir Spaß macht. Die Arbeit ist ein großer Teil meines Lebens geworden, aber Pausen sind genauso wichtig und die gibt‘s bei mir auch.

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Apropos Pause: „Prost Mortem“ wurde in Wien gedreht. Haben Sie was von der Stadt gesehen?

Es gab einen Tag, an dem ich ein bisschen durch die Stadt tigern konnte, aber das war‘s eigentlich. Es ist ja auch so: Mein Vater ist Anfang des Jahres gestorben, und am Morgen nach seiner Beerdigung bin ich in den Flieger nach Wien gestiegen. Das war alles eng getaktet und sehr stressig, aber – so hart das jetzt vielleicht klingt – das gehört zum Beruf des Schauspielers dazu. Diese Umstände waren auch ein Grund dafür, dass ich Wien gar nicht unbedingt erkunden wollte.

War es nicht sehr schwer für Sie, kurz nach dem Tod Ihres Vaters ausgerechnet eine Serie zu drehen, in der es um den Tod geht?

Beim Dreh wussten alle, was passiert war. Es war ein sehr kleines Ensemble, und alle waren sehr rücksichtsvoll und haben mich unterstützt und auch mal abgelenkt, wenn es nötig war. Aber für mich war es gar nicht schlecht, so schnell wieder zu drehen. Man ist dann konzentriert, weil ja beim Dreh alles klappen muss. Man ist fokussiert auf etwas anderes als das eigene Leben, das war für mich gut.

Sie sind wegen des Tods Ihres Vaters aus der Show „Dancing On Ice“ ausgestiegen. Haben Sie vor, es noch mal zu versuchen? Oder ist das Kapitel abgeschlossen?

Ich mache nicht noch mal mit – das wäre auch unfair, weil ich jetzt ja schon Schlittschuhlaufen kann und die neuen Kandidaten das erst noch lernen müssen. Aber vielleicht gibt es ja mal eine ähnliche Show? Grundsätzlich könnte ich mir jedenfalls vorstellen, wieder bei so einem Format mitzumachen. „Dancing On Ice“ war für mich, solange ich dabei war, eine tolle Erfahrung und hat viel Spaß gemacht.

Timur Bartels stand Anfang 2019 mit Eiskunstläuferin Amani Fancy für die Sat.1-Show „Dancing on Ice“ auf dem Eis.
Timur Bartels stand Anfang 2019 mit Eiskunstläuferin Amani Fancy für die Sat.1-Show „Dancing on Ice“ auf dem Eis. | Bild: Rolf Vennenbernd / dpa

Es gibt ja nach wie vor einen großen Hype um Serien. Freuen Sie sich als Schauspieler über diese Entwicklung?

Das ist etwas, das ich sogar mit sehr großer Freude beobachte. Eine Serie zu machen, ist spannend – nicht nur, weil man eine Rolle über eine längere Zeit spielt. Man kann einem Charakter immer wieder neue Details schenken, verschiedene Seiten zeigen – man hat einfach mehr zu spielen. Vielleicht nicht in einer Krimiserie, in der man als Ermittler ja doch immer das Gleiche macht. Aber auch bei „Der Club der roten Bänder“ war es ja so, dass wir Schauspieler eine große Bandbreite zeigen konnten. Und: Die Zuschauer binden sich emotional stark an Serien, solche Formate haben oft einen viel stärkeren Effekt als ein einzelner Film.

Lang ist‘s her: Dieses Bild vom Set der Serie „Der Club der roten Bänder“ entstand 2015. Zu sehen sind Ivo Kortlang (von links), Damian Hardung, Timur Bartels, Nick Julius Schuck, Tim Oliver Schultz und Luise Befort.
Lang ist‘s her: Dieses Bild vom Set der Serie „Der Club der roten Bänder“ entstand 2015. Zu sehen sind Ivo Kortlang (von links), Damian Hardung, Timur Bartels, Nick Julius Schuck, Tim Oliver Schultz und Luise Befort. | Bild: Henning Kaiser / dpa

„Prost Mortem“ läuft bei einem kleinen Sender, 13th Street. Spielt der Sendeplatz für Sie eine Rolle?

In erster Linie geht‘s mir um das Projekt. Und mir ist wichtig, wer daran beteiligt ist – vor und hinter der Kamera. Das ist mir persönlich zum Beispiel wichtiger als die Größe meiner Rolle. Ich war ja nicht auf einer Schauspielschule, sondern bin Quereinsteiger und Autodidakt. Von daher finde ich es immer schön, wenn ich mit erfahrenen Schauspielern arbeiten kann. Und was den Sender angeht: Wenn man für unterschiedliche Sender arbeitet, erreicht man ja auch unterschiedliche Leute. Das schadet einem Schauspieler sicher nicht, der ja auch von der Bekanntheit lebt.

Hat man als Schauspieler bei solchen kleineren Produktionen eigentlich mehr Freiheiten? Darf man vielleicht auch eigene Ideen einbringen?

Nicht automatisch, das hängt meiner Erfahrung nach immer mit den Machern zusammen. Mit den Regisseuren, den Produzenten, den Drehbuchautoren, den Redakteuren vom jeweiligen Sender. Bei „Der Club der roten Bänder“ durften wir Schauspieler uns zum Beispiel immer wieder einbringen.

Und bei „Prost Mortem“?

Das war eine sehr angenehme Arbeit auf Augenhöhe. Der Regisseur, Michael Podogil, ist jung und sehr offen. Er hatte eine genaue Vorstellung davon, wie die Serie werden soll, und hat trotzdem viele Ideen von uns Schauspielern aufgenommen – das macht für mich einen guten Regisseur aus.

Ein Teil des Ensembles von „Prost Mortem“: die Schauspieler Simon Schwarz (von links), Timur Bartels, Doris Kunstmann und Elke Winkens.
Ein Teil des Ensembles von „Prost Mortem“: die Schauspieler Simon Schwarz (von links), Timur Bartels, Doris Kunstmann und Elke Winkens. | Bild: Ursula Düren / dpa

Sie wurden für die Rolle ja direkt angefragt. Passiert Ihnen das öfter oder gehen Sie auch noch zu vielen Castings?

Mal so, mal so. Für mich macht ein Casting in jedem Fall Sinn. Einfach, weil man ja wissen muss, ob die Schauspieler miteinander harmonieren. Es geht deshalb auch nicht so sehr darum, ob jemand überhaupt schauspielern kann – das wird vorausgesetzt. Als Regisseur würde ich wahrscheinliche immer ein Casting machen, weil da ja jeder Schauspieler neue Ideen mitbringt, die vielleicht ihren Weg in einen Film oder eine Serie finden.

Sie machen ja auch Musik, inzwischen haben Sie ein paar Videos auf YouTube veröffentlicht. Welche Rolle spielt die Musik für Sie?

Eine große. Es war gar nicht so einfach, die Richtung zu finden, in die ich mit meiner Musik gehen wollte. Als ich meinen ersten Song rausgebracht habe, war das bis dahin auch mein einziger. Ich kenne andere Schauspieler, die auch Musik machen, die haben, wenn sie an die Öffentlichkeit gehen, schon etliche Songs fertig und eine klare Strategie. Als ich meinen ersten Song fertig hatte, wollte ich einfach, dass er gleich rauskommt. Das ist auch der Grund dafür, warum man an den Videos meine Entwicklung verfolgen kann. Wenn ich die Musik, die ich mache, gut finde, dann veröffentliche ich sie auch und warte nicht. Deshalb klingen die Songs vielleicht ein bisschen unterschiedlich. Im Moment habe ich nicht so viel Zeit für die Musik, weil ich viel drehe, aber ich kann verraten, dass ein Song bald in einem Film zu hören sein wird – ich darf aber noch nicht sagen, in welchem.

Was dürfen Sie denn sonst über Ihre nächsten Projekte verraten?

Im Herbst läuft „Schattenmoor“ als Film auf ProSieben und als Miniserie auf Joyn. Das geht Richtung Mystery und hat ziemlich viel Spaß gemacht. Dann habe ich das ZDF-Drama „Stumme Schreie“ gedreht das am 18. November kommt. Im neuen Film von Til Schweiger, „Klassentreffen 2.0“, bin ich auch dabei. Und dann habe ich noch einen Animationsfilm für Kinder gemacht, „Latte Igel“.

Das klingt nach sehr, sehr viel Arbeit. Kommen Sie zwischendurch auch mal zum Durchschnaufen?

Mal mehr, mal weniger, aber für mich passt das. Natürlich ist das Filmemachen Arbeit und manchmal Stress – aber es macht mir so viel Spaß, dass es mir nichts ausmacht viel zu arbeiten.

Timur Bartels mit seiner Freundin Michelle Math auf dem Oktoberfest.
Timur Bartels mit seiner Freundin Michelle Math auf dem Oktoberfest. | Bild: Tobias Hase / dpa