Herr Neureuther, im März 2019 hatten Sie Ihr letztes Rennen als Profi-Skirennfahrer. Wie geht es Ihnen im sportlichen Vorruhestand?

Das merke ich eigentlich hauptsächlich daran, dass ich Anfang Mai noch nicht mit dem Training angefangen hatte. Und ich bin froh, dass der Druck vorbei ist. Es ist schon gut, nicht jedes Jahr neu abliefern zu müssen.

Der Skifahrer selbst hat also gar nicht so viel zu sagen?

Im Profi-Skirennsport muss man schauen, dass man von Rennen zu Rennen funktioniert. Die Ergebnisse sind ziemlich kurzlebig. Man ist von einem großen Betreuerteam aus Trainern, Physiotherapeuten, Serviceleuten und Ärzten umgeben, die einem im Prinzip alles abnehmen und für einen da sind. Wenn ich allerdings am Start stehe, hilft mir niemand mehr, dann muss ich allein funktionieren. Mit dem Skisport habe ich meinen Traum gelebt, aber mir ist auch klar, dass das nicht das wahre Leben ist. Nun bin ich selbst dafür verantwortlich, dass mein eigenes Team funktioniert, nämlich meine Familie. Von Ruhestand ist daher im Moment wenig die Rede.

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Wird es nach dem Erfolg Ihres Lieds „Weiterziehn“ nun vielleicht doch eine Schlagerkarriere geben?

Na ja, jetzt habe ich ja noch mehr Druck als auf der Skipiste, nämlich ein zweites Lied erfolgreich zu produzieren. Nein, im Ernst, das war ein Aprilscherz und wird auch ein Aprilscherz bleiben. Es war einfach eine einmalige, aber sehr spaßige Aktion.

Waren Sie von dem Erfolg überrascht?

Dass das so durchschießt, damit konnte keiner rechnen. Aber seitdem sehe ich die Musikbranche in komplett anderem Licht. So toll singen kann ich ja eigentlich gar nicht. Der Komponist, der das Lied geschrieben hat, hat das in einer Nacht geschafft. Die Aufnahmen für das Lied haben zwei Stunden gedauert, für das Video haben wir weitere zwei Stunden gebraucht. Mehr war das nicht. Das steht in keinem Verhältnis zum Erfolg.

Wenn die Schlagerkarriere nicht in Frage kommt, wo darf man dann in Zukunft mit Ihnen rechnen?

Da kann ich noch nichts offiziell machen, aber es gibt natürlich Planungen innerhalb der Skiindustrie und besonders auch im TV-Bereich. Sonst wäre es ja ziemlich fahrlässig gewesen, mit dem Leistungssport aufzuhören. Schließlich habe ich jetzt selbst eine Familie.

Felix Neureuther 2016 beim Weltcup in St. Moritz. 13 Weltcupsiege konnte er während seiner Karriere verbuchen.
Felix Neureuther 2016 beim Weltcup in St. Moritz. 13 Weltcupsiege konnte er während seiner Karriere verbuchen. | Bild: Jean-Christophe Bott / KEYSTONE / dpa

Sie sind Vater einer Tochter, haben aber auch allgemein etwas für Kinder übrig und sind in verschiedenen Projekten engagiert.

Kinder liegen mir sehr am Herzen. Seit elf Jahren organisiere ich ein Racing-Camp für Kinder, bei dem talentierte Nachwuchsfahrer mit mir trainieren können. So hat das alles angefangen. Dann veröffentlichte ich mein erstes Buch zum Thema „Life Kinetik“, da geht es um ein spezielles Gehirntraining, um schneller reagieren zu können. Daraus hat sich das Brainfitness-Programm für Kinder im Allgemeinen entwickelt. Kinder bewegen sich immer weniger und dadurch kommt es in der Gehirnentwicklung zu Defiziten, die wir durch spezielle koordinative Übungen kompensieren können. Da mein Körper durch Verletzungen ständig neu beschädigt wurde, konnte ich mit ähnlichen Übungen Defizite kompensieren. Spannend daran ist, dass das mit leichteren Übungen sogar schon für Kinder ab dem Kindergarten sehr hilfreich ist.

Wie funktionieren die?

Es geht wie gesagt um den Kopf. Zusammen mit der TU München und der Sporthochschule in Köln entwickeln wir für die unterschiedlichen Altersgruppen spaßige, aber koordinativ sehr hilfreiche Programme, die wir unter dem Thema „Beweg‘ dich schlau“ zusammengefasst haben. Mein Ziel ist aber auch, Kinder in die Natur zu bringen und von diesem viereckigen Kastel (greift nach einem Smartphone) wegzukriegen.

Würden Sie Ihren Sport auch an Ihre Tochter weitergeben wollen?

Sie soll einfach in die Natur gehen und Spaß haben. Das unterstützen wir. Für meine Frau und mich ist es einfach das Schönste, auf Berge zu steigen. Da ich wegen meinem Rücken nicht mehr schwer tragen darf, nimmt die Miri die Kleine hinten in die Kraxe und dadurch bekommt unsere Tochter schon früh die Freude an den Bergen und der Natur vermittelt.

Miriam und Felix Neureuther sind seit 2017 verheiratet – in dem Jahr wurde auch Tochter Matilda geboren.
Miriam und Felix Neureuther sind seit 2017 verheiratet – in dem Jahr wurde auch Tochter Matilda geboren. | Bild: Tobias Hase / dpa

Sie und Ihre Frau sind auch Gartenfans. Dieses Hobby würde man nicht unbedingt mit dem adrenalingeladenen Skirennsport in Verbindung bringen.

Wir lieben den Garten einfach. Und man braucht ja auch den Gegenpol, nicht nur das Adrenalin eines Rennens. Meine Mutter Rosi würde sich am liebsten nur im Garten beschäftigen und könnte dafür auch auf Urlaub verzichten. In einem Garten kann man sich zurückziehen. Und in der Position, in der wir sind, will man sich nur noch zurückziehen.

Felix Neureuther im Mai 2019 Gespräch mit Fans beim Besuch der Gewerbeschau in Hohenfels (Kreis Konstanz). Gastgeber war die Firma Paul Saum, die einen Garten für Felix und Miriam Neureuther entwirft. Unser Interview fand am Rande der Gewerbeschau statt.
Felix Neureuther im Mai 2019 Gespräch mit Fans beim Besuch der Gewerbeschau in Hohenfels (Kreis Konstanz). Gastgeber war die Firma Paul Saum, die einen Garten für Felix und Miriam Neureuther entwirft. Unser Interview fand am Rande der Gewerbeschau statt. | Bild: Stephan Freißmann

Mähen Sie auch selbst den Rasen?

Na klar. Im Garten bin ich fürs Grobe zuständig, Miri übernimmt Gewürze und die Blumen.