Asa, Ihre Serie „Sex Education“ verrät schon im Titel, dass es darin viel um Sex geht. Ist das Thema nicht ohnehin omnipräsent in unserer Gesellschaft?

Sagen wir mal so: Es liegt vielleicht in der Luft, aber wirklich sprechen tun wir über Sex eigentlich eher wenig. Und wenn, dann nicht auf die Art und Weise, wie es angebracht wäre. In vielerlei Hinsicht ist das schon auch heute noch ein Tabu, gerade zwischen Kindern und Eltern.

Deswegen finde ich das ganz cool, dass wir mit der Serie vielleicht ein bisschen dazu beitragen, den Umgang mit Sex auch zu normalisieren. Denn wir zeigen ja, dass es auch sehr chaotisch und witzig zugehen kann in Sachen Sex – und das es vollkommen okay ist, bei diesem Thema unbeholfen zu sein.

Wie sah denn Ihre eigene Sexualerziehung aus, wenn ich fragen darf?

Natürlich wurde das Thema in der Schule behandelt, aber der Unterricht war ehrlich gesagt ziemlicher Mist. Alles wurde ziemlich einseitig und eigentlich rein biologisch erklärt, dabei sollte man doch Kids vielleicht auch etwas über Intimität oder Scham oder auch Unbeholfenheit erzählen. Mit meinen Eltern habe ich allerdings auch nicht wirklich über Sex gesprochen, einfach weil mir das mit ihnen echt zu unangenehm war. Und ihnen, vor allem meiner Mutter, glaube ich noch viel mehr. Wirklich etwas gelernt über Sex habe ich also nur von meinen Altersgenossen. Und durch das Internet, was bekanntlich mit Vorsicht zu genießen ist.

Es ist ja heute viel die Rede davon, dass die grenzenlose Verfügbarkeit von Sex und Pornos im Internet Ihre Generation geradezu verdorben hat.

Was soll ich sagen, ich habe ja keinen Vergleich. Ich weiß nicht, wie es ist, wenn man sich in eine Videothek schleichen muss, die eigentlich erst ab 18 Jahren ist, um vielleicht einen Porno zu sehen. Ich kenne es nicht anders, als dass so was nur ein paar Klicks entfernt ist. Aber es ist nicht so, dass ich und viele andere in meinem Alter nicht wüssten, welche Folgen das hat – und das kaum etwas von dem, was man online findet, ein ehrliches Bild davon zeichnet, was Sex in der Realität wirklich ist.

Vor der Kamera Sexszenen spielen zu müssen oder über Geschlechtsorgane und Ähnliches zu sprechen, ist vielleicht nicht der Traum jedes jungen Schauspielers. Hatten Sie bei „Sex Education“ irgendwelche Berührungsängste?

Nein, in dieser Hinsicht hatte ich null Bedenken. Allerdings komme ich ja in der ersten Staffel auch glimpflich weg, was peinliche Szenen angeht. Ein paar Mal muss ich mir einen runterholen, aber das fand ich eher witzig, weil ich so etwas noch nie gespielt hatte. Ohnehin sind solche Sachen halb so schlimm, wenn man von Leuten umgeben ist, mit denen man sich unglaublich toll versteht. Zumal es ja nicht darum geht, sexy und erotisch zu wirken, sondern wahrhaftig, nachvollziehbar und lustig.

Sie und Ihre Kollegen waren also auch hinter der Kamera schnell eine Clique?

Das ging schlagartig. Wir haben uns super verstanden, von Anfang an. Wir drehten jeden Tag auf diesem Schulgelände und hatten wirklich das Gefühl, wir seien Klassenkameraden oder so. Außerdem wohnten wir während der Dreharbeiten alle im gleichen Apartmentblock. Diese Dreharbeiten waren wirklich ein ganz besonderes Erlebnis.

Und es hat auch nicht genervt, mit 21 Jahren noch einmal 16 sein zu müssen?

Gute Frage. Vielleicht hätte es das, wenn ich auch die ganzen letzten Jahre immer irgendwelche High-School-Kids gespielt hätte. Jahrelang Pubertät, das wäre vielleicht etwas mühsam. Aber ich habe ja meistens Rollen gespielt, die ganz schön reif waren für ihr Alter. Und sich selten in so einem klassischen Teenie-Umfeld befanden. Deswegen hat es mich nicht gestört, jetzt noch mal einen Schüler zu spielen. Außerdem ist es für mich als Schauspieler durchaus vorteilhaft, dass ich scheinbar jünger aussehe, als ich bin. Dann kann ich auch mit 30 Jahren noch Mittzwanziger spielen!

Sie stehen seit über zehn Jahren vor der Kamera. Wussten Sie immer, dass die Schauspielerei Ihr Beruf werden würde?

Darüber habe ich am Anfang noch nicht wirklich nachgedacht. Meine erste große Hauptrolle in „Der Junge im gestreiften Pyjama“ hat Spaß gemacht, aber mehr auch nicht. Danach war mein Berufswunsch immer noch, Tier-Dokus zu drehen oder Dinosaurierknochen auszubuddeln. Erst als ich mit Martin Scorsese „Hugo Cabret“ drehte, änderte sich das. Da packte mich die Magie des Kinos und ich merkte, welche unglaublichen künstlerischen Möglichkeiten sich auf diesem Gebiet auftun.

Und so haben Sie sich nach der Schule auch gegen ein Studium entschieden?

Natürlich habe ich darüber nachgedacht. Aber ehrlich gesagt war ich nach all den Jahren, die ich die Schulbank gedrückt hatte, auch ganz froh, mal eine Pause von unserem Bildungssystem einzulegen. Ich hatte damals ja schon viel gedreht und freute mich einfach aufs Arbeiten. Was nicht heißen soll, dass ich mir nicht vorstellen könnte, irgendwann auch mal wieder etwas zu machen, was mit der Schauspielerei rein gar nichts zu tun hat.