Nicole, Ihr neues Album heißt „50 ist das neue 25“ . Der Titel freut jede Frau um die 50. Wie kamen Sie darauf?

Es war meine Absicht, Frauen Mut zu machen, dass da noch etwas kommt jenseits der 50. Ich habe das Album zusammen mit Heinz Rudolf Kunze gemacht, den ich schon immer bewundert habe. Ich sagte ihm, dass ich jemanden brauche, der sich in das Denken einer Frau einfühlen kann. Das war eine Herausforderung für ihn, aber er hat sie sensationell gemeistert. (lacht) Als er mir die Songs „50 ist das neue 25“ und „Gerne am Leben“ vorgespielt hat, hatte ich Tränen in den Augen.

Wie ist Ihr aktuelles Lebensgefühl?

Ich bin gerne am Leben. Mir geht es wunderbar, ich bin gesund und fit. Und wenn ich zurückblicke, dann war das überwiegend schön. Ich hatte Erfolg in meinem Beruf, habe eine glückliche Familie, wohl geratene Kinder und süße Enkelkinder.

Dabei war Ihr Leben ja nicht immer stressfrei, vor allem, wenn man an die Zeit nach Ihrem Sieg beim Grand Prix denkt. Da waren Sie gerade mal 17.

Damals war sehr viel Trubel um mich herum. Ich bin unglaublich viel gereist nach meinem Sieg, durch ganz Europa bis nach Japan, nebenbei musste ich die Schule beenden. Ich saß abends oft in meinem Hotelzimmer und dachte mir: „Okay, nun ist aber mal gut, jetzt ist Feierabend!“ Wenn man ständig unter Dauerstrom ist, dann braucht man halt auch mal ein bisschen seine Ruhe.

Hatten Sie das Gefühl, dass man Ihnen durch den frühen Erfolg ein Stück Kindheit und Jugend genommen hat?

Nein, weil es immer mein Traum war, auf einer Bühne zu stehen – seit meiner frühesten Kindheit. Ich kann mich noch daran erinnern, dass ich schon als Vierjährige gesungen und Applaus bekommen habe. Das war ein tolles Gefühl. Der Applaus ist wie eine Art Droge gewesen, den wollte ich von da an immer haben. Ich habe dann Akkordeon spielen gelernt, Ballettunterricht genommen, mit zwölf Jahren habe ich noch Gitarre spielen gelernt. Die Musik war immer mein Begleiter.

In Ihrem Song heißt es: „Es gibt ein Leben vor dem Tod.“ Beschäftigen Sie sich mit der eigenen Endlichkeit?

Natürlich bin ich mir dessen bewusst, aber ich lebe von Tag zu Tag. Ich werde bald 55 Jahre alt, gerade die letzten fünf Jahre sind extrem schnell vergangen. Aber ich habe keine Probleme mit dem Alter. Man ist so alt, wie man sich fühlt, das ist tatsächlich so. Und ich fühle mich nicht alt. Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, dann lacht er. Ich habe auch keine Zipperlein, bin froh, dass ich so fit bin und so viel Energie habe.

Sie halten seit Jahren Ihre Figur. Tragen noch immer Größe 36. Wie machen Sie das?

Ich habe im Keller eine „Folterkammer“ und da trainiere ich jeden zweiten Tag. Über meinem Laufband hängt ein Fernseher, meistens schaue ich Sport. Das motiviert mich und die 20 Minuten sind dann immer ganz schnell vorbei. Ansonsten achte ich natürlich auf meine Ernährung.

Stimmt es, dass Sie seit 35 Jahren keine Süßigkeiten mehr essen?

Ja, das stimmt. Keine Schokolade, kein Kuchen, kein Zucker. Auch kein Weißmehl. Ich koche sehr gerne, mache Nudeln aus Dinkelmehl oder Kichererbsenmehl. Auch Eiweißbrot esse ich. Kohlenhydrate spare ich mir.

Eines Ihrer neuen Lieder heißt „Sag nicht alles“. Sind Sie dafür, Geheimnisse vor dem Partner zu haben?

Ich finde, man kann schon kleine Geheimnisse haben. Man muss dem Partner nicht alles sagen, ihn nicht mit Dingen belasten, die er nicht unbedingt wissen muss. Manche Leute wollen nur ihr eigenes Gewissen erleichtern und bringen damit viel Unruhe in die Beziehung. Manchmal ist Schweigen einfach besser. Bei großen Dingen muss man natürlich miteinander diskutieren, das ist klar.

Ihr Mann Winfried war der erste Mann in Ihrem Leben.

Und der Einzige! Ich war 14, als wir uns kennengelernt haben, und Winfried 17. Als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, hörte ich eine Stimme in meinem Kopf, die zu mir sagte: „Das ist er – du musst nicht weitersuchen!“ Das war tatsächlich ein magischer Moment. Wir sind quasi miteinander erwachsen geworden.

Ist Ihr Mann heute auch Ihr Manager?

Nein, das denken viele, aber ich manage mich selbst. Ich habe keinen Manager, will selbst entscheiden, welche Engagements und Auftritte ich mache und welche nicht. Ich möchte mich niemandem ausliefern, der dann bestimmt, wo ich auftreten muss.

Was schätzen Sie am meisten an Ihrem Mann?

Seinen Beschützerinstinkt. Er spürt instinktiv, wenn eine Situation unentspannt ist und stellt sich immer vor mich. Er ist mein Fels in der Brandung, auf den ich mich immer verlassen kann.