2019 ist es genau 25 Jahre her, dass Toni Collette quasi über Nacht bekannt wurde. Damals spielte die Australierin die Titelrolle im Überraschungs-Erfolg „Muriels Hochzeit“ und verzauberte damit das Kino-Publikum auf der ganzen Welt. Wenig später gelang ihr auch der Sprung nach Hollywood, für „The Sixth Sense“ wurde sie sogar für einen Oscar nominiert. Nun spielt sie die Hauptrolle im Horrorfilm des Jahres: „Hereditary – Das Vermächtnis“.

Die Rolle sei die vielleicht anstrengendste ihres Lebens gewesen, sagt die 45-Jährige. Bereut hat sie es trotzdem keine Sekunde lang, dass sie sie angenommen hat. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, sagt Collette. „Die Arbeit an diesem Film hat mich wirklich fix und fertig gemacht, aber diese Herausforderung war gleichzeitig auch enorm erfüllend. Auf geradezu perverse Weise befriedigend.“ Nach solchen ungewöhnlichen Rollen, in denen man an seine Grenzen gehen kann, suche man als Schauspieler doch händeringend.

Bloß nichts Dramatisches!

Dabei hätte die Schauspielerin das Drehbuch „um ein Haar“ gar nicht gelesen, wie sie zugibt. Ein Grund könnte gewesen sein, dass sie kein Fan von Horrorfilmen ist, weil sie sich nicht gern fürchtet. „Und Schreckensmomente verfolgen mich immer viel länger, als mir lieb ist.“ Ausschlaggebend war aber etwas anderes: Collette wollte eigentlich fürs Erste nur noch leichte Kost spielen, „bloß nichts Dramatisches und Aufwühlendes, das an die Nieren geht“. Das sei reiner Selbstschutz gewesen, weil sie zuvor „eine ganze Reihe sehr emotionaler Filme gedreht“ hatte.

Das Drehbuch las sie in einer schlaflosen Nacht, mit nicht gerade guter Laune. Aber: „Diese Geschichte war so originell und überraschend, dass ich sofort in ihren Bann gezogen wurde. Nicht zuletzt, weil sie eben viel mehr ist als bloß Horror, nämlich ein sehr schmerzhafter und irgendwie auch wunderschöner Blick auf das Thema Trauer.“ Collette spielt in dem Film eine traumatisierte Frau, die mit Schicksalsschlägen fertig werden muss. Das Problem mit intensiven Emotionen sei, „dass man nicht nur so tun kann, als würde man sie spüren. Man muss schon, so gut es irgendwie geht, hineingehen in diese Gefühle und sich in diese Frau hineinversetzen.“ Das sei sehr anstrengend gewesen.

Nichts für schwache Nerven

Für schwache Nerven ist „Hereditary“ mit Sicherheit nichts – und erst recht kein Film, den Collette ihren beiden Kindern (geboren 2008 und 2011) zeigen könnte. Anders als bei anderen Dreharbeiten war dieses Mal auch ihre Familie nicht mit dabei. „Ich war in der Einöde von Utah einigermaßen isoliert, was sehr hilfreich war“, erinnert sich Collette. „Allerdings war es gleichzeitig wichtig, dass ich an den Wochenenden so oft wie möglich nach Hause nach Los Angeles flog, um meine Kinder zu sehen. Diese zwei völlig getrennten Welten waren wichtig, der Raum für mich selbst auf der einen und die Alltagsnormalität auf der anderen Seite.“

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Es ist nicht das erste Mal, dass die Australierin sich in einem Film mit übersinnlichen Phänomenen herumschlagen muss. Vor fast 20 Jahren war sie in „The Sixth Sense“ zu sehen. An den Film denke sie noch oft zurück – gerade jetzt, „denn es gibt ja interessante Parallelen“ zu „Hereditary“. Die Arbeit an beiden Filmen habe sich ähnlich angefühlt, sagt sie. „In beiden Fällen standen Regisseure hinter der Kamera, die am Anfang ihrer Karriere standen und erkennbar große Talente waren und sind. In beiden Fällen werden klassische Familien-Dramen erzählt, die irgendwann eine übersinnliche Wendung nehmen. Und in beiden Fällen spürt man eine gewisse Aufregung und Begeisterung rund um den Kino-Start.“