Frau Hausburg, schauen Sie sich eigentlich Ihre eigenen Filme an?

Doch, schon. Ich schaue sie mir aber erst mal allein an, weil meine Familie und meine Freunde mich so gut kennen, dass ich immer das Gefühl habe, sie würden mich total durchschauen. Deshalb muss ich erst mal allein schauen, damit ich sehe, wie der Film geworden ist. Danach höre ich mir gerne alle Meinungen an.

Ist Ihnen wichtig, was Familie und Freunde sagen?

Manchmal ja, aber ich versuche auch, das Private und das Berufliche zu trennen. Denn erst einmal muss ja der Regisseur oder die Regisseurin zufrieden sein. Ich freue mich natürlich über Feedback – und ich muss auch immer Bescheid sagen, wenn etwas im Fernsehen läuft, sonst sind mir alle ganz böse. (lacht)

Wie fühlt es sich an, sich selbst im Fernsehen zu sehen?

In den ersten Jahren hat sich das noch ganz schlimm angefühlt, aber ich habe mich daran gewöhnt. Da ist zwar kein Gefühl der absoluten Zufriedenheit, und ich kann es nicht wirklich genießen, weil ich immer noch etwas sehe, das man ändern kann – aber das treibt mich auch an.

Sie sind in "Küss die Hand, Krüger" in einer kleinen, aber feinen Rolle zu sehen. Es ist der dritte Film der Reihe – haben Sie trotz Ihrer vergleichsweise wenigen Szenen den Eindruck, dass Ihre Figur, Annie, sich weiter entwickelt?

Absolut, und das macht großen Spaß, wenn man in einer Rolle wachsen kann. Es geht in den Filmen ja auch um die Beziehung zwischen Annie und ihrem Großvater Paul. Annie ist inzwischen verheiratet, sie hat ein Kind – das zu erzählen, ist schön, weil es für mich mal etwas ganz anderes ist: Ich wechsle von der Teenager-Rolle in die Rolle der jungen Frau.

Wie viel Einfluss haben Sie auf Annie? Steckt viel von Ihnen in ihr?

Ich glaube, dass man sich als Schauspieler selten ganz von einer Rolle ablösen kann. Man schöpft ja aus den eigenen Erfahrungen und wandelt sie auf die jeweilige Situation um. Das ist wie emotionales Futter, das tief in einem drin ist. Das ist auch deshalb gut, weil man für die Erarbeitung einer Rolle heute oft nur wenig Zeit hat. Bei den Krüger-Filmen war es so, dass der Regisseur uns auch Freiheiten lässt, sich dann anschaut, was wir machen und vielleicht hier und da noch etwas anmerkt und verbessert. Das ist ja im Sinne des ganzen Films.

Sie haben zum zweiten Mal mit den gleichen Kollegen gedreht. Besteht da schon eine gewisse Verbundenheit?

Es ist immer eine Freude, wenn man weiß, auf wen man beim Dreh trifft. Das gibt einem auch eine gewisse Sicherheit, weil der erste Kontakt sonst ja immer mit einer dezenten Aufregung verbunden ist. Ich würde aber nicht sagen, dass sich Freundschaften entwickelt haben, was sicher auch daran liegt, dass es bei mir ohnehin ganz selten passiert, dass aus einer Berufsbekanntschaft eine Freundschaft wächst.

In den Filmen dreht sich viel um die Familie. Ist das etwas, was Ihnen auch sehr am Herzen liegt?

Die Familie kann man sich ja nicht aussuchen. Ich habe Glück – ich bin sehr glücklich mit meiner Familie. Bei uns ist es total wichtig, dass man sich verträgt, egal was los ist. Meine Oma ist 92 und sie sagt immer nur: "Nicht streiten!" Das ist das Einzige, was sie sich wünscht, und das hat auch seinen Grund. Sie hat ja Zeiten erlebt, in denen der Zusammenhalt noch viel wichtiger war.

Hat Ihre Familie Sie unterstützt, als Sie als Kind mit der Schauspielerei angefangen haben?

Ich habe das alles komplett meinen Eltern zu verdanken. Meine Mutter und mein Vater haben mich immer begleitet und sie standen manchmal stundenlang am Set, wenn ich gedreht habe. Sie haben sich wirklich für mich eingesetzt und in der Schauspielerei immer mehr als ein Hobby gesehen. Auch wenn es in der Schule mal schwierig war, weil ich gefehlt habe – meine Eltern standen hinter mir. Wenn sie nicht gewesen wären, dann wäre sicher alles anders gekommen.

Sie haben keine Schauspiel-Ausbildung gemacht – haben Sie das mal bereut?

Nein, aber ich denke, dass ich auf jeden Fall mal ein bisschen Geld in Coaching investieren werde. Für die Schauspielschule bin ich inzwischen zu alt, das wird sowieso nichts mehr! (lacht) Aber von Null anzufangen, das macht auch keinen Sinn. Ich habe noch ganz viele Baustellen, positiv ausgedrückt: ganz viel Potenzial. Stimme und Sprache zum Beispiel, das ist ja das Handwerk eines Schauspielers – dadurch, dass ich keine Ausbildung habe, ist das bei mir tatsächlich ein Defizit. Aber die Grundlagen der Schauspielerei habe ich beim Drehen gelernt, zum Beispiel auf die jeweilige Situation und den Partner einzugehen. Es ist wichtig, wenn man ein Drehbuch vor sich hat, dass man sich nicht zu sehr auf eine Vorstellung versteift, sondern schaut, wo bin ich, mit wem bin ich hier und was machen wir, und das alles aufzunehmen und darauf zu reagieren.

Und was ist mit Ihrem Studium der Kunstgeschichte?

Ich bin da noch immer in den letzten Zügen … Ich muss zugeben, dass ich es extrem schleifen lasse, weil in den entscheidenden Phasen bisher immer irgendetwas dazwischen kam und das Studium unter der Schauspielerei gelitten hat. Dann habe ich immer wieder gesagt, ich lasse mir eben noch ein Semester Zeit. Aber ich möchte jetzt wirklich fertig werden. Es ist auch nicht mehr viel.

Und wenn Sie fertig sind, soll dann die Schauspielerei Vorrang haben und das Studium ist Ihre Sicherheit? Oder ist es andersherum und die Schauspielerei wird Ihr Hobby?

Für mich steht ganz klar die Schauspielerei immer an der ersten Stelle. Trotzdem will ich jetzt unbedingt das Studium abschließen, und das wird sicher auch zu Lasten meines eigentlichen Berufs gehen. Ob die Kunstgeschichte wirklich ein zweites Standbein sein kann, wird man sehen.

Mit Ihren 27 Jahren haben Sie schon viel gemacht, haben aber auch noch viel vor sich. Machen Sie sich Gedanken darüber, welche Rollen Sie gern noch spielen würden?

Absolut. Ich bin in einem Alter, in dem man sich dann doch langsam etablieren will und sich wünscht, dass die Leute wissen, wer man ist. Deswegen bin ich zum Beispiel dem Thema Serie gegenüber gar nicht abgeneigt. Einerseits bietet so eine Serie eine gewisse Geborgenheit, die ich in meinem Arbeitsleben bisher noch nicht hatte – und es wäre ja auch mal ganz schön, eine Rolle über längere Zeit zu spielen. Ansonsten wünsche ich mir natürlich Rollen, die total anders sind als das, was ich bisher gemacht habe. Fernab von dem lieben blonden lieben Mädchen, weg von der Sympathieträgerin.

Haben Sie eine Traumrolle?

Nein, ich will einfach viel spielen, das muss gar nichts Bestimmtes sein. Hauptsache, es ist immer was los.

In den Filmen um Paul Krüger wird gern mit Klischees gespielt. Erst ging es um die Türken, dann um die Griechen, nun um die Österreicher. Da wird viel überspitzt und sicher ist nicht immer alles zu hundert Prozent politisch korrekt. Macht Ihnen so etwas Spaß?

Ja, ich finde die Filme absolut amüsant. Es ist doch spannend, wenn Menschen wie Paul Krüger auch im Alter noch mit etwas Neuem konfrontiert werden und aus ihrer Engstirnigkeit ausbrechen müssen. Ich finde es schön, wenn Menschen sich solchen Herausforderungen stellen. Es gibt schließlich genug Leute, die das nicht hinkriegen, die nicht flexibel sind und es auch nicht sein wollen. Die Unterschiede zwischen den Kulturen auf eine lustige Art und Weise darzustellen, finde ich gut.

Drehen Sie eigentlich bevorzugt Komödien? Oder darf es ruhig auch mal ein Drama sein?

Ich mag beides. Wenn ich mal eine Komödie drehe und darin eine ernste Szene habe, höre ich oft: "Mit dir muss ich aber mal ein Drama machen!" Und wenn ich etwas Dramatisches drehe, bin ich immer versucht, auch etwas Komik reinzubringen. Das Hochemotionale beim Drama und das Timing bei der Komödie – das finde ich beides total cool.

 

Zur Person

Anna Hausburg, geboren 1990 in Berlin, begann ihre Karriere vor der Kamera als Darstellerin in Werbespots. Sie hat in Serien wie "Meine schönsten Jahre" (RTL) und "Alles über Anna" (ZDF) mitgespielt, etliche Filme gedreht, darunter Reihen wie "Das Traumhotel" (ARD). Auch im Kino war sie zu sehen, unter anderem 2006 in "TKKG – Das Geheimnis um die rätselhafte Mind-Machine" und 2007 als Eva in "Leroy".