Tye, in „Ready Player One“ spielen Sie einen jungen Mann, der die meiste Zeit als Gamer in einer virtuellen Realität verbringt. Sind Computerspiele auch privat Ihr Ding?

Klar habe ich in meiner Jugend auch ein paar Games gezockt. Aber längst nicht so viele wie andere in meinem Alter. Ich wuchs in Texas auf, im Nirgendwo, und war eigentlich die meiste Zeit draußen. Sport war meine große Leidenschaft, aber wir waren auch oft jagen und angeln. Wenn ich Videospiele gespielt habe, dann eigentlich immer nur mit Freunden. Und auch fast immer nur Sportspiele. Bei Ego-Shootern war ich schon früher so schlecht, dass ich meinen Kumpels dabei lieber zugeguckt habe als selbst zu zocken.

Anderen beim Spielen zuschauen – ist das nicht fürchterlich langweilig?

Oh nein, gar nicht. Ich fand das immer spannend wie einen Film. Und warum sollte ich mitspielen, wenn die anderen so viel besser sind als ich? Aber ich muss ja gestehen, dass ich bei „Ready Player One“ noch viel spannender als den Game-Aspekt das Virtual-Reality-Szenario fand. Denn obwohl ich die Roman-Vorlage von Ernest Cline gar nicht kannte, war das ein Thema, mit dem ich mich schon seit einer Weile auseinandersetze.

Der Film zeigt Menschen, die kaum noch Zeit in der Realität verbringen – und in der virtuellen Welt Avatare wählen, die häufig rein gar nichts mit ihrer tatsächlichen Identität zu haben. Glauben Sie, dass wir uns als Gesellschaft tatsächlich in eine solche Richtung entwickeln?

Im Grunde sind wir doch längst da angekommen. Klar, wir tragen nicht alle von früh bis spät Virtual-Reality-Brillen und tauchen in irgendwelche Parallelwelten ab. Aber denken Sie mal daran, wie viel Zeit die Leute heutzutage in sozialen Netzwerken und auf digitalen Plattformen verbringen. Und die Identitäten, die sie auf Instagram oder Twitter präsentieren, haben vielleicht auch nur bedingt mit der Wirklichkeit zu tun. Alles dreht sich ums digitale Image. Deswegen fand ich von Anfang an, dass „Ready Player One“ zwar in der Zukunft spielt und eine Hommage an die Pop-Kultur der 80er-Jahre darstellt, aber eben vor allem doch eine Metapher auf unsere heutige Zeit ist.

Apropos 80er-Jahre: konnten Sie – als jemand, der erst 1996 geboren wurde – mit all den Anspielungen in der Geschichte überhaupt etwas anfangen?

Mit manchem kannte ich mich besser aus als mit anderem. Die Filme der 80er, um die es in „Ready Player One“ geht, waren mir durchaus vertraut, die liefen natürlich auch später im Fernsehen oder es gab sie auf DVD. Bei der Musik sah es dagegen ganz anders aus. Und während ich zwar viele Automatenspiele wie „Pac-Man“ kannte, musste ich erst einmal lernen, wie man einen Atari-Joystick richtig hält.

Was sind denn Ihre Lieblings-Filme aus den 80ern?

Da gibt es natürlich einige. „Zurück in die Zukunft“ zum Beispiel liebe ich sehr. Und „E.T.“ ist sicherlich einer meiner absoluten Lieblinge, egal aus welchem Jahrzehnt.

Dann war es sicherlich etwas Besonderes, ausgerechnet mit Steven Spielberg zu drehen, oder?

Das war wirklich ein Traum, der wahr wurde. Selbst als ich das Drehbuch zu lesen bekam und zum Casting eingeladen wurde, war ich mir noch sicher, dass ich die Rolle nicht bekommen würde. Weil es so unwirklich erscheint, dass ein Junge aus einer kleinen Stadt im Nirgendwo ausgewählt wird, um mit dem Helden seiner Kindheit zusammenzuarbeiten. So ganz kann ich immer noch nicht glauben, dass genau das dann doch Wirklichkeit wurde.

Gemeinsam mit einem Freund haben Sie eine Firma namens Aether, Inc. gegründet …

Das stimmt, im Grunde ein Tech-Start-up, bei dem es auch um Virtual Reality und um interaktives Fernsehen geht. Und zwar unabhängig von meiner Arbeit an „Ready Player One“ oder anderen Filmen. Aber ich kann und will eigentlich noch gar nicht viel darüber sprechen. Wir werden uns mit einigen sehr großen Partnern zusammentun und ein paar öffentliche Ankündigungen stehen demnächst an. Aber auf jeden Fall ist diese Firma eine Sache, die ich gerade sehr aufregend finde.

Lässt sich das denn problemlos mit der Schauspielerei unter einen Hut bringen?

Das ist gar nicht so einfach, keine Frage. Zum Glück habe ich tolle Menschen, mit denen ich zusammenarbeite, sowohl im Start-up als auch im Filmgeschäft. Wenn ich gerade mit einer Sache beschäftigt bin, liegt die andere nicht automatisch brach. Aber die Balance zwischen beidem zu finden, ist wirklich oft schwierig. Und Zeit für irgendetwas Drittes bleibt quasi gar nicht.

Haben Sie das Zeug zum Geschäftsmann?

Mir macht diese Seite des Projekts auf jeden Fall Spaß. Und die vergangenen Monate waren auf jeden Fall ein echter Crashkurs, was das angeht. Angefangen haben wir Aether, Inc. wirklich nur aus einer Leidenschaft heraus. Aber mittlerweile bin ich mehr und mehr überzeugt davon, dass es auch strategisch richtig war, schon so jung die erste eigene Firma zu gründen. Denn selbst wenn am Ende kein Erfolg dabei herauskommt, ist das eine Erfahrung, bei der man unglaublich viel lernt. Das könnte später zu einem riesigen Vorteil werden, denn man hat immer einen gewissen Vorsprung vor denjenigen, die später angefangen haben.

 

Zur Person

Tye Sheridan (21) kam als Teenager eher zufällig zur Schauspielerei, als Regisseur Terrence Malick den Sohn einer Schönheitssalon-Besitzerin und eines Paketzustellers bei einem Casting in Texas entdeckte. Anschließend übernahm Sheridan neben Matthew McConaughey die Hauptrolle in „Mud“ und wurde für „Joe – Die Rache ist sein“ in Venedig als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. Er war in „X-Men: Apocalypse“ sowie in Filmen mit Stars wie Charlize Theron und Jennifer Aniston zu sehen. In „Ready Player One“ spielt er seine bislang größte Rolle.