Mr. Driver, Sie spielen im Film „The Man Who Killed Don Quixote“ einen Regisseur in Schwierigkeiten. Hatten Sie den Eindruck, das Alter Ego Ihres Regisseurs Terry Gilliam zu verkörpern?

Darüber habe ich nicht wirklich nachgedacht. Aber natürlich lassen sich gewisse symbolische Parallelen erkennen zwischen Terrys eigenem langen Kampf mit diesem Film und dem, was meine Figur durchmacht. Allerdings würde ich sagen, dass Terry nicht nur durch den von mir gespielten Regisseur Toby, also Sancho Pansa, repräsentiert wird, sondern auch durch Don Quixote. Er ist zwar vielleicht nie pessimistisch, aber er sieht der harten Realität ins Auge. Und gleichzeitig ist er, ähnlich wie Don Quixote, immer schon dabei, Neues zu entdecken und auszuprobieren.

Gilliam hat alles in allem gut 25 Jahre lang versucht, diesen Film Wirklichkeit werden zu lassen. Vor Jahren hatte er sogar schon einmal zu drehen begonnen, da spielte Johnny Depp Ihre Rolle. Setzt eine solche Vorgeschichte Sie als Schauspieler unter Druck?

Nein, davon kann ich mich freimachen. Denn das ist ja nicht meine Geschichte mit diesem Projekt. Außerdem habe ich Ähnliches schon einmal erlebt, als ich in Martin Scorseses „Silence“ mitgespielt habe. Auch das war so ein Herzensprojekt, das über 20 Jahre brauchte, um tatsächlich das Licht der Welt zu erblicken. Ich kenne ja die Filmbranche inzwischen ganz gut und weiß, wie schnell es passieren kann, dass ein Film immer wieder verschoben werden muss, weil zum Beispiel die Finanzierung nicht klappt.

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Und in die Fußstapfen von Johnny Depp zu treten, ist nicht seltsam?

Daran auch nur irgendeinen Gedanken zu verschwenden, wäre für meine Arbeit nicht hilfreich. Abgesehen davon hatte meines Wissens nach das Drehbuch, mit dem wir nun gearbeitet haben, nicht mehr viel mit dem zu tun, was Terry damals mit Johnny Depp verfilmen wollte.

Gilliam hat den Ruf, ein verrückter Typ zu sein. Ist die Arbeit mit ihm chaotisch?

Ich will nicht sagen, dass es bei „The Man Who Killed Don Quixote“ nicht manchmal chaotisch zuging, aber das hatte nicht wirklich etwas mit Terry zu tun. Sondern das lässt sich einfach nicht verhindern, wenn man in der Wüste dreht und Wind, Wetter, Sand und Sonnenlicht ausgesetzt ist. Dazu kamen Zeit- und Geldnot, sieben verschiedene Sprachen, die am Set gesprochen wurden. Und nicht zu vergessen: Pferde. Zu beobachten, wie Terry das alles die ganze Zeit ziemlich erfolgreich in den Griff bekam, war ziemlich faszinierend. Er ist so voller Energie und so körperlich, dass es bisweilen aussah, als würde er einen Exorzismus durchführen. Auf jeden Fall war seine Leidenschaft zu jedem Zeitpunkt sehr inspirierend.

Diese Besessenheit von Don Quixote und scheinbar auch Gilliam, kennen Sie die auch an sich selbst?

Vielleicht in gewisser Weise. Es ist als Schauspieler natürlich nicht sehr schwer, eine gewisse Obsession zu entwickeln für die Figur, die man verkörpert. Mich immer mehr in einen anderen zu verwandeln, das kann überwältigend sein und vor allem sehr aufregend. Ich beschäftige mich mit jedem noch so kleinen Detail, und das manchmal so ausführlich, dass ich all diese Kleinigkeiten noch Jahre später im Kopf habe. Oft habe ich sogar erst nach dem Ende einer Rolle das Gefühl, sie bis ins Letzte erfasst zu haben. Früher dachte ich, das läge an meiner Unerfahrenheit, aber inzwischen habe ich mit genug älteren Kollegen gesprochen, denen es genauso geht. Was ich gleichermaßen beruhigend wie erschreckend finde.

„The Man Who Killed Don Quixote“: Adam Driver (links) als Regisseur Toby und Jonathan Pryce als Don Quixote.
„The Man Who Killed Don Quixote“: Adam Driver (links) als Regisseur Toby und Jonathan Pryce als Don Quixote. | Bild: Concorde Filmverleih

Sie haben zuletzt mit Spike Lee und gerade erst mit Noah Baumbach und Jim Jarmusch gedreht. Suchen Sie Ihre Projekte nach den Regisseuren aus?

Nicht nur, aber auch. Macht doch Sinn, schließlich ist Film das Medium des Regisseurs. Terry, Spike Lee oder auch Jim Jarmusch sind Leute, mit deren Filmen ich aufgewachsen bin und die ich seit Ewigkeiten bewundere. Da erscheint er mir nur logisch, dass ich versuche, mit ihnen zu arbeiten. Dass das dann aber tatsächlich auch schon oft geklappt hat, verdanke ich allerdings nicht zuletzt einer Portion Glück und gutem Timing.

Unterscheidet sich die Arbeit an kleinen Filmen grundsätzlich von der an einem riesigen Selbstläufer wie „Star Wars“?

Nein, nicht in künstlerischer Hinsicht, finde ich. Klar, das Budget ist größer und damit ist auch das Catering eine ganze Ecke besser. Aber man spielt in Filmen ja nicht wegen der Verpflegung mit. Und nur weil man davon ausgehen kann, dass ein „Star Wars“-Film von unglaublich viel mehr Menschen gesehen wird als etwa „The Man Who Killed Don Quixote“, ist das nichts, worauf man sich ausruhen könnte. Nicht als Schauspieler und auch nicht als Regisseur.

Die „Star Wars“-Filme haben allerdings Millionen von Fans auf der ganzen Welt, die nicht enttäuscht werden wollen. Stresst Sie das nicht?

Puh, an schlechten Tagen stresst es mich schon, im Hotel Frühstück bestellen zu müssen. Aber mal im Ernst: Als Schauspieler muss ich nur die Erwartungen des Regisseurs erfüllen. Alles andere ist wirklich zweitrangig.