Wie viel Selbstironie ist nötig, um Rick Astley zu sein?

Rick Astley (lacht): Verdammt viel.
 

Sie sind durch ein Internet-Phänomen namens „Rickrolling“ vor einigen Jahren wieder populär geworden. „Rickrolling“ geht so: Man klickt auf irgendeinen Link im Netz und wird zum Videoclip von „Never Gonna Give You Up“ geleitet.

Als ich das erste Mal von „Rickrolling“ hörte, fand ich das eigenartig. Das war schon so ein „What the Fuck“-Moment. Ich dachte, man wolle mich verarschen. Aber dann habe ich es kapiert: Das hätte jeden treffen können mit einem 80er-Jahre-Hit und einem kitschigen Video mit lustigen Tanzszenen drin. Dass es mich traf, ist irgendwo auch eine Ehre. Viele Kids haben durch „Rickrolling“ überhaupt zum ersten Mal von mir gehört. Das ist doch super. Die meisten Künstler würden nach so einer Möglichkeit lechzen.
 

Die MTV-Zuschauer kürten Sie 2008 sogar zum „Besten Künstler aller Zeiten.“

Das ging mir dann doch zu weit. Ich fragte meine Tochter Emilie, die damals 15 war, ob die Leute das ernst meinten. Sie sagte: Nein, Dad, das ist ein Witz und eine Folge von „Rickrolling“. Sie fand das doof und riet mir ab, den Preis persönlich abzuholen. Man kann mich auch nicht ernsthaft in eine Kategorie mit U2 stecken. Das ist albern.
 

Trotzdem ist der Respekt ihnen gegenüber deutlich gestiegen in den vergangenen Jahren. Die Londoner Tageszeitung „Times“ bezeichnete Sie vor kurzem sogar als „Nationalen Schatz“.

Ja, das ist schön. Die öffentliche Wahrnehmung mir und meiner Musik gegenüber hat sich ins Positive gedreht. Ich meine, wir wollen die Kirche im Dorf lassen. Mein Platz ist nicht mehr ganz oben. Ich bin auch nicht cool, selbst wenn einige das neuerdings behaupten. Ich war nie cool, und ich werde nie cool sein, basta. Die Leute mögen mich, weil sie meine Stimme mögen, weil ein paar Songs sie an ihre Jugend erinnern und vielleicht, weil sie diesen Typen Rick Astley ganz nett finden. Mehr ist da nicht.
 

Sie waren der Teekoch in der damals weltberühmten Hitschmiede von Stock Aitken Waterman und wurden gleich mit ihrer allerersten Single „Never Gonna Give You Up“ zum Weltstar. Wie kamen Sie mit dem Erfolg zurecht?

Ich hatte schon meinen Vertrag als Sänger, der Teejunge war ich, weil ich halt der Neue war. Ich wollte berühmt werden, ich bin nicht in diese Karriere hineingestolpert. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie in Manchester, habe als Kind schon in Bands gesungen, war sehr eifrig und träumte davon, dass die Menschen meine Lieder mitsingen. Natürlich war das eine Wahnsinnssache mit dem plötzlichen Erfolg, ein Traum. Ich dachte „Ja, geil, so ist das also“. Die ersten Wochen waren krass und verrückt, danach wurde es normal. Bald erkannte ich die Schattenseiten: Als Popstar hast du keine Kontrolle über deinen Ruhm, du fühlst dich schnell ausgeliefert und machtlos.
 

Es heißt, bei Stock, Aitken und Waterman sei es zugegangen wie in einer Diktatur.

Wir hatten dieses Image, dass wir mit dem Rohrstock durch die Mange getrieben würden. Sicher hat mich ein Pete Waterman in den meisten Belangen kontrolliert, aber anfangs hat mich das nicht gestört. Hart war es, als meine Freunde anfingen, mich anders zu behandeln. Oder als ich nicht mehr ungestört in meiner Lieblingskneipe sitzen konnte. Trotzdem habe ich nicht rebelliert. Ich wollte nicht als ein verwöhnter junger Sack dastehen.
 

Bestand die Gefahr?

Wenn du so großen Erfolg hast wie ich zwischen 1987 und 1990, dann will dir jeder in den Hintern kriechen. Die Leute beklagen sich heute oft über die jungen Fußballer und wundern sich, dass manche von denen Arschlöcher sind, aber ich kann das nachempfinden. Ab deinem zehnten Lebensjahr kriegst du ständig gesagt, wie großartig du bist, später werfen sich dir die Mädchen in die Arme, und du verdienst mehr Kohle als dir gut tut. Oft kommen diese Kids, ob Fußballer oder Popstars, aus nicht sehr gebildeten Familien und drehen dann halt ab. Ich selbst habe mich so gut es ging geschlagen. Ich habe nichts gemacht, wofür ich mich heute schäme.
 

Wann entstand der Plan, zum ersten Mal seit 2002 wieder ein Album zu veröffentlichen?

Letztes Jahr. Ich hatte einen Haufen Songs geschrieben, die ich wirklich mochte. Und bei meinen Konzerten sagten immer mehr Fans „Mach doch mal was Neues“. Schließlich fing ich an zu glauben, dass es sinnvoll ist, ein neues Album aufzunehmen. Ich fand eine Plattenfirma, und jetzt bringe ich sie raus. Aber seien wir ehrlich: Meine Platte wird die Welt nicht aus den Angeln heben. Ich bin als Popsänger nicht besonders relevant. Aber mir ist das Album wichtig, ich will das jetzt auch nicht so abtun. Es ist sehr persönlich.

Fragen: Steffen Rüth

Zur Person

Rick Astley, 50, kam 1987 als damals milchgesichtiger Mann aus Manchester mit „Never Gonna Give You Up“ groß raus. Es folgten noch ein paar Hits, dann verschwand Astley allmählich von der Bildfläche. Jetzt versucht er sich, mit Rückenwind des ironisch-liebevollen Internethypes Rickrolling mit dem Album "50" an einem Comeback. Rickrolling ist ein Internet-Scherz, bei dem ein ahnungsloser Internetnutzer auf ein Videoportal geleitet wird, auf dem ihm das Musikvideo des Liedes "Never Gonna Give You Up" präsentiert wird. (rüt)
 

Das sind die schönsten Hits von Rick Astley

 
Never Gonna Give You Up
 
Keep Singing
 
When you need somebody
 
Together Forever