Die Oscar-Akademie hat den Filmproduzenten Harvey Weinstein (65) nach Vorwürfen von sexuellen Belästigungen aus dem renommierten Verband ausgeschlossen. Er verdiene nicht den Respekt seiner Kollegen, hieß es zur Begründung in einer Mitteilung der Organisation, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Der Vorstand der Academy of Motion Picture Arts and Sciences war am Samstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammengekommen.

Für den sofortigen Ausschluss Weinsteins hätten sich deutlich mehr als die benötigten zwei Drittel der Mitglieder ausgesprochen. Der 54-köpfige Vorstand, dem unter anderem die Oscar-Preisträger Steven Spielberg, Tom Hanks und Whoopi Goldberg angehören, wolle damit auch die Botschaft senden, „dass die Ära von vorsätzlicher Ignoranz und schmählicher Mitschuld bei sexuell rücksichtslosem Verhalten und Belästigungen am Arbeitsplatz in unserer Branche vorbei ist“. Weiter hieß es in der Mitteilung, dass die Akademie nun Richtlinien für „ethisches Verhalten“ erarbeiten wolle.

Erst einmal hatte die Filmakademie in ihrer langen Geschichte ein Mitglied ausgeschlossen. 2004 flog der Schauspieler Carmine Caridi nach 22-jähriger Mitgliedschaft raus. Er hatte Filmbänder weitergegeben, die ihm für die Oscar-Bewertung zugeschickt worden waren. Diese waren dann im Internet als Raubkopien aufgetaucht.

Weinsteins tiefer Fall sorgt seit Tagen für Schlagzeilen. Zahlreiche Schauspielerinnen, Models und Mitarbeiterinnen des Produzenten hatten sich mit Missbrauchs-Vorwürfen gegen den Produzenten zu Wort gemeldet, darunter Ashley Judd, Eva Green, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow, Kate Beckinsale, Cara Delevingne und Léa Seydoux. Die amerikanische Schauspielerin Rose McGowan beschuldigte Weinstein der Vergewaltigung.

Eine Sprecherin des Filmmoguls hatte die Anschuldigungen nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe vor gut einer Woche zurückgewiesen: „Jegliche Vorwürfe von Sex, der nicht in beiderseitigem Einverständnis stattgefunden hat, werden von Herrn Weinstein eindeutig verneint.

 

Reaktionen auf die Vorwürfe

Prominente Branchen-Kollegen haben sich inzwischen von Weinstein distanziert. Filmstars wie Meryl Streep, Ryan Gosling, Tom Hanks, Leonardo DiCaprio und Michael Moore zeigten sich erschüttert über die mutmaßlichen sexuellen Übergriffe und den Machtmissbrauch des Moguls.

Oscar-Preisträger Moore, der mit Weinstein für seine Dokumentation „Fahrenheit 9/11“ zusammenarbeitete, rief am Freitag in einem längeren Facebook-Eintrag dazu auf, „eine Welt ohne Harveys“ zu schaffen. Moore bezeichnete Weinstein als einen „erfolgreichen Soziopathen“, dem es über Jahre hinweg gelungen sei, Frauen heimlich zu missbrauchen. Er selbst habe nichts von Weinsteins Übergriffen gewusst.

 

Von seinem Filmstudio The Weinstein Company (TWC), das er zusammen mit seinem Bruder Bob gegründet hat, ist Harvey Weinstein bereits entlassen worden. In einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Filmzeitschrift „Hollywood Reporter“ hatte sich Bob Weinstein (62) für den Rauswurf seines Bruders aus der Oscar-Akademie ausgesprochen. „Ich bin beschämt und angewidert von dem Verhalten meines Bruders“, sagte der Unternehmer. Harvey sei arrogant, aufbrausend und betrügerisch gewesen, aber von dem ganzen Ausmaß seiner angeblichen Vergehen habe er nichts gewusst.

Harvey Weinstein war seit mehr als 20 Jahren Mitglied der Oscar-Akademie. Seine mit den Miramax-Studios und der Weinstein Company produzierten Filme wurden von der Academy mit mehr als 80 Oscars ausgezeichnet. Fünf davon gewannen den Oscar als bester Film, für „Shakespeare in Love“ gewann Weinstein persönlich den Oscar als bester Produzent.

 

Was ist eigentlich die Oscar-Akademie?

Die sogenannte Oscar-Akademie heißt offiziell Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Es handelt sich um keine Hochschule, sondern um Hollywoods größte Film-Organisation mit zurzeit mehr als 8400 Mitgliedern. Am berühmtesten ist die Academy für die Vergabe des Oscars, des wichtigsten Filmpreises der Welt.

In der Akademie kann man sich keine Mitgliedschaft erkaufen, man wird berufen. Der Weg hinein führt über eine Oscar-Nominierung, über Empfehlungen oder besondere Verdienste um den Film. Es gibt 17 Berufszweige, darunter stellen die Schauspieler und die Produzenten die größten Gruppen. Der Verwaltungssitz des Verbands befindet sich in einem recht schmucklosen Gebäude in Beverly Hills. Präsident ist seit diesem Jahr der Kameramann John Bailey. Zur Academy gehört zum Beispiel auch ein großes Archiv und ab 2019 ein Museum.

Deutsche Mitglieder der Akademie sind zum Beispiel die Regisseurin Maren Ade („Toni Erdmann“), Regisseur Volker Schlöndorff („Die Blechtrommel“) und der Berliner Filmausstatter Bernhard Henrich („Bridge of Spies – Der Unterhändler“).

Der Schauspieler Daniel Brühl („Rush – Alles für den Sieg“) und der in Hamburg geborene Regisseur Fatih Akin („Aus dem Nichts“) zählen zu den 774 Filmschaffenden, die in diesem Jahr als neue Mitglieder von der Oscar-Akademie eingeladen wurden.

Deutsche Regisseurin Suba: Sexismus auch in deutscher Filmbranche alltäglich

Während sich der Sexskandal um Hollywood-Produzent Harvey Weinstein immer mehr ausweitet, werden auch in Deutschland erste Klagen über Sexismus in der Filmbranche laut. Die deutsche Regisseurin Isabell Suba sagte der „Rheinpfalz am Sonntag“, viele Produzenten und Regisseure würden Schauspieler als ihr Eigentum betrachten. „Da wird eigentlich immer gebaggert, angefasst, wie zufällig der Po gestreift“, sagte die Regisseurin.

Sie verwies auf eine Gesprächsrunde von 90 Frauen aus der deutschen Filmbranche, in der jüngst mehr als die Hälfte der Frauen angegeben hätten, sie seien schon einmal sexuell belästigt worden. Aus Angst vor dem Karriereende würden sich die meisten aber nicht zur Wehr setzen. Eine öffentliche Bewegung, wie sie gerade in Hollywood stattfinde, müsse es auch in Deutschland geben, forderte Suba.

Zuletzt war bekannt geworden, dass der einst einflussreiche US-Filmproduzent Harvey Weinstein offenbar seit Jahren Frauen sexuell belästigte. Zuletzt wurden auch Vergewaltigungsvorwürfe laut. Die Oscar-Akademie schloss den 65-Jährigen am Samstag aus ihren Reihen aus.