Eigentlich war die Webvideo-Gala in bereits zu Ende, als die Organisatoren zu einem finalen Höhepunkt ausholten und das Comedy-Trio Y-Titty für ihr Lebenswerk ehrten. Philipp Laude, Matthias „TC“ Roll und Oguz „OG“ Yilmaz enterten nicht nur die Bühne, sondern auch die frisch gegründete Hall of Fame – als erste Webvideo-Stars überhaupt. Muss man eine Gruppe von Mittzwanzigern wirklich für ihr Lebenswerk auszeichnen? Gute Frage. Vielleicht ist das der Lauf der der Dinge in der Internet-Welt. Daran, dass Y-Titty mit ihrer Art des Humors die Videoplattform YouTube in Deutschland extrem geprägt haben, gibt es ohnehin keinen Zweifel.

Am Ende seiner Dankesrede offenbarte vor allem Phil Laude beinahe ein wenig Altersweisheit: „Es war ‚ne krasse Zeit, wir hatten quasi in zehn Jahren so ein ganzes Fame-Leben von ganz unten bis ganz oben, bis Hype, bis ,Jetzt seid ihr irgendwie abgehoben und Mainstream!‘ und dann wieder ganz runter. Das haben wir jetzt alles einmal durch. Danke dafür, dass wir das erleben durften.“ Der 26-Jährige weiß auch, dass mit der Reichweite die Verantwortung kommt, weil man als erfolgreicher YouTuber eine Vorbild-Funktion hat. Laude muss es wissen. Er war es, der 2006 mit seinem Kumpel Matthias Roll das Potenzial von YouTube erkannte und begann, Videos hochzuladen. Die beiden hatten sich beim Tauschen von Pokémon-Karten kennengelernt, nachdem der Halb-Österreicher Laude nach Hilpoltstein gezogen war. Abonnenten, Kanäle, Webvideo-Awards, selbst der Begriff YouTuber – das alles gab es noch nicht. Die ersten fünf Jahre verdienten die Jungs, zu denen bald Oguz Yilmaz stieß, mit den Videos keinen Cent.

Laude verbrachte viel Zeit im Schneideraum und schaffte sein nur Abitur mit Ach und Krach. Anschließend zog das Y-Titty-Team nach Köln und musste dort jeden Cent zigfach umdrehen. Nur ganz langsam änderte sich das: Mit einem Eminem-Cover und einer Twilight-Parodie entstanden die ersten Hit-Videos, der Kanal durchbrach die 100¦000-Abonnenten-Schallmauer und das Trio erhielt den Kika Live Web Award. Angetrieben von der ersten Erfolgen entschlossen sich die YouTube-Pioniere zu einem einfachen, aber genialen Schritt: Sie wurden Profis. Jeden Freitag (oder: FreiTittyTag) gab es einen neuen Sketch und zusätzlich mittwochs die „KommKommShow“ (Kommentare-Kommentier-Show). Die Regelmäßigkeit zahlte sich aus: Die Abo-Zahlen schossen in ungeahnte Höhen, schon bald war Y-Titty der erfolgreichste deutschsprachige YouTube-Kanal überhaupt. Mittendrin: Phil Laude.

Die Erfolge prasselten auf das Trio ein wie Hagelkörner: das erste Youtuber-Musik-Album, die erste YouTuber-Tour, der erste Echo für YouTuber, die ersten YouTuber in der Talkshow von Harald Schmidt. Dann der Vorwurf der Schleichwerbung – und die Konkurrenz nutzte die einmalige Chance, um die Lücke zu schließen. 2014 ging das Trio dann in die kreative Pause.

Zehn Monate lang herrschte auf dem Y-Titty-Kanal Funkstille – die Gerüchteküche brodelte. Stand das Ende bevor? Laut eigener Aussagen waren die drei Video-Produzenten an einem Punkt angelangt, der einen Neustart unabdingbar machte. Laude blickte in der YouTube-Talkshow „Das goldene V“ auf diese Zeit zurück – ihm sei nach einem Gespräch mit seinem Bruder klar geworden, „dass es unsere Community einfach verdient zu erfahren, was Sache ist. Wir haben eben alle Bock, den nächsten Schritt zu gehen, etwas Neues anzufangen. Und dafür muss man manchmal auch das Alte beerdigen. Und dann haben wir eben gesagt: Wenn schon, denn schon, dann eben volle Kanne und auf Y-Titty-Humor und wir singen in einem Song, dass es vorbei ist.“

Gesagt, getan, seither ist Y-Titty YouTube-Geschichte – und Phil Laude startet in seine zweite Karriere. Wie so ziemlich jeder deutsche YouTuber war er in Freshtorges Kinofilm „Kartoffelsalat“ zu sehen, anschließend im Kassenknüller „Bibi und Tina – Mädchen gegen Jungs“, bald kommt die Vater-Sohn-Geschichte „Auf Augenhöhe“. Parallel dazu arbeitet Laude aber auch schon an neuen YouTube-Konzepten.

 

Y-Titty – Parodie von “Radioactive”/Imagine Dragons


Y-Titty – Parodie von “Somebody That I Used To Know”/Gotye feat. Kimbra


Rede von Phil Laude beim Webvideo-Preis


Interview mit Phil Laude am „Bibi und Tina“-Set

 

Phil Laude singt “Mädchen gegen Jungs” in “Bibi und Tina – Mädchen gegen Jungs”


Y-Titty …

… war ein deutsches Comedy-Trio, das durch seine Sketche und Song-Parodien bekannt wurde. Mit über drei Millionen Abonnenten und über 650 Millionen Video-Aufrufen hatte das Trio lange den meistabonnierten deutschen YouTube-Kanal. 2014 gewann die Gruppe sogar einen Echo, Ende 2015 wurde die Auflösung bekannt gegeben.