Für die vergangene Staffel der WDR-Sendung „Zimmer frei“ hatten sich Götz Alsmann und Christine Westermann besondere Gäste geladen. Einer davon: Olli Schulz, seines Zeichens Hybrid aus Singer-Songwriter, Moderator und Comedian. Eigentlich schien alles bereit für einen launigen und spaßigen Abend. Aber es kam anders. Denn Olli Schulz zeigte sich eben nicht als der Blödelbarde, als den ihn die Bild-Zeitung einst abgekanzelt hatte, sondern als nachdenklicher, ehrlicher und launischer Gast. „Es war wirklich so, dass ich sehr vorlaut war in der Schule, aber das war eigentlich ein Selbstschutz. Ich hab‘ mich nie als den Klügsten und den Attraktivsten gesehen und ich wollte gegen Leute anstinken, die mir zu viel abgefeiert worden sind“, sagte er.

Wahrscheinlich ist diese Haltung sein Erfolgsgeheimnis: Der geborene Hamburger trägt keine Maske, sondern präsentiert sich auf der Bühne, im Radio und im Fernsehen ungefiltert, als Mensch mit Fehlern und Gefühlen. Aber auch als Entertainer, der sich bewusst überzeichnet und in abgedrehte Rollen schlüpft. Damit hat der 42-Jährige von Zeit zu Zeit seine Probleme.

Seinen Durchbruch im Mainstream schaffte Schulz als Chaos stiftender Sidekick von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf in deren ProSieben-Sendung „Circus Halligalli“. In heute legendären Einspielern enterte er in der Rolle des Charles Schulzkowski (eine Anspielung an den Dichter Charles Bukowski) mit einem Flachmann bewaffnet die roten Teppiche und hielt der dort versammelten Prominenz angetrunken, aber effektiv den Spiegel vor. Das Publikum zeigte sich begeistert vom furchtlosen Provokateur Olli Schulz, der aber bald feststellte, dass er den Rahmen für sich persönlich überspannt hatte und immer mehr zur kunterbunten TV-Kunstfigur geworden war. Er zog die Reißleine und zeigte sich in der Show seltener.

Das Angebot, eine Samstagabend-Sendung zu moderieren, lehnte Schulz ab und entschied sich für ein kleines, aber feines Format: „Schulz in the Box“. Das Konzept: Er wird in einer engen Holzkiste drapiert und muss sich ohne Vorbereitung in einer neuen Situation zurechtfinden. Die Sendung brachte ihn ins Gefängnis, nach Nepal, Moskau und Tokio. Nach zwei erfolgreichen Staffeln und Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis und auch den Grimmepreis räumte Schulz seinen Platz für andere Mitspieler.

„Ich bin seit 15 Jahren Musiker und es wird Zeit, den Job, den ich so sehr liebe, mal wieder mit Herzblut auszuführen. Deshalb werde ich mir jetzt erstmal eine Auszeit von geregelten TV-Aktivitäten gönnen“, sagt er. Denn auch wenn die breite Öffentlichkeit ihn vor allem im Fernsehen wahrnimmt, ist Olli Schulz in erster Linie Herzblut-Musiker, der lange für seine Karriere kämpfte.

Oliver Marc Schulz, der zunächst bei seinen Ur-Großeltern in Hamburg aufwuchs und erst mit neun Jahren zu seinen Eltern zog, liebte es schon als Schüler, andere zu unterhalten. Er musste sich jedoch über Jahre in der zweiten und dritten Reihe einreihen. Schulz schuftete als Türsteher auf der Reeperbahn und später als Roadie für namhafte Musiker. Parallel dazu arbeitete er stets an eigenem Material – aber ohne den nötigen Biss. Er dümpelte vor sich hin, bis sich seine damalige Freundin ein Herz fasste und dem 26-Jährigen sagte: „Mensch, du bist so kreativ und vergeudest hier dein ganzes Leben!“

Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch gab Schulz die Chance, eine Platte einzuspielen. Gemeinsam mit Max Schröder nahm Schulz als Olli Schulz und der Hund Marie das Lied „Brech mir nicht das Herz, sonst brech ich dir die Beine“ auf. Bis heute hat er drei Alben mit der Band und drei Solo-Scheiben eingespielt. Mit dem Klamauk-Song „Mach den Bibo“ enterte er den fünften Platz beim Bundesvision Song Contest, seine aktuelles Werk „Feelings aus der Asche“ kletterte er auf Rang vier der deutschen Album-Charts. Als Musiker präsentiert sich Schulz als klassischer Singer-Songwriter, als Geschichtenerzähler mit dem Gefühl für besondere Momente.

Heute ist es vor allem die Mischung seiner Talente, die den Vater einer Tochter zu einem der spannendsten Gesichter der deutschen Entertainment-Szene macht. Vor allem seine Zusammenarbeit mit Jan Böhmermann sorgte zuletzt für Furore. Die authentische Chemie zwischen den Moderatoren macht ihr Talk-Format „Sanft und Sorgfältig“ zum erfolgreichsten Podcast in Deutschland und ermöglichte dem Duo auch die Fernseh-Talkshow „Schulz und Böhmermann“ auf ZDFneo.

Authentizität indes bleibt eines der höchsten Güter im bewegten Lebens von Olli Schulz, der einen lukrativen Plattenvertrag ablehnte und lieber bei einem kleinen Label in Hamburg bleibt. Der Wahl-Berliner sieht sich keinesfalls als Star und fühlt sich mit dem Trubel um seine Person überfordert. Passend dazu erklärte er in einem Interview: „Man fängt an, seine Außenwirkung zu reflektieren, und irgendwann denkt man: Ey, du bist auch nur ein ganz normaler Typ, der sich seit Jahren durchgeboxt hat mit seiner Musik und seinem Kram, und du willst nicht auf einmal im Dauer-Mittelpunkt stehen – das befremdet mich ein bisschen.“

Olli Schulz & Band spielen am 11. Juni ab 22.30 Uhr beim Campusfestival in Konstanz. Karten auf http://campusfestival-kn.de/

Olli Schulz in Videos:

Lieder
Spielerfrau


Olli Schulz & der Hund Marie - Der Moment


Olli Schulz & Bernd Begemann: Verhaftet wegen sexy


Fernsehen
„Schulz in the Box“ – im Gefängnis


Olli Schulz bei „Zimmer frei“


“Schulz & Böhmermann” – Best of Staffel 1