Diese zwei jungen Männer bringt so schnell nichts aus der Ruhe. „Wir sind schon eher die gemütlichen und bedächtigen Typen“, sagt Clemens Rehbein (24), der Sänger mit der rauchig-tiefen Stimme und dem wilden – aktuell vergleichsweise aufgeräumtem – Haar (der Kollege hat sich seinen Afro gerade sogar komplett abrasiert), beim Gesprächstermin in Berlin. „Wir sind grundsätzlich sehr gut darin, einen Tag zu verplempern oder einfach vor sich hinplätschern zu lassen.“

Besonders beschaulich war das Leben der Schulfreunde aus Kassel, die sich mit 16 Jahren kennenlernten und seitdem sehr, sehr viel Zeit miteinander verbringen und seit jeher extrem gerne Musik miteinander machen, freilich nicht. Mehr oder weniger zufällig passierte den Jungs bekanntlich dieser Hit, „Stolen Dance“, eine lässige, aber doch auch unwiderstehlich groovende Nummer mit etwa gleich hohem Folk- und Electro-Anteil. Das war 2014 – erst sorgte man im deutschsprachigen Raum für ein Raunen, dann in ganz Europa, schließlich auch in Nordamerika.

Knapp zwei Jahre war Milky Chance mit dem Mega-Hit und dem ersten Album „Sadnecessary“ auf Tour, außer in Asien und Südamerika traten die beiden Schulfreunde überall auf. „Die Musik war viel größer als wir selbst geworden“, so Rehbein. „Das war der totale Kontrollverlust, aber nicht in einem negativen Sinne. Selbst wir, die ja nun echt nicht zum Durchdrehen neigen, waren immer mal wieder überwältigt.“ Etwa, wenn ihnen Freunde aus der Strandbar auf Bali eine Nachricht schickten, dass dort gerade „Stolen Dance“ lief. „Ein Wahnsinn“, resümiert Philipp Dausch (24). „Wir hatten das alles nicht geplant und nicht groß gepusht. Manchmal hat man auch einfach Glück.“ Ihren weltweiten Erfolg überanalysieren wollen sie nicht, denn das wäre wohl das Ende der Unschuld von Milky Chance.

Und so montierten sie nach fünf Monaten Pause (gefüllt mit dem ganz normalen Leben) erneut in Philipp Dauschs Wohnung ihre neuen Songs zusammen, die nun das zweite Album „Blossom“ ergeben. Wieder gelingt es dem Duo, mit scheinbar unaufdringlichen Melodien und dieser fast hypnotischen Stimme von Clemens Rehbein einen Sog zu erzeugen, dem man einfach nicht entkommen mag. Und auch die Balance zwischen oft recht gelöst und sonnig klingender Musik und diesen ziemlich melancholischen weltschmerzlichen Texten kriegen sie wieder einmalig hin, etwa in „Clouds“ oder auch „Cocoon“. Aber es gibt auch eine maßgebliche Änderung: Die Musiker machen weiter viel selbst, vertrauen dieses Mal aber einem Produzenten von außen, und zwar Tobias Kuhn (Miles, Clueso, Tomte). Gemeinsam schufen sie mit „Blossom“ ein wundervolles Frühlings-Album, auf dem sehr viel mehr echte Instrumente zum Einsatz kommen als auf dem Debüt. Rehbein: „Es war geil, wir haben uns richtig ausgetobt. Wir sind keine DJs, sondern richtige Musiker.“ Sollte daran noch jemand gezweifelt haben, weiß er spätestens jetzt Bescheid.

"Stolen Dance":

"Down By The River":

Flashed Junk Mind:

"Cocoon" – die erste Single aus dem neuen Album: