Miss Swank, Ihr Durchbruch als Schauspielerin kam nicht von heute auf morgen. Würden Sie über manche Fernsehrolle, die Sie in den 90er-Jahren spielten, heute gerne das Mäntelchen des Schweigens decken?

Ach, für mich waren diese ersten neun Jahre meiner Karriere einfach eine tolle Lernerfahrung. Alle diese TV-Arbeiten gaben mir das Rüstzeug für die großartigen Gelegenheiten, die sich dann später boten. Man sagt doch oft: Glück ist, was passiert, wenn Vorbereitung auf Gelegenheit trifft. In meinem Arbeitsleben waren diese Fernsehrollen definitiv meine Vorbereitung.

1997 übernahmen Sie eine Hauptrolle in der achten Staffel der Serie „Beverly Hills, 90210“, doch nach 16 Folgen wurden Sie gefeuert. Im Rückblick ein Segen, oder?

Ich dachte damals: Wenn ich nicht einmal gut genug bin für eine Serie, die kaum mehr jemand guckt, dann habe ich wohl in diesem Job nichts verloren. Aber dann habe ich mich natürlich zusammengerissen – und ein paar Monate später sprach ich für eine Rolle vor, die nicht nur meine Karriere, sondern mein ganzes Leben verändern sollte.

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Das war damals der Film „Boys Don’t Cry“, in dem Sie einen jungen Mann namens Brandon Teena spielten, der einst als Mädchen zur Welt gekommen war und aufgrund seiner Transsexualität vergewaltigt und ermordet wurde. Was bedeutet er Ihnen heute?

Bis heute sprechen mich Menschen auf den Film an und bedanken sich bei mir. Nicht mehr so häufig wie früher, aber doch immer mal wieder erzählt mir jemand, dass „Boys Don’t Cry“ sein oder ihr Leben gerettet habe. Oder zumindest die Möglichkeit, sich darüber mitzuteilen, wer sie oder er im Innersten wirklich ist. Das bedeutet mir unglaublich viel.

Nur fünf Jahre nach dem Oscar für „Boys Don’t Cry“ gewannen Sie für „Million Dollar Baby“ noch einen. Welcher Moment war der aufregendere?

Ich kann es bis heute oft nicht glauben, dass ich zwei Oscars habe. Nicht dass es darum ginge, das eigentliche Geschenk ist es natürlich, solche Rollen spielen und Menschen damit erreichen zu dürfen. Aber es ist schon ein sehr verrücktes Gefühl gewesen, beide Male.

Ist die Erkenntnis im Rückblick heute: Talent setzt sich durch?

Sei diszipliniert, wachsam, hartnäckig und unvoreingenommen, das ist der Schlüssel zu allem. Gelernt habe ich das als Schülerin, durch den Sport, denn damals drehte sich alles ums Schwimmen und Turnen. Mein Turn-Trainer sagte immer: „ich kann nicht“ heißt „ich mach‘s nicht“, und „ich mach‘s nicht“ heißt Liegestütze! (lacht) Damals habe ich sehr schnell gelernt, die Wörtchen „kann nicht“ aus meinem Vokabular zu streichen. Dabei fand ich Liegestütze noch nicht einmal so schlimm. Aber lange Rede, kurzer Sinn: Ich finde, dass wir uns selbst oft das größte Hindernis sind, aber mit harter Arbeit eigentlich alles erreichen können.

Fragen: Patrick Heidmann

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