Miss McCarthy, Ihr neuer Film „The Kitchen: Queens of Crime“ basiert auf einem Comic, ist aber letztlich ein klassischer, nur eben mit Frauen in den Hauptrollen besetzter Gangsterfilm. Können Sie mit diesem Genre gemeinhin etwas anfangen?

Ich bin sogar großer Fan von solchen Gangster-Geschichten. Vor allem, weil ich diese durch das Verbrechen zusammengehaltenen Wahlfamilien so faszinierend finde, mit ihrer etwas weltfremden, bedingungslosen Idee von Loyalität. Was für eine Unmenge falscher, ja fataler Entscheidungen da immer wieder im Namen dieser Familie getroffen werden!

Schon in „Can You Ever Forgive Me?“, für den Sie Anfang des Jahres für den Oscar nominiert waren, spielten Sie eine Frau, die nicht unbedingt als astreine Sympathieträgerin durchgeht. Sind Ihnen nette Leute zu langweilig?

Privat finde ich nette Leute etwas ganz wunderbares. Aber im Kino ist es nicht unbedingt das Spannendste, sympathische Menschen zu sehen, bei denen immer alles glatt läuft. Und auch im echten Leben sind doch oft die Personen am interessantesten, die Ecken und Kanten haben, ein bisschen eigenwillig oder exzentrisch sind. Und bei Lee Israel, die ich in „Can You Ever Forgive Me?“ gespielt habe, gefiel mir ganz besonders, dass es ihr auch egal war, ob jemand sie mag oder nicht. Das war so erfrischend anders, als es unsere Gesellschaft heutzutage erwartet.

Ähnlich wie Israel nehmen Sie auch als Kathy in „The Kitchen“ die Sache schließlich selbst in die Hand. So zupackend sind Sie auch im realen Leben, oder?

Na ja, ich lasse keine Menschen ermorden. (lacht) Aber klar, ansonsten haben Sie schon Recht, ich bin recht zupackend und mache mein eigenes Ding. Selbst früher, als ich als Schauspielerin noch am Anfang stand und ums Überleben kämpfen musste, war die oberste Devise für mich immer, dass ich mich nicht verbiegen lasse oder faule Kompromisse eingehe. Klar, ich stand auf winzigen Bühnen und lebte von der Hand in den Mund, aber immerhin spielte ich nur in Produktionen mit, die ich auch richtig gut fand. Und später, als sich mit dem Erfolg neue Türen öffneten, bin ich dieser Devise nicht nur treu geblieben, sondern noch einen Schritt weitergegangen. Deswegen produziere ich ja längst auch viele Filme selbst.

Ihre gemeinsam mit Ihrem Ehemann Ben Falcone betriebene Produktionsfirma heißt On The Day. Wie sind Sie selbst eigentlich so als Chefin?

Ich hoffe eine gute! Meinen Mann kommandiere ich jedenfalls nicht herum, wenn Sie das meinen. Dazu ist der viel zu nett. Und auch bei unseren Mitarbeitern setze ich auf Freundlichkeit und flache Hierarchien. Ich umgebe mich gerne mit Leuten, die etwas von ihrer Sache verstehen, und entsprechend liegt mir viel an echter Zusammenarbeit. Warum sollte ich jemanden unterdrücken und mir andere Ideen nicht anhören? Chefs, die glauben, sie wüssten als einzige wie es zu laufen hat, und keine Meinung neben ihrer dulden, fand ich schon immer furchtbar.

Würden Sie unterschreiben, dass unsere Gesellschaft Männer und Frauen in Führungspositionen mit zweierlei Maß misst?

Keine Frage, das ist leider so. Es bitter, dass sich daran immer noch nichts geändert hat. Auch heute noch giltst du automatisch als aggressiv und zickig, wenn du als Frau weißt, was du willst und dafür auch einstehst. Bei Männern heißt es bei solchem Verhalten immer, sie seien zielstrebig und gut in ihrem Job.

Aber gerade in den vergangenen Jahren hatte man doch den Eindruck, dass sich einiges in Sachen Gleichberechtigung tut, gerade in der Filmbranche.

Sicherlich lassen sich allerlei Verbesserungen erkennen. Allerdings kann in keinem Bereich – sei es gleiche Bezahlung, gleiche Chancen oder was auch immer – davon die Rede sein, dass neueste Zahlen suggerieren, wir hätten alle Ungerechtigkeiten aus der Welt geräumt. Der Weg, der da vor uns liegt, ist noch lang und ich rechne jederzeit mit Rückschritten.